Der Elektro-Lufttaxi-Hersteller Archer Aviation hat vor einem US-Bundesgericht eine Gegenklage gegen den Konkurrenten Joby Aviation eingereicht. Darin wirft Archer dem Rivalen vor, die US-Regierung betrogen und enge Verbindungen zur Volksrepublik China verschwiegen zu haben, um sich einen unrechtmäßigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Joby hatte Archer im November vergangenen Jahres vor einem kalifornischen Gericht wegen des angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen verklagt. Das Unternehmen wirft Archer vor, einen ehemaligen Joby-Mitarbeiter abgeworben zu haben, der vertrauliche Informationen zu Geschäftsstrategien, Partnerschaftskonditionen und Flugzeugspezifikationen mitgenommen haben soll. Der Fall wurde im Dezember 2025 an ein US-Bundesgericht verwiesen.
Konkret behauptet Archer, Joby und beziehungsweise dessen Vertreter hätten "tausende Pfund chinesischer Flugzeugmaterialien betrügerisch als Konsumgüter deklariert – offenbar um US-Zölle und die Aufsicht über ausländische Einflussnahme zu umgehen". Zudem habe Joby Zuschüsse und finanzielle Leistungen der chinesischen Regierung erhalten, was auf eine "tiefe, nicht offengelegte Abhängigkeit vom Ausland" hinweise. Statt diese Verbindungen zu Peking offenzulegen, habe sich Joby lieber "in die amerikanische Flagge gehüllt".
Joby-Anwalt Alex Spiro wies die Vorwürfe scharf zurück. "Archers anhaltende rechtliche Probleme und das Straucheln des Unternehmens lassen ihm keine andere Wahl, als zu erfundenen, sinnlosen Theorien zu greifen", sagte Spiro in einer Stellungnahme. "Wir werden uns vor Gericht sehen."
Ein Sprecher von Archer äußerte sich auf Anfrage nicht weiter.
Förderbekanntmachung am selben Tag
Die Gegenklage wurde an dem Tag eingereicht, an dem das US-Verkehrsministerium acht Förderprogramme zur Entwicklung von Lufttaxis und Drohnen ankündigte. In drei der acht Programme sind sowohl Joby als auch Archer als Teilnehmer gelistet. US-Präsident Donald Trump (Republikaner) hatte die Programme im vergangenen Jahr mit dem Ziel initiiert, im Bereich Drohnen und urbane Luftmobilität gegenüber China aufzuholen.
Joby und Archer gehören zu den führenden Entwicklern von elektrischen Senkrechtstarter-Flugzeugen (eVTOL) und befinden sich im Rennen um die Zulassung und den kommerziellen Einsatz ihrer konkurrierenden Lufttaxi-Konzepte.