Mit der Auslieferung des Airbus A321 XLR an Air Canada startet der kanadische Flagcarrier auch mit einer besonderen Business Class, die in der Luftfahrt in dieser Art von Flugzeugen noch sehr selten ist.
Denn das Schmalrumpfflugzeug wurde mit einer Business Class ausgestattet, die mit den Produkten in klassischen Langstreckenflugzeugen mithalten soll.
Vergleichsweise viel Privatsphäre, direkter Zugang zum Gang und eine komplette Liegeposition versprechen die neuen Sitze von Collins Aerospace, die Air Canada auf der vergangenen Aircraft Exteriors Expo in Hamburg bereits vorstellte.
Schon während der Messe deutete Air Canada an, dass das erste Flugzeug für die Sitze in ein paar Kilometern Entfernung fast fertig wäre, und sollte recht behalten. Am 24. April verkündete Airbus nämlich die erste Auslieferung der A321-XLR-Bestellung von Air Canada.
Auf den ersten Blick sieht der Sitz von Collins Aerospace sehr gut aus. In einer 1:1-Konfiguration werden insgesamt 14 Sitze auf sieben Reihen verteilt im vorderen Bereich der Kabine installiert. Alle Sitze sind angeschrägt in einem Herringbone-ähnlichen Layout.
Fluggesellschaften wie Iberia und Ita bieten Ähnliches in ihren Langstrecken-A321-XLR, doch Air Canada will mehr Privatsphäre bieten. Das war bei der Demoeinheit auch recht gut ersichtlich. Die Zugänge zu den Aurora Suites, wie Air Canada sie nennt, erlauben wenig Blick ins Innere. Dazu kommen die Gepäckfächer, die alles etwas privater erscheinen lassen, aber auch für eine gefühlte Enge sorgen.
Unterhaltungen sollen möglich sein
Trotzdem verspricht Air Canada, dass zum Beispiel zu zweit reisende sich weiter gut zwischen den Sitzen austauschen können. Dazu lässt sich eine Trennwand herunterfahren.
Zur Ausstattung gehören außerdem 19-Zoll-4K-OLED-Monitore, High Power USB Typ C, also vermutlich 60-Watt-Buchsen, und eine typische Mehrsystemsteckdose. Auch Bluetooth soll es geben. Es handelt sich dabei um Panasonics Astrova-IFE-System.
Besonders Augenmerk setzten Air Canada und Collins Aerospace auf die Bereiche vor und nach der Business Class. In Richtung Economy Class gibt es eine vergleichsweise aufwendige Abgrenzung.
Collins Aerospace hat bei Aurora an eine Integration der Economy Class gedacht. : Ein Messestand präsentiert ein Kabinen- und Sitzkonzept von Collins Aerospace/Aurora. Auf drei Monitoren und in Broschüren sind Sitzmuster und Hinweise zum Airbus A321XLR zu sehen. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die bis zur Decke gehenden Elemente dienen zum einen zum Unterbringen von Kleidungsstücken, sind aber gleichzeitig auch mit dem Inflight-Entertainment-System für die Economy Class ausgestattet. Wer dort sitzt, muss seinen Monitor also nicht aus dem Sitz herausziehen. Es bleibt aber dabei, dass die erste Economy-Reihe nur wenig Platz für die Füße hat, da es keine Aussparung innerhalb des Aurora-Bereichs gibt.
Crew-Bereich vor der Business Class Aurora von Air Canada. : Der vordere Crew-Bereich einer Air-Canada-Business-Class-Kabine mit geöffneten und geschlossenen Stauraumklappen. Die Ausstellungsfläche ist innen beleuchtet, daneben stehen Messebesucher und ein Rucksack. © airliners.de / Andreas Sebayang
Zum Cockpit hin hat Collins Aerospace das diagonale Verstauen der Bordtrolleys mit einem Winkel von 49 Grad integriert und will so den Platz besser ausgenutzt haben, als andere Lösungen.
Der Trolley wird diagonal in die Business-Class-Front von Aurora eingeschoben und gesichert. : In einer Messehalle zeigt ein Mann ein Business-Class-Kabinenmodul mit offenem Fach und eingeschobenem Trolley. Mehrere Zuschauer stehen im Hintergrund, die Szene ist hell beleuchtet. © airliners.de / Andreas Sebayang
Collins Aerospace kann so den durch die angewinkelten Sitze ungünstigen Restplatz besser nutzen. Außerdem verspricht Collins für die Business Class auch Erleichterungen im Service. So sind etwa die Monitor-Verstellungen von der Crew aus direkt erreichbar, um die Passagiere besser mit dem Essen zu erreichen.
Einsatz sowohl im Inland als auch über den Atlantik
Die Flugzeuge will Air Canada nicht nur international einsetzen. Wie die Fluggesellschaft airliners.de sagte, sollen die so ausgestatteten A321 XLR auch im transkontinentalen Betrieb eingesetzt werden. Damit sind Routen wie Montréal nach Vancouver oder Toronto nach Vancouver gemeint.
In Nordamerika werden bestimmte Routen als Transcontinental Service betrieben und haben meist deutlich bessere Angebote. United betreibt in den USA solche Routen etwa zwischen New York City und Los Angeles sowie San Francisco.
Ansonsten sollen die Flugzeuge freilich auch Verbindungen nach Europa umsetzen. Eigentlich sollte die A321 XLR beispielsweise zwischen Montréal und Berlin fliegen, doch jetzt kommt vorerst ein Dreamliner zum Einsatz.
Mit dem ersten Flugzeug, das von SMBC Aviation Capital geleast wird, kann Air Canada nun mit der Planung für die Einsätze anfangen. Wo das Flugzeug zuerst eingesetzt wird, hat die Airline noch nicht gesagt. Es hieß nur, dass es "in Kürze" auf Atlantik-Routen eingesetzt wird.
Die Transkontinental-Routen wurden danach in der Pressemitteilung genannt. Es steht aber noch eine Zertifizierung durch Transport Canada aus. Auf der AIX sagte uns das Unternehmen, dass man grob vom Einsatz ab Juni 2026 ausgeht.