Die Lufthansa rüstet ihre gesamte Flotte mit schnellem Internet an Bord aus und setzt dabei auf den Satellitendienst Starlink von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX. Am Mittwoch hob der erste Airbus A320 Neo mit Highspeed-Internet in Frankfurt ab. Bis 2029 will die Lufthansa-Gruppe die Technik in ihrer gesamten Flotte von 850 Maschinen einführen.
Auch andere große Fluggesellschaften wie British Airways und Emirates setzen inzwischen auf Starlink. Die erdnahen Satelliten gelten in der Luftfahrtbranche als Goldstandard für schnelles WLAN an Bord. Die Kehrseite ist jedoch die Abhängigkeit von einem einzelnen US-Unternehmen.
Wie riskant das sein kann, zeigte sich im März 2025. Elon Musk deutete damals auf der Plattform X an, die Front der ukrainischen Armee breche bei einer Abschaltung von Starlink zusammen. Kurz darauf beteuerte er, das niemals zu tun. Die Ukraine setzt Starlink im Drohnenkrieg gegen Russland ein.
Willkommensschild zum Erstflug mit Starlink von Lufthansa an einer Flugzeugtür : Orangefarbenes Willkommensschild mit Lufthansa-Logo, Zeichnungen eines Satelliten und Flugzeugs sowie dem Text „Willkommen Welcome“ an einer geöffneten Flugzeugtür. © airliners.de / Andreas Sebayang
Airlines nutzen Starlink zur Kundenbindung
Für die Fluggesellschaften ist das schnelle Internet vor allem ein Instrument zur Kundenbindung. Sie können Passagiere für Treueprogramme gewinnen und ihnen nach der Reise Flüge, Upgrades oder Kreditkarten anbieten. Bei der Lufthansa ist die Nutzung für alle Mitglieder von "Miles & More" und für Nutzer einer Travel ID ohne Aufpreis möglich.
Der amerikanische Lufthansa-Partner United Airlines teilte kürzlich mit, Starlink-WLAN sei bereits auf mehr als 25 Prozent der täglichen Flüge verfügbar. Eine komplette Abdeckung sei bis Ende 2027 geplant. "Das wird uns von allen anderen Fluggesellschaften abheben", sagte United-Chef Scott Kirby.
Lufthansa-Airlines-CEO Jens Ritter spricht am Gate A26 vor Flug nach Rom-Fiumicino : Jens Ritter steht im dunklen Anzug mit Mikrofon vor Lufthansa-Schaltern am Gate A26. Darüber zeigt eine Anzeigetafel den Flug LH 230 nach Rom-Fiumicino; im Hintergrund sind Reisende und Geschäfte sichtbar. © airliners.de / Andreas Sebayang
Der Vorsprung dürfte nicht lange halten. British Airways nutzt die Technik seit März und rüstet ihre Flotte bis 2028 vollständig aus. Emirates-Präsident Tim Clark erklärte, die Golf-Airline baue Starlink in so viele Flugzeuge wie möglich ein. Kostenloses, schnelles WLAN an Bord sei ein wichtiger Faktor für die Nachfrage.
Die Fluggesellschaften investieren dafür erheblich. Die Installation kostet nach Schätzungen mehrere hundert Millionen US-Dollar je nach Flotte, hinzu kommt eine jährliche Servicegebühr im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Space X hat sich mehrjährige Verträge für über 7000 Flugzeuge gesichert und ist damit bereits bei jedem fünften Flieger weltweit an Bord. Das Unternehmen halte damit einen unangefochtenen Vorsprung, sagte Daniel Welch von der Beratungsfirma Valour Consultancy.
Niedrige Orbits verschaffen Space X technischen Vorteil
Der Vorteil von Starlink liegt in der niedrigen Umlaufbahn der Satelliten. Das System ist seit 2019 im Aufbau und nutzt derzeit rund 13.000 Satelliten im niedrigen Erdorbit in einer Höhe von 160 bis 2000 Kilometern. Herkömmliche, langsamere Satelliten befinden sich dagegen im geostationären Erdorbit in fast 36.000 Kilometern Höhe.
Dank eigener Satellitenproduktion und der Kapazität, die Geräte mit der Falcon-9-Rakete ins All zu bringen, kommt Space X mit dem Ausbau seines Netzes schnell voran. Langfristiges Ziel ist der Betrieb von einer Million Satelliten. Starlink ist die wichtigste Einnahmequelle für Musks Raumfahrtunternehmen. Laut Börsenprospekt erzielte die Sparte 2025 mit 11,4 Milliarden US-Dollar 60 Prozent des Gesamtumsatzes von Space X.
Europa sieht Starlinks Marktmacht kritisch
Die marktbeherrschende Stellung von Starlink wird in Europa kritisch gesehen, ist nach Einschätzung von Branchenkennern aber nicht mehr zu ändern. Die europäische Alternative Eutelsat One Web betreibt das einzige andere globale LEO-Satellitennetzwerk für die kommerzielle Nutzung. Das britisch-französische Unternehmen profitiert zwar von Bemühungen in Europa, unabhängiger von US-Anbietern zu werden, sein Netzwerk ist aber deutlich kleiner und teurer als Starlink. In den USA versucht Amazon, ein Konkurrenzangebot aufzubauen.
In Europa seien ähnliche Konzepte lange skeptisch betrachtet worden, sagte Hans-Peter Petry, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation (DeSK). Eine typisch europäische "Bedenkenträger"-Mentalität habe Innovationen gebremst. Starlink habe dagegen bewiesen, dass das Leo-Konzept technisch und wirtschaftlich tragfähig sei. Die europäische Konkurrenz hinke derzeit drei bis fünf Jahre hinterher.
Zudem sei Europa historisch von geostationären Satelliten geprägt, so Petry. Für schnelles Internet sind niedrig fliegende Satelliten den geostationären technisch überlegen. Dieser Paradigmenwechsel sei in Europa lange auf Widerstand gestoßen. "Das ist ähnlich wie der Übergang vom Verbrenner zum Elektroauto", sagte Petry. "Die Verbrennerfraktion versucht natürlich, krampfhaft bei ihrer bestehenden Technik zu bleiben."
Nach Einschätzung von DeSK-Vorstandsmitglied Ernst Bosch werden es europäische Konkurrenten gegen die US-Anbieter schwer haben. Für die Lufthansa gebe es damit keine Alternative zu Starlink, um konkurrenzfähig zu bleiben. "Wir werden mit dieser Abhängigkeit leben müssen", sagte Petry. "Man kann nur hoffen, dass Starlink seine Monopolposition im politischen Umfeld nicht selektiv ausnutzt – eine gewisse Unsicherheit bleibt aber."