Auf den Goldhofer Innovations Days hat das Memminger Unternehmen auch einige Projekte von Partnern gezeigt. Eines davon war der Airport Training Simulator ATS. Im Vordergrund der Demonstration stand dabei das Simulieren eines Pushbacks von Flugzeugen mit Fahrzeugen von Goldhofer.
Unterstützt werden vom Simulator die stangenbasierten Pushbackfahrzeuge der Bison-Serie sowie die Hub-Pushbackfahrzeuge Phoenix und Atlas in ihren jeweiligen Bauformen, wie uns die ATS-Entwickler vor Ort sagten.
Je nach Ausstattung ist dann eine Simulation des Pushbacks mit einem simplen Setup möglich, das etwa aus Laptop, Sekundär-Touchscreen und einem Lenkrad besteht, bis hin zur kompletten Ausrüstung, die einem Cockpit eines Fahrzeuges näher kommt. In Memmingen wurde die Vollausstattung inklusive spezieller Tasten im Cockpit gezeigt.
ATS ist aber kein reiner Pushback-Simulator. Innerhalb des Systems gibt es verschiedene Module, wie etwa den Walkaround-Simulator, bei dem verschiedene Stationen am Flugzeug geprüft werden müssen. Auch dieser Teil von ATS wurde gezeigt.
Simulator mit Multitraining
Das Training muss sich nicht nur auf eine einzelne Person beschränken. Auch im Team ist es möglich, die Koordination auf dem Vorfeld zu üben. Dazu kommt eine spezielle Instructor-Position.
ATS bei Goldhofer: Einige Bedienelemente sind auf dem Touchscreen, andere haben dedizierte Tasten im vollen Cockpit. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die ATS-Entwickler versprechen, dass zehn Tage Training im Simulator 20 Tage von Training am echten Equipment ersetzen können. Ziel sei es, die kostenintensive Vorphase der Ausbildung auf den Computer zu verlagern. Zudem können unterschiedliche Wettersituationen simuliert werden.
Umgesetzt wurde das Ganze innerhalb der Unreal-Engine, bietet also aktuelle Grafik und auch die Physik-Effekte, die die Engine softwareseitig bietet. Unreal, ursprünglich die 3D-Shooter-Engine des gleichnamigen Spiels, ist in den vergangenen Jahren verstärkt in Simulationsspielen zum Einsatz gekommen.
Entwickelt wird der Simulator von den polnischen MK Studios. Dort ist die Software auch als GSE Simulator gelistet, wird aber mittlerweile als ATS vermarktet. Das Studio kann einige Erfahrungen im Flugsimulator-Bereich vorweisen. Für Microsofts Flight Simulator produziert das Studio etwa detaillierte Flughäfen. MK Studios kann also tatsächlich Flughafen-Nachbauten für das Training an entsprechenden Airports stellen. Im deutschsprachigen Raum verkauft das Studio etwa Düsseldorf und Zürich als detaillierte Flughafen-Modelle.
Für weitere Flexibilität bietet MK Studios auf Anfrage auch weitere Möglichkeiten an. Das gilt beispielsweise für die unterstützten Flugzeuge im Pushback- oder Walkaround-Training. Aktuell bietet ATS die Flugzeuge B737 Max 8, A320 Neo, A350-900 und Boeing 787-9. Auf Wunsch können weitere Flugzeuge bereitgestellt werden. Auch spezielle Flughäfen, besondere Fahrzeuge oder Abläufe können entwickelt werden. Nach Angaben der Entwickler ist der Simulator modular aufgebaut.
Erfahrung hat das Studio auch im Spieledesign selbst. Die 2023 erschienene AirportSim brachte tatsächlich die Handhabung von Ground Support Equipment spielerisch nahe. Die Spieler sahen in dem Spiel auch einiges an Potenzial, es wurde jedoch 2024 aufgegeben. Uns erinnert der Simulator tatsächlich etwas an das Spiel. Das ist auch nicht ungewöhnlich. Der Flugsimulator X-Plane existiert beispielsweise sowohl als Spiel als auch als professioneller Simulator. Das Flugmodell des Spiels ist so akkurat, dass es sogar in der Flugzeugentwicklung und -forschung verwendet wird.