Airbus liefert fast doppelt so viele Flugzeuge aus wie Boeing

Auch im dritten Quartal verschärft sich der Trend bei Neubestellungen und Auslieferungen von Flugzeugen weiter: Airbus hat einen deutlichen Vorsprung vor Boeing. Nur in einem Segment bleiben die Amerikaner vorne.

Boeing 737 Max am Flughafen Renton © AirTeamImages.com / Andrew Hunt

Airbus konnte in den ersten neun Monaten 2019 insgesamt 571 Flugzeuge an Kunden übergeben. Davon entfielen 202 auf das dritte Quartal. Laut Herstellerangaben kamen 455 Auslieferungen aus dem Bereich Single Aisle, also Flugzeuge mit einem Gang. Aus der Baureihe A220 wurden 33 Maschinen ausgeliefert, aus der A320-Familie 422 Flugzeuge, davon 337 der Neo-Varianten.

Boeing konnte nach eigenen Angaben bis Ende September 2019 dagegen nur 302 Flugzeuge ausliefern, wovon 118 aus der 737-Familie mit einem Gang kamen. Im gesamten dritten Quartal waren es sogar nur 37 Maschinen, die die Amerikaner an Kunden übergeben konnten.

Die Auslieferung von 737 ist dabei fast zum Erliegen gekommen. Die gegroundete 737 Max kann weiterhin grundsätzlich nicht an Kunden übergeben werden und wird auf Halde produziert, von der NG-Variante wechselten nur drei Exemplare den Besitzer. Jedoch hat Boeing bereits angekündigt, dass man bis zu 70 Exemplare der 737 im Monat ausliefern möchte, sobald die Maschine wieder zugelassen ist.

787 bleibt Widebody-Königin

Bei den Großraumflugzeugen zeigt sich ein anderes Bild. Hier hat Boeing die Nase mit 184 ausgelieferten Widebodies vorn. 113 davon entfallen auf die 787 und machen sie in diesem Segment zur Nummer eins. Hinzu kommen 32 Boeing 767 und fünf Jumbos 747-8, jeweils in der Tanker- oder Frachtversion. Von der 777 wurden 2019 bisher 34 Stück ausgeliefert, für das kommende Jahr ist der Hochlauf der 777x-Produktion geplant, sodass dies Zahl wieder steigen dürfte.

Airbus übergab in den ersten drei Quartalen 116 der Flieger mit zwei Kabinengängen an Airline-Kunden. 77 davon waren A350-Varianten, die so zum meistausgelieferten Großraum-Muster der Europäer wird. Zehn der insgesamt achtzehn A350-1000 wurden dabei im dritten Quartal übergeben. Von der A380, deren Produktionsaus für 2021 beschlossen ist, wurden fünf gebaut. Bei den A330 hat die Neo-Variante das Zepter übernommen. 26 A330-900 hat Airbus übergeben, von den -200 und -300-Modellen noch insgesamt acht.

Auftragszahlen bei beiden Herstellern im Sinkflug

Bei den Bestellungen bietet sich ein ähnliches Bild wie bei den Auslieferungen: Airbus liegt deutlich vor Boeing, insgesamt jedoch auf geringerem Niveau als in den Vorjahren. Die Europäer konnten bis Ende September 2019 insgesamt 303 Bestellungen verbuchen. Demgegenüber stehen jedoch 176 Abbestellungen, was 127 Netto-Neuaufträge für Airbus ergibt. Im Gesamtjahr 2018 waren es noch 747 Nettobestellungen.

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Beststeller in den bisherigen drei Quartalen 2019 waren für Airbus die A320 Neo mit 102 Exemplaren, gefolgt von der A321 Neo mit 82 Bestellungen. Allerdings gab es für die beiden Muster zusammen auch 43 Abbestellungen. Die verhageln Airbus auch die A350-Bilanz. Zwar haben sich Kunden in diesem Jahr bisher 63 mal für eine A350-900 oder -1000 entschieden. Vor allem jedoch die Stornierung eines Auftrags über 42 Maschinen durch Etihad führt insgesamt zu mageren 19 Nettobestellungen für die A350.

737-Auslieferungen finden derzeit praktisch nicht statt

Auch die Abbestellung von 31 A380 durch Emirates hinterlässt eine Lücke im Airbus-Auftragsbuch und war der Auslöser für die Ankündigung des Produktionsstopps für das weltweit größte Passagierflugzeug. Mit insgesamt über 7000 offenen Bestellungen, wovon gut 6000 auf die A320-Familie entfallen, ist Airbus jedoch weiter gut ausgelastet.

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Auch Boeing hat noch gut 5700 Bestellungen abzuarbeiten, fällt aber bei den Neu-Aufträgen derzeit deutlich hinter Airbus zurück. Je nach Zählweise kommt der Hersteller auf einen Wert von 55 Nettoaufträgen für 2019 oder, bei Einbeziehung neuer Bilanzierungsregeln sogar auf -85. Vor allem die umsatzstarke 737 muss Federn lassen, je länger das Grounding der Max-Version andauert. 36 Neu- stehen 88 Abbestellungen für Boeings jahrzehntelangen Besteller gegenüber.

Bei den Widebodies sieht es etwas besser aus. 777 und 787 kommen auf 36 beziehungsweise 52 Nettobestellungen. Die Zahlen sind jedoch insgesamt kein Vergleich zu den vorherigen Jahren bei Boeing, als man jeweils über 1000 Neuaufträge entgegen nehmen konnte.

Von: dk

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