Ein vorläufiger Untersuchungsbericht der vietnamesischen Luftfahrtbehörde (CAAV) legt nahe, dass es bei der Boeing 787-9 von Vietnam Airlines bereits beim Start in München ein technisches Problem gab.
Beim Beschleunigen auf dem Rollfeld habe die Besatzung bereits Probleme festgestellt, hieß es demnach im Bericht unter Berufung auf die Piloten des Fluges: Ungefähr auf halbem Weg auf der Startbahn habe die Maschine rund zwei Sekunden lang nicht an Tempo zugelegt. Danach habe sie zunächst bis zur kritisch erforderlichen Geschwindigkeit beschleunigt, doch dann sei das Tempo erneut abgefallen.
Da nicht mehr genug Strecke auf der Bahn vorhanden gewesen sei, um den Start sicher abzubrechen, habe der Pilot den Startvorgang fortgesetzt. Er habe die Triebwerks-Schubhebel auf maximale Position gebracht und die Flugzeugnase hochgezogen.
Warnmeldungen veranlassten Rückkehr nach München
Nach dem gerade noch erfolgreichen Abheben habe die Maschine Warnmeldungen abgegeben, dass das Heck auf das Rollfeld getroffen sei – ein sogenannter Tailstrike – und zudem vier der acht Reifen Luft verlören. Bei einer späteren ersten Inspektion sei festgestellt worden, dass die Reifen, drei auf der linken Fahrwerksseite und einer auf der rechten, geplatzt waren. Die Besatzung habe daraufhin die Flugsicherung informiert und entschieden, für eine technische Überprüfung nach München zurückzukehren.
Vor dem Landen ließ die Maschine noch Kerosin ab, um leicht genug für eine sichere Landung zu werden. Zudem ließ der Pilot die Maschine zwei Schleifen in niedriger Höhe über dem Flughafen drehen, damit die Flugsicherung den Zustand des Fahrwerks beurteilen konnte. Nachdem keine Abnormitäten daran festgestellt wurden, landete der Pilot das Flugzeug, hieß es in dem Bericht.
Aufnahmen in sozialen Medien zeigten, wie die Boeing von Flug VN34 beim Start über die Bahn hinaus raste und, eine Staubwolke hinterlassend, abhob. Bei der Landung rund zwei Stunden später war Qualm zu sehen, der am Fahrwerk aufstieg. Laut dem vorläufigen Bericht der vietnamesischen Behörde gab es im Flugzeug mit 271 Passagieren und 16 Crew-Mitgliedern selbst kein Feuer oder Rauch. Verletzt wurde niemand.
Ermittlungen liegen bei der BFU
Die Untersuchung des Vorfalls liegt bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig, die die generelle Aufklärung übernommen habe, teilte die Bundespolizei mit.
Ein Ermittlungsverfahren gebe es aktuell nicht, hieß es von der für den Airport zuständigen Staatsanwaltschaft Landshut. BFU-Experten hatten am Wochenende Flugdatenschreiber und Voicerecorder sichergestellt und nach Braunschweig geschickt. Ein Zwischenbericht könnte nach BFU-Angaben in einigen Wochen vorliegen, bis zum Abschlussbericht dürften dagegen Monate vergehen.