Lufthansa scheitert auch in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht Hessen

Lufthansa scheitert auch in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht. Damit wird der von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo angekündigte zweitägige Streik am Donnerstag und Freitag stattfinden. Die Airline hat nun mitgeteilt, auf welchen Strecken Flüge gestrichen werden.

Die Gewerkschaft Ufo hat zu Streiks