In einem Brief an die Europäische Kommission vom 9. April fordert ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec sofortige EU-weite Maßnahmen zur Sicherung der Kerosinversorgung. Die „Financial Times" hatte als erstes Medium über das Schreiben berichtet.
Jankovec warnte, ein Versorgungsengpass würde „die europäische Wirtschaft erheblich schädigen" und die makroökonomischen Folgen des durch den Nahost-Konflikt ausgelösten Ölpreisanstiegs verschärfen. Die Luftkonnektivität trage jährlich 851 Milliarden Euro (rund 997 Milliarden Dollar) zum Bruttoinlandsprodukt europäischer Volkswirtschaften bei und stütze 14 Millionen Arbeitsplätze. Flughäfen wickelten zudem 26 Prozent der europäischen Exporte nach Wert ab.
Eine Sitzung der Ölkoordinierungsgruppe der EU-Kommission habe gezeigt, dass es derzeit keine EU-weite Erfassung, Bewertung oder Überwachung der Kerosinproduktion und -verfügbarkeit gebe, schrieb Jankovec. Der Verband fordert die Kommission daher auf, verfügbare und prognostizierte Kerosinmengen mit dem Bedarf abzugleichen, alternative Importquellen zu identifizieren, Bedrohungen für innereuropäische Kraftstoffflüsse zu bewerten und kommerzielle sowie strategische Reserven zu prüfen.
Die Kerosinpreise hätten sich in den vergangenen Wochen mehr als verdoppelt und lägen nun zwischen 150 und 200 Dollar (rund 132 bis 176 Euro) pro Barrel – eine erhebliche finanzielle Belastung für eine Branche, in der Treibstoff bis zu einem Viertel der Betriebskosten ausmache.
Verband fordert Lockerung von Importbeschränkungen
ACI Europe hat eine Reihe konkreter politischer Maßnahmen gefordert, darunter die vorübergehende Aussetzung von Importbeschränkungen für Kerosin. Gemeint sind dabei die Vorgaben aus der neuen EU-Methanverordnung, die im Januar 2027 in Kraft tritt. Jankovec warnte, diese Regeln hätten Kraftstofflieferanten aus Drittländern bereits davon abgeschreckt, Lieferverträge für den kommenden Sommer abzuschließen.
Darüber hinaus schlug der Verband einen kollektiven EU-Einkauf von Kerosin sowie gezielte Raffineriepflichten vor, um die Produktion zu sichern. Flughäfen, Fluggesellschaften und Bodendienstleister sollen nach dem Willen des Verbandes zudem in staatliche Krisenbeihilfen einbezogen werden. Die EU-Kommission äußerte sich zunächst nicht zu dem Schreiben.