Beruf & Karriere Wenn Bird Controller mit Frettchen für Sicherheit sorgen

16.05.2017 - 08:07 0 Kommentare

Gefahr aus der Luft: Wenn Vögel mit Flugzeugen zusammenprallen, können Menschen verletzt werden. Um Vogelschläge zu verhindern, gibt es Bird Controller. Am Flughafen Köln/Bonn werden sie von Frettchen unterstützt.

Tierische Helfer: Bird Controller Ulf Muuß setzt bei seiner Arbeit auf Hund und Frettchen.

Tierische Helfer: Bird Controller Ulf Muuß setzt bei seiner Arbeit auf Hund und Frettchen.
© Ulf Muuß

Laut DAVVL wurden 2013 rund 580 Vogelschläge an Flugzeugen mit deutschem Kennzeichen gemeldet.

Laut DAVVL wurden 2013 rund 580 Vogelschläge an Flugzeugen mit deutschem Kennzeichen gemeldet.
© DAVVL

Kommt es zu einem Vogelschlag bei einem gewerblichen Flugzeug, muss der Pilot den Vorfall melden.

Kommt es zu einem Vogelschlag bei einem gewerblichen Flugzeug, muss der Pilot den Vorfall melden.
© DAVVL

Je größer der Vogel, desto größer der Schaden.

Je größer der Vogel, desto größer der Schaden.
© DAVVL

Vögel halten sich nicht an "Betreten verboten"-Schilder. Darum gibt es Leute wie Ulf Muuß. Der 52-Jährige ist Bird Controller am Flughafen Köln/Bonn. Sein Job ist es, Vögel vom Airport fernzuhalten. "Vogelvergrämung" heißt das im Fachjargon. Denn wenn ein Vogel oder sogar ein ganzer Schwarm in die Nähe eines Flugzeuges oder eines Flughafens kommen, wird es gefährlich. Das bekannteste Beispiel für einen Vogelschlag - also wenn Flugzeug und Vogel kollidieren - ist wohl die Notlandung auf dem Hudson-River in New York. Damals zwang ein Schwarm Gänse das Flugzeug zur Notlandung.

Bird Controller Muuß erinnert sich auch an einen Fall, als eine Ringeltaube in das Triebwerk eines startenden Airbus geraten ist. Die Maschine musste den Start abbrechen, "drei Schaufeln im Triebwerk waren kaputt", erzählt der 52-Jährige. Das kleine Tier hatte einen Materialschaden in Höhe von 36.000 Euro verursacht - nicht mit eingerechnet sind dabei die Kosten des Flugausfalls und der Reparatur.

Bird Controller sind Quereinsteiger

Muuß macht diesen Job jetzt seit fünf Jahren. Er ist gelernter Berufsjäger und hatte sich damals auf die Ausschreibung des Airports beworben. Alle Bird Controller sind Quereinsteiger, denn eine Ausbildung gibt es nicht. Laut dem Deutschen Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL) braucht es, um diesen Job zu machen, eine Ausbildung im Grünen Bereich - dazu gehören zum Beispiel Berufsjäger, Landwirte oder Biologen. Sie brauchen Führerschein und Jagdschein. Außerdem müssen Bird Controller über Landschaftsformen sowie über die Pflanzen- und Tierwelt Bescheid wissen, insbesondere über Vögel.

© Clear Flight Solutions, Lesen Sie auch: Kampf gegen Vogelschlag: Forscher testen Falken-Drohne am Airport Weeze

Flughäfen sind gesetzlich nicht verpflichtet, Bird Controller zu beschäftigen. Allerdings gibt es laut DAVVL an jedem internationalen oder regionalen Flughafen in Deutschland Personen, die diese Funktion ausüben. Das Gehalt variiert. Der Großteil der Bird Controller ist nebenberuflich beschäftigt, an sechs deutschen Flughäfen gibt es sie derzeit in Vollzeit. Der DAVVL verbuchte in den ersten vier Monaten dieses Jahres 220 Vogelschläge. In Köln war es laut Muuß nur einer.

Nur im schlimmsten Fall wird scharf geschossen

Ulf Muuß macht diesen Job in Vollzeit. Um Vogelschläge zu verhindern, fährt er jeden Tag mindestens drei Stunden lang das 1000 Hektar große Gelände mit dem Auto ab und hält fest, welche Tiere sich wo aufhalten und wie hoch das Gras ist. Hohes Gras (oder "hohe Vegetation") ist gut, denn dann fühlen sich die Vögel unwohl und landen gar nicht erst. Denn durch die hohen Gräser haben sie keinen freien Blick, um mögliche Fressfeinde zu sehen. So werden zum Beispiel die vier bis fünf Kilo schweren Kraniche abgehalten. "Vor denen haben wir am meisten Angst", sagt Muuß. Auch kommen am Airport regelmäßig bis zu sechs Wüstenbussarde zum Einsatz, die vor allem Wildtauben in den Waldgebieten und Gehölzstreifen stören.

Gleichzeitig gilt es, mögliche Nahrungsquellen für die Vögel knapp zu halten. "Die sollen schon aus der Luft sehen: hier gib es nichts zu Beißen", sagt Muuß. Um Greifvögel vom Flughafengelände fern zu halten, geht der der Bird Controller zum Beispiel aktiv auf Kaninchenjagd. Hier kommen seine Frettchen zum Einsatz. Sie treiben die Kaninchen aus dem Bau, und Muuß kann sie lebend einfangen. Die geschnappten Tiere werden nach Sachsen-Anhalt transportiert. "Es ist das einzige Bundesland, in dem die Kaninchen wieder ausgesetzt werden dürfen", so Muuß.

Bird Controller Ulf Muuß baut eine Kastenfalle, mit der er Kaninchen lebendig fangen will. Foto: © Ulf Muuß

Sollte sich trotz aller präventiven Maßnahmen doch mal ein Vogelschwarm dazu entscheiden, auf dem Flughafengelände landen zu wollen, lädt Muuß seinen Sechs-Millimeter-Schreckschussrevolver und feuert Pfeifgeschosse ab, um die Tiere zu vertreiben. Wenn das nicht hilft, muss er scharf schießen. "Die merken sich das, wenn einer aus ihren Reihen abgeschossen wird", sagt Muuß. "Darum ist das bei einem Schwarm sehr effektiv." Viel besser als ein "Betreten verboten"-Schild.

Stellenmarkt: Arbeiten am Flughafen Köln/Bonn

Von: ch
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