Andreas Spaeth (Jahrgang 1966) hat vor 50 Jahren zum ersten Mal ein Verkehrsflugzeug bestiegen. Seitdem ist er in mehr als 75 unterschiedlichen Passagiermaschinen abgehoben. Daten, Fun-Facts und persönliche Anekdoten: In seiner airliners.de-Kolumne "Spaeths Flugzeugquartett" stellt der Luftfahrtjournalist die markantesten historischen und aktuellen Verkehrsflugzeuge vor und schildert seine Erlebnisse mit ihnen. Ein Flugzeugquartett der etwas anderen Art.
Airbus A319
Airbus A319 von Lufthansa © Lufthansa
Typ: Zweistrahliges Schmalrumpfflugzeug
Hersteller/Herkunft: Airbus/Europa, Fertigung in Hamburg und Tianjin, China
Erstflug: 25. August 1995
Indienststellung: 25. April 1996
Produktionszeit: 1994 bis heute (A319 Neo)
Anzahl gebaut: 1499 (bis August 2023, davon 15 A319 Neo)
Länge: 33,84 m
Spannweite: 35,80 m
Reichweite: 6940 km
Reisegeschwindigkeit: Mach 0,82 (871 km/h)
Sitze (max./typisch): 150 bzw. 160 (je nach Version)/134
Warum ich die A319 ins Quartett aufnehme
Als Hamburger bin ich natürlich ein wenig voreingenommen bei allem, was aus Finkenwerder kommt. Bis 2001 die A318 kam, war die A319 der kleinste Airbus-Typ. Besonders beliebt war die A319 bei den großen US-Airlines. In Europa bildete der Typ beim Billigflieger Easyjet lange das Rückgrat der Flotte – mit insgesamt 172 Einheiten. Auch Germanwings, heute Eurowings, fliegt/flog 50 Exemplare, die Lufthansa hat/hatte insgesamt 41 Airbus A319.
Ein Airbus A319 der Lufthansa-Tochter Germanwings steht bei Sonnenaufgang auf dem Flughafen in Stuttgart. © dpa / Sebastian Kahnert
Mein erster Flug mit der A319
Am 14. März 1996 bestieg ich zum ersten Mal eine A319, noch bevor sie in den Liniendienst ging. Es war eine Vorserienmaschine im Flugtestprogramm vor der Zulassung.
Der Flug hat sich in meine Erinnerung gebrannt. Es ging los vom damaligen Stadtflughafen in Santiago de Chile, wo gerade eine Luftfahrtmesse stattfand.
Testpilot Chris Krahe wollte den Messebesuchern in Erinnerung bleiben, mir und einer Handvoll anderer Mitreisender wurde an Bord sehr mulmig: Direkt nach dem Abheben stellte Krahe seine A319 fast senkrecht auf die linke Tragfläche, wir waren nicht hoch, die Slums von Santiago kamen immer näher. Ein Stunt, sowas machten alte Piloten-Haudegen damals.
Airbus A319 Testflugzeug im Jahr 1996 in La Paz. © Andreas Spaeth
Entschädigt wurden wir mit einer spektakulären Andenüberquerung inklusive Schleife dicht um den Gipfel des höchsten Bergs Aconcagua, knapp 7000 Meter hoch, buchstäblich atemberaubend. Es ging nach La Paz in Bolivien, mit 4061 Meter über Meereshöhe einer der höchstgelegensten Flughäfen der Welt. Hier fanden Flugtests in dünner Höhenluft statt, die wir Begleiter vom Flughafen aus beobachteten.
Zwei Tage später stellten wir auf dem Rückweg nach Europa einen Rekord für die A319 auf, der sehr lange hielt, vielleicht gilt er noch immer: Von La Paz zunächst nach Guadeloupe in der Karibik in fünf Stunden zum Tanken, danach dann nonstop in sieben Stunden ins heimische Toulouse. Es waren maximal zehn Leute an Bord, ich rollte meinen Schlafsack in der weitgehend unbestuhlten Kabine aus, großartig.
Meine besonderen Flüge mit der A319
Anfang 2009 konnte ich die A319 auf einer ganz besonderen Mission erleben – im Einsatz bei Druk Air aus Bhutan. Das kleine Land liegt eingezwängt zwischen Indien und Tibet beziehungsweise China im Himalaya. Der einzige größere Flughafen in Paro ist umringt von 4000 bis 6000 Meter hohen Gipfeln – einer der am schwersten anzufliegenden Flughäfen der Welt, der wegen tückischer Winde täglich ab 12:00 Uhr schließen muss.
Andreas Spaeth vor einem Airbus A319 der Drukair in Paro/Buthan. © Andreas Spaeth
Die nationale Airline hat spezielle A319 mit höherer Triebwerksschubleistung, die jener der viel größeren A321 entsprechen, um beim Start von Paro nach einem Triebwerksausfall notfalls im engen Tal umzudrehen und wieder sicher landen zu können. Selbst im Normalfall müssen die Maschinen sicher über den Kamm aus Sechstausendern in der Nähe kommen.
Der Hinflug von Delhi über Kathmandu nach Paro führt am Panorama der höchsten Berge der Welt vorbei, nicht nur der Achttausender Mount Everest ragt heraus, er ist Teil einer ganzen Kette von fast gleich hohen Gipfeln. Für solche Missionen ist die A319 mit ihrer kompakten Größe bei reichlich Schub gut geeignet.
Was ich zum Airbus A319 noch erzählen wollte
Die A319 bietet sich wegen ihrer Kabinengröße für besondere Missionen an. So betrieb etwa die schweizerische Privat Air (Pleite 2018) zeitweise den Airbus-Werksverkehr zwischen Hamburg-Finkenwerder und Toulouse mit einer Einklassen-A319.
Gleichzeitig offerierte sie ihre Dienste aber auch für reine Business Class-Dienste auf Langstrecken großer Airlines, die bei wenig Aufkommen hohe Erträge versprachen. Ab Winter 2023/24 will der neue Edel-Ferienflieger Beond mit einer A319, die mit nur 44 Lieflat-Sitzen ausgestattet ist, zweimal wöchentlich von München und Zürich jeweils mit Tankstopp in Dubai Luxustouristen auf die Malediven fliegen.
Meine A319-"Fun-Facts"
Die A319 war seit Produktionsbeginn 1994 – genau wie auch zuvor schon die A321 – lange Zeit ausschließlich ein Flugzeugtyp "Made in Hamburg". Erst später wurden diese Typen der A320-Familie auch an anderen Airbus-Endmontageorten wie Toulouse und Tianjin gefertigt.
Die A319 ist ein beliebter Business Jet, sowohl in der ab Werk angebotenen Variante A319 ACJ (Airbus Corporate Jet) als auch mit umgerüsteten ehemals kommerziellen Jets.
Übergabe des ersten Airbus A319CJ am 31.3.2010 an die Flugbereitschaft © dpa, M. Gambarini
Die ACJ bietet dabei üblicherweise 19 bis 50 Passagieren Platz, durch Zusatztanks kann die Reichweite von rund 7000 auf bis zu 12.500 Kilometer gesteigert werden.
Emirates betreibt eine solche A319 ACJ als kleinstes Flugzeug im Executive Charter, die hintere Hälfte der Kabine wird dabei von zehn First Class-Suiten eingenommen, wie sie die Gesellschaft sonst in ihren Großraumjets bietet. Auch Qatar Executive nutzt eine A319 ACJ für 19 Passagiere.