Urteil über dritte Piste am Airport Wien sorgt für Diskussionen, © Flughafen Wien
Gebäude des Flughafens Wien. © Flughafen Wien
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2014\/09\/wieb_5dee539596b499e00a8f1d766903aae1__wide__824?v=1410414209","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 Flughafen Wien"},"caption":"Geb\u00e4ude des Flughafens Wien."}

Der Schock sitzt tief. "Es ist beispiellos, sich ein Projekt herauszupicken und zu sagen, das ist jetzt verantwortlich für die österreichischen Klimaschutzverpflichtungen". Flughafen-Vorstand Günther Ofner sieht nach dem Urteil des österreichischen Bundesverwaltungsgerichts die Wachstumschancen des Airports Wien-Schwechat bedroht. Die Richter haben den Bau einer dritten Start- und Landebahn mit dem Hinweis verboten, dass so ein Vorhaben den Ausstoß von Treibhausgasen erhöhen und damit den Klimawandel fördern würde.

Zehn Jahre hat der Flughafen um die 3,7 Kilometer lange Piste gekämpft, er wollte damit seine Kapazität von jetzt 23 Millionen Passagieren pro Jahr auf 37 Millionen im Jahr 2025 steigern können (20-seitiges PDF des Flughafens Wien mit Infos zur dritte Piste).

Das "Nein" ist aus Sicht von Wirtschaft und Arbeitnehmern ein herber Schlag. Pro eine Million Passagiere gehe man von rund 1000 neuen Jobs aus, rechnet der Betriebsrat des Flughafens vor und kündigt zugleich Proteste an. "Wir werden nicht zulassen, dass unsere Arbeitsplätze nach Bratislava oder München exportiert werden. Das wäre ein Diebstahl Zehntausender Arbeitsplätze", so Betriebsratschef Thomas Faulhuber. Aktuell sind am Airport, der 2017 mit einem Umsatz von mehr als 740 Millionen Euro rechnet, 20.000 Menschen beschäftigt, weitere 40.000 arbeiten in Zulieferbetrieben.

© Flughafen Wien AG, Lesen Sie auch: Gericht verbietet dritte Piste am Airport Wien

Für ein "wegweisendes Urteil" hält die Chefin des Instituts für Umweltrecht der Universität Linz, Erika Wagner, den Richterspruch. Noch nie sei ein Projekt mit Hinweis auf den Klimaschutz untersagt worden. "Ehrlich gesagt hat man in der Umweltwissenschaft schon lange auf diesen Schritt gewartet", sagte sie der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Laut Gericht sieht das Klimaschutzgesetz vor, den Treibhausgasausstoß des Verkehrssektors in Österreich bis 2020 um 2,25 Prozent zu senken. Mit dem Bau und Betrieb der dritten Piste würde aber der Ausstoß Österreichs um 1,79 Prozent bis 2,02 Prozent steigen.

Flughafen spricht von "Schwarzem Peter"

"Leider ist die österreichische Energie- und Klimapolitik viel besser im Ankündigen als im Umsetzen", sagt dazu der Klima-Experte der Naturschutzorganisation WWF, Karl Schellmann. Die Alpenrepublik habe als einer der ersten Staaten der EU das Pariser Klimaschutzabkommen im Parlament ratifiziert, aber die Emissionsbilanzen zeigten, dass die reale Politik nicht einmal die bis 2020 gesteckten Ziele erreichen werde.

Aus Sicht des Flughafens hat er dennoch unverdient den "Schwarzen Peter". Es sei gelungen, in den vergangenen Jahren durch Hunderte kleiner Maßnahmen den CO2-Ausstoß (ohne Flugbetrieb) um 20 Prozent zu senken, so Flughafen-Vorstand Ofner. Obendrein habe die internationale Luftfahrtvereinigung Iata versprochen, dass in der Luftfahrt ab 2025 schrittweise der Ausstoß von Treibhausgasen zurückgehen werde.

Gericht begründet Urteil mit Klimawandel

Das Gericht hatte seiner Entscheidung das gängige düstere Szenario des Klimawandels zugrunde gelegt. "Es kommt bei Nichteinhaltung der Reduktionsziele zu beträchtlichen Eigentumswertminderungen, zum Verlust von Arbeitsplätzen, insbesondere im Bereich des Tourismus und der Land- und Forstwirtschaft, zu Hochwasserkatastrophen sowie einer drastischen Zunahme von schweren Hitzetagen", heißt es in der 128-seitigen Urteilsbegründung, die auch den Verlust von Ackerland kritisiert. Unter dieser Voraussetzung überwiege das öffentliche Interesse am Verbot des Pistenbaus, auch wenn erwägenswerte wirtschaftliche Aspekte im Raum stünden.

