Boeing 777X in Everett gestartet - größter Zweistrahler der Welt absolviert Erstflug

Die Boeing 777X hat ihren Erstflug hinter sich gebracht. Lufthansa gehört zu den Erstkunden für den neuen Twinjet. Für dessen klappbare Flügelenden ist ein deutscher Hersteller zuständig.

Das neue Boeing-Modell 777X beim Erstflug. © dpa

Mit mehrmonatiger Verzögerung ist die Boeing 777X vom Paine Field in Everett aus zu ihrem Erstflug gestartet. Mit 77 Metern Länge und einem maximalen Startgewicht von 352 Tonnen handelt es sich um den bisher größten Zweistrahler für die Zivilluftfahrt überhaupt.

Auch nach dem Aus für den europäischen Riesen-Airbus A380 und dem ebenfalls auf eine Produktionsende zusteuernden Jumbojet Boeing 747 geht die Ära der großen Passagierflugzeuge damit weiter. Jetzt übernehmen zweistrahlige Großflugzeuge den Massentransport auf den Rennstrecken des globalen Luftverkehrs.

Ähnliche Kapazität wie 747-8

In der 777X-Generation plant Boeing mit zwei Versionen: die -8 mit 70 Meter Länge für 350 bis 375 Passagiere, und die -9 mit 77 m Länge für 400 bis 425 Passagiere. Die 777-9 hat heute den Erstflug absolviert und wird die anstehende Flugerprobung in Angriff nehmen. Wann die erste 777-8 gebaut wird, ist noch nicht ausgemacht.

Die -9 liegt an der unteren Grenze der A380-Kapazität, die von 400 bis 875 Passagieren reicht und ist durchaus vergleichbar mit der Kapazität des Vierstrahlers 747-8, den Lufthansa - mit großer Business Class - mit 368 Sitzplätzen betreibt.

Lufthansa gehört zu den 777X-Erstkunden

Die Lufthansa ist einer der Launch-Customer des Flugzeugs und hat 20 Maschinen fest bestellt. Damit wird eine Besonderheit des neuen Flugzeugs schon bald auch hierzulande regelmäßig zu beobachten sein: Die 777X hat hochklappbare Flügelenden, damit sie in "normale" Gates an den Flughäfen passt.

Die "Folding Wingtips" verkürzen am Boden die Spannweite um rund sieben Meter von 72 auf 65 Meter. Die Überlänge der Flügel begründet Boeing mit der dadurch möglichen Treibstoffersparnis im Reiseflug. Die 777X soll damit zum sparsamten Flieger ihrer Klasse werden.

Flügelspitzenvergleich. Foto: © Boeing

Eine der großen Herausforderungen bei Entwurf und Bau war, die zugehörige Elektronik und Mechanik so zu konstruieren, dass ein Hochklappen während des Fluges de facto unmöglich wird. Unter anderem wird nach dem Ausklappen die Stromversorgung der Mechanik unterbrochen.

Die in der Zivilluftfahrt neue Technologie ist auch ein großer Erfolg für die deutsche Luftfahrtindustrie, denn sie wird von Liebherr geliefert, einem der größten Player unter den deutschen Zulieferern.

Neben den abknickenden Flügelenden gehören zu den Neuerungen der X-Versionen gegenüber den klassischen Triple Sevens auch komplett neu entwickelte Flügel aus CFK, die viel Gewicht sparen sollen. Die Fenster sind größer und höher angebracht. Zudem wird die Kabine innen rund zehn Zentimeter breiter. Gleichzeitig sollen auch ein höherer Kabinendruck sowie mehr Luftfeuchtigkeit den Aufenthalt an Bord angenehmer machen.

Nach einigen Verzögerungen in der Planungsphase und dem verspäteten Roll-Out im März 2019, war der Erstflug der 777X eigentlich bereits für den vergangenen Sommer angesetzt. Doch das neue Triebwerk vom Typ GE9X musste wegen einer Designänderung an der Kompressorstufe neu zertifiziert werden. Wegen zu hohem Verschleiß an einem Stator müsse dieser durch ein robusteres, neu entworfenes Teil ersetzt werden, hatte General Electric im Juni mitgeteilt.

Im September 2019 schließlich wurde bei einem Drucktest an einer 777x-Testzelle eine der hinteren Frachttüren aus dem Rumpf gesprengt. Ein potenziell strukturelles Problem, dass das Programm noch einmal weit hinter den Zeitplan hätte werfen können. Es stellte sich nach Boeing-Angaben jedoch heraus, dass trotz des spektakulären Test-Fehlschlags, die ermittelten Parameter und Test-Ergebnisse alle im oder nahe am vorgesehen Bereich lagen. Man könne mit kleineren Anpassungen der Probleme Herr werden, der Erstflug solle wie vorgesehen im Januar 2020 stattfinden. Jetzt war es so weit.

Von: dk

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