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Schiene, Straße, Luft (Extra) Gastautor werden

Der Jumbo gegen das Fernweh

Boeing stellt die Produktion der 747 ein. Unser Kolumnist Thomas Rietig nimmt Abschied von der Königin der Lüfte. Das Flugzeug ist für ihn ein Symbol für die Demokratisierung des Fliegens.

Ein Flugzeug wird zerlegt. © AirTeamImages.com / Yochai

Boeing will 2022 die Produktion des Jumbo-Jets einstellen. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang stand das Großraumflugzeug mit dem markanten Buckel für ein Zeitalter, in dem das Fliegen demokratisiert wurde, in dem aber auch nur zögerlich die negativen Effekte des Massentourismus thematisiert und kanalisiert wurden und werden.

Es ist zwar kein Zufall, dass das Aus mitten in der globalen Corona-Krise kommt, aber auch ohne die Pandemie wäre das Ende der Riesenjets absehbar gewesen. Dennoch sind mit der 747 viele unvergessliche Erlebnisse verbunden.

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern

Thomas Rietig Thomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

Jumbo-Jets haben mich mein gesamtes Leben lang begleitet. Mein wahrscheinlich längster Flug führte Anfang 1991 von London nach Perth. Mit Zwischenlandung in Karachi – oder war es Kalkutta? Als wäre die Strecke nicht eh schon lang genug, mussten wir auch noch einen Umweg über Zentralasien fliegen, denn im Vorderen Orient tobte der zweite Golfkrieg. British Airways: Die Sitze waren eng, und die Reihen standen dicht beieinander, auf dem Rückflug wurden in Karachi – oder war es Kalkutta? – alle freien Plätze aufgefüllt, und ich musste in der Mitte einer Dreiergruppe sitzen. Diese Haltung war alles andere als artgerecht, die 747-400 war noch nicht lange im Dienst, und es wirkte geradezu zynisch, als der Pilot bei seiner Willkommensansage stolz betonte, dass wir uns hier im größten Verkehrsflugzeug der Welt befänden.

Aber die meisten Erlebnisse waren positiv. Die 747 hat mir geholfen, Lebensträume zu erfüllen. Bevor ich vor 46 Jahren zum ersten Mal in einen dieser Riesenvögel einsteigen konnte, hatte ich schon ein Modell im Design der Trans World Airlines geschenkt bekommen. An dem Metallmodell machte sich mein Fernweh lange Zeit ebenso fest wie an Bildern aus den kanadischen Rockies und von der Pazifikküste. 1974 war es dann so weit. Es war der zweite Flug in meinem Leben überhaupt, der mich zwar nicht in einem Jumbo der TWA, sondern in einer 747-100 der Air Canada nach Vancouver brachte, an den Ausgangspunkt eines dieser Träume: Alleine durch Westkanada mit dem Auto.

Von: Thomas Rietig für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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