Illustration der dritten Piste am Flughafen Wien. Foto: © Flughafen Wien AG

"Wenn man das ernst nimmt, heißt das, auch unter dem Gesichtspunkt Bodenverbrauch, es darf kein neues Haus gebaut werden, es darf keine zusätzliche Straße gebaut werden und es darf auf keinen Fall eine zusätzliche Betriebsanlage gebaut werden", kritisiert Ofner. Der Flughafen Wien will alle möglichen Rechtsmittel gegen das Urteil ergreifen.

airliners+ Magazin

Jede Woche neue Impulse: Das digitale Wochenmagazin für die Luftverkehrswirtschaft. Ausgabe herunterladen und lesen
airliners+ Magazin 20/2026 Ausgabe herunterladen
und lesen
Titelbild: airliners+ Magazin 20/2026
Kondensstreifen von Flugzeugen sind am Himmel zu sehen., © DPA/Thomas Banneyer
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/05\/5fb9440049bf7ace-ewu831__square__360?v=1777910647","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 DPA\/ Thomas Banneyer"},"caption":"Kondensstreifen von Flugzeugen sind am Himmel zu sehen."}

"CO2-neutral bis 2050 werden wir nicht sein – aber wir werden ein sehr großes Stück zurückgelegt haben"

Interview Wie die Kooperation zwischen 26 nationalen Forschungseinrichtungen trotz unterschiedlicher Agenden funktioniert und warum Technologie die einzige Antwort auf die Klimafrage ist, erklären Joachim Szodruch (Gründer) und Adél Schröpfer (Leiterin der Geschäftsstelle) des International Forum for Aviation Research (IFAR) im Interview.

15 min
Ausgabe lesen
Lufthansa Group gründet Accessibility Customer Advisory Committee zur Weiterentwicklung der Angebote und Services für Reisende mit Behinderungen und Beeinträchtigungen., © Lufthansa Group
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/05\/251112-lhg-accessibility-customer-advisory-committee-itVDMe__square__242?v=1779183040","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 Lufthansa Group"},"caption":"Lufthansa Group gr\u00fcndet Accessibility Customer Advisory Committee zur Weiterentwicklung der Angebote und Services f\u00fcr Reisende mit Behinderungen und Beeintr\u00e4chtigungen."}
Ein kleiner Park lädt zum Verweilen und für Fotos ein., © airliners.de/Andreas Sebayang
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/05\/img-1221-RIBWpx__square__242?v=1779264377","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 airliners.de\/ Andreas Sebayang"},"caption":"Ein kleiner Park l\u00e4dt zum Verweilen und f\u00fcr Fotos ein."}
Luftfracht auf Rollwagen am Flughafen, © Adobe Stock/airliners.de
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/05\/mobilitatskolumne-radermacher-zkZBNm__square__242?v=1779264621","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 Adobe Stock\/ airliners.de"},"caption":"Luftfracht auf Rollwagen am Flughafen"}
Die Mobilitätsformel (5)

Luftfracht: Mengenmäßig wenig, volkswirtschaftlich höchst bedeutsam

Ingo Hellmann, Drohnenpilot und Betriebsleiter der FLN Frisia-Luftverkehr am Flugplatz Norddeich, bereitet eine Drohne vom Typ DJI Matrice 400 für einen Testflug zur Nordseeinsel Juist vor., © DPA/Hauke-Christian Dittrich
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/04\/5fb91c0016fc2697-gCJAd6__square__242?v=1777029736","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 DPA\/ Hauke-Christian Dittrich"},"caption":"Ingo Hellmann, Drohnenpilot und Betriebsleiter der FLN Frisia-Luftverkehr am Flugplatz Norddeich, bereitet eine Drohne vom Typ DJI Matrice 400 f\u00fcr einen Testflug zur Nordseeinsel Juist vor."}
Donald Trump., © DPA/Mark Schiefelbein
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2025\/10\/5fb6b20074b08040-cx59en__square__242?v=1761563215","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 DPA\/ Mark Schiefelbein"},"caption":"Donald Trump."}
Interessante Einträge aus dem airliners.de-Firmenfinder

TEMPTON Personaldienstleistungen GmbH

Fachbereich Aviation

Zum Firmenprofil

RBF-Originals.de

Ihr Spezialist für "Remove Before Flight"-Anhänger

Zum Firmenprofil

GAS German Aviation Service GmbH

Deutschlands größtes FBO & Handling Netzwerk

Zum Firmenprofil

TRAINICO GmbH

Kompetenz & Leidenschaft für die Luftfahrt

Zum Firmenprofil

Hamburg Aviation

Für die Luftfahrt in der Metropolregion Hamburg.

Zum Firmenprofil

HiSERV GmbH

We make GSE simple and smart.

Zum Firmenprofil

AEROTHRIVE GmbH

Aviation Training Certificates Boosting Your Career!

Zum Firmenprofil

AHS Aviation Handling Services GmbH

The perfect team for every stop

Zum Firmenprofil

STI Security Training International GmbH

Wir trainieren Ihre Sicherheit.

Zum Firmenprofil

Flughafen Memmingen GmbH

Memmingen Airport - Der Unternehmerflughafen

Zum Firmenprofil

Wildau Institute of Technology e. V. (WIT)

Berufsbegleitender Aviation-Master und Weiterbildungsformate

Zum Firmenprofil

ch-aviation GmbH

Accurate data and news on the airline industry.

Zum Firmenprofil