Die am Donnerstag im Osten der Ukraine abgestürzte Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord ist nach Erkenntnissen der USA vermutlich abgeschossen worden.
Der Nachrichtensender CNN berichtete, dass die US-Geheimdienste den Einsatz einer Boden-Luft-Rakete mit Hilfe von Radarbildern bestätigt hätten. Ein Radarsystem erfasste demnach, wie eine Rakete kurz vor dem Absturz ein Flugzeug verfolgte. Ein zweites System habe ein Wärmebild vom Zeitpunkt des Aufpralls des Geschosses geliefert. Derzeit werde die Flugbahn der Rakete analysiert, um den Abschussort zu bestimmen.
Die USA hatten ihre Unterstützung bei der Aufklärung des Absturzes zugesagt. "Die Vereinigten Staaten werden jede mögliche Hilfe anbieten, um festzustellen, was passiert ist und warum", sagte US-Präsident Barack Obama und sprach von einer "schrecklichen Tragödie".
Auch US-Vizepräsident Joe Biden sprach von einem Abschuss der Maschine. Der Absturz sei sei «kein Unfall», die Maschine sei «vom Himmel geholt worden», sagte Biden nach Angaben des TV-Senders MSNBC in Detroit. Es werde einige Zeit dauern, um zu erfahren, wer verantwortlich sei. Sollte sich das Abschuss-Szenario bestätigen, müssten unabhängige Experten untersuchen, ob die prorussischen Separatisten, die ukrainischen Streitkräfte oder gar die russische Armee für den Abschuss verantwortlich seien.
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Kriegsparteien geben sich gegenseitig die Schuld
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau wies die vermutung einer Beteiligung seiner Streitkräfte am Abschuss der Boeing derweil umgehend zurück. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete es als "Blödsinn", Russland mit dem Absturz in Zusammenhang zu bringen. Russlands Präsident Wladimir Putin gab stattdessen der Ukraine die Schuld.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hält dagegen prorussische Kämpfer für den Abschuss verantwortlich. Die Ukraine wirft Russland vor, die Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs eingestehen sollen. Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben.
Zahlreiche Indizien sprechen in der Tat für einen Abschuss durch die prorussischen Separatisten. Separatistenführer Igor Strelkow schrieb kurz vor Bekanntwerden des Absturzes auf der Facebook-Seite der "Volksrepublik Donezk", dass seine Gefolgsleute eine Transportmaschine des ukrainischen Militärs vom Typ AN-26 abgeschossen hätten.
Nach unbestätigten Berichten hatten die Separatisten zuvor behauptet, ein Flugabwehrsystem erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von sowjetischen Militärs entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen.
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Feuerpause und unabhängige Untersuchung gefordert
Die Separatisten boten am Abend eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten an. "Wir sind zum vorübergehenden Waffenstillstand mit den Behörden bereit, um eine Untersuchung des Flugzeugunglücks zu ermöglichen", sagte der selbst ernannte Premierminister der nicht anerkannten "Volksrepublik" Donezk, Alexander Borodaj.
Die Ukraine habe Malaysia die Einrichtung eines humanitären Korridors in das umkämpfte Konfliktgebiet in Aussicht gestellt, erklärte in der Nacht der malaysische Regierungschef Najib Razak auf einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur. Poroschenko selbst habe ihm eine "vollständige, gründliche und unabhängige Untersuchung" versprochen. Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) machten sich bereits auf den Weg zum Wrack.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich schockiert und forderte eine umgehende und unabhängige Untersuchung. «Sollte sich diese Nachricht (vom Abschuss) bestätigen, so stelle sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar.»
Auch die Europäische Union forderte eine internationale Untersuchung des Absturzes. Es müsse freien Zugang zu der Absturzstelle geben, forderte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Die EU verlangte von den Konfliktparteien in der Ostukraine, dass diese internationalen Ermittlern Zugang zur Absturzstelle geben müssten.
Neben der EU fordert auch die Nato eine internationale Untersuchung des Absturzes der Passagiermaschine der Malaysia Airlines in der Ukraine. "Es ist wichtig, dass sofort und ohne Behinderung eine umfassende internationale Untersuchung auf den Weg gebracht wird, um die Fakten festzustellen(...)", erklärte Nato- Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Donnerstagabend in Brüssel. Mit dem möglichen Abschuss wird sich der UN-Sicherheitsrat befassen. Großbritannien beantragte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Das Treffen werde wahrscheinlich am Freitagnachmittag (Ortszeit) am UN-Sitz in New York stattfinden, hieß es am Donnerstag aus Diplomatenkreisen.