Volotea baut ihre Finanzen um. Der Low-Cost-Carrier erhöht sein Kapital um 15 Millionen Euro und wandelt Gesellschafterdarlehen über 56 Millionen Euro in Eigenkapital um. Zusätzlich verhandelt die spanische Fluggesellschaft über weitere 25 Millionen Euro aus Krediten und Kreditlinien, wie "CH-Aviation" berichtete.
Grund für die Maßnahmen seien erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens, hieß es. Die jüngsten, von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY testierten Jahresabschlüsse attestieren Volotea eine wesentliche Unsicherheit über die Fortführung als Unternehmen. Nach spanischem Gesellschaftsrecht befindet sich die Airline zudem in einem gesetzlichen Auflösungsgrund.
Wie die spanische Zeitung "Expansión" berichtete, ergriff Volotea mehrere Maßnahmen, um die Liquidität zu stärken, die Eigenkapitalposition wiederherzustellen und die Zweifel an der Fortführungsfähigkeit auszuräumen. Auf Anfrage "CH-Aviation" wollte sich die Fluggesellschaft zu den aktuellen Zahlen nicht äußern.
Die von EY geprüfte Bilanz weist für Volotea zum Jahresende 2025 ein negatives Eigenkapital von 77,5 Millionen Euro aus. Hinzu kommt ein Nettoverlust von 64 Millionen Euro für das Jahr 2025 – das siebte Verlustjahr in Folge.
Wachsender Umsatz, aber anhaltende Verluste
Der Umsatz war zuletzt allerdings gestiegen. Volotea erklärte im Juli, das Jahr 2025 mit einem Umsatz von rund 818 Millionen Euro abgeschlossen zu haben – das dritte Jahr in Folge mit Wachstum bei Umsatz und Profitabilität.
Auch das operative Ergebnis (Ebit) habe sich deutlich verbessert. Es sei um 41 Prozent auf 47,4 Millionen Euro gestiegen, nach 33,5 Millionen Euro im Vorjahr, so Volotea.
Den Nettoverlust führte Volotea vor allem auf außerordentliche Posten zurück: die Neubewertung bestimmter Steueransprüche sowie Anpassungen bei den Rücklagen für Währungsumrechnungen.
Die Gläubiger von Volotea stimmten zudem zu, rund 49,3 Millionen Euro an Zins- und Tilgungszahlungen zu verschieben. Laut "Expansión" entfallen davon 14,6 Millionen Euro auf Zinsen für eine Covid-19-Finanzierung des spanischen Staats über 340 Millionen Euro. Die Zahlung wird von Juli auf Juli 2028 verschoben. Hinzu kommen zwei Tilgungsraten von jeweils 16,8 Millionen Euro, die ursprünglich im April und im Oktober fällig waren und nun bis April 2028 gestundet werden.
Kleinere Flotte wegen hoher Treibstoffkosten
Volotea verkleinerte zudem ihre Sommerflotte von 44 auf 41 Flugzeuge. Eine Reaktion auf höhere Treibstoffpreise infolge des Kriegs mit dem Iran. Zugleich verhandelt die Airline die Zahlungsfristen mit Zulieferern und weiteren Gläubigern neu, um das Betriebskapital zu verbessern, wie "CH-Aviation" weiter berichtete.
Die eigene Flotte umfasst nach Angaben von "CH-Aviation" aktuell 16 Airbus A319 und 25 A320. Hinzu kommen jeweils zwei weitere Maschinen beider Muster im Wet Lease.
Vorstandschef verweist auf Fortschritte trotz neuer Risiken
Vorstandsvorsitzender und Mitgründer Carlos Muñoz erklärte im Juli, der Umsatz und das verbesserte operative Ergebnis würden die Fortschritte des Unternehmens im Jahr 2025 widerspiegeln – getragen von einem effizienteren Management, einem stabilen Betrieb und dem Einsatz der Belegschaft.
Er räumte zugleich ein: "Wachsende geopolitische Spannungen stellen die Luftfahrtbranche vor neue Herausforderungen." Volotea gehe nach seinen Worten gestützt auf strategische Partner in diese neue Phase und richte den Fokus darauf, die Finanzen zu stärken und nachhaltiges Wachstum zu festigen.
Im März schloss Volotea – vorbehaltlich der Zustimmung der EU - einen bereits 2024 aufgelegten Kapitalstärkungsplan ab und nahm damit insgesamt 71 Millionen Euro ein. Das blieb unter den ursprünglich erwarteten 100 Millionen Euro. Das Unternehmen führte die Differenz auf die verbesserte operative Entwicklung zurück.
Für das laufende Jahr rechnet Volotea nach eigenen Angaben mit rund 13 Millionen Sitzplätzen auf etwa 430 Strecken, ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut "Expansión" erwartet das Unternehmen für das laufende Jahr dagegen nur ein operatives Ergebnis von 30 Millionen Euro und weiterhin einen Nettoverlust von 33 Millionen Euro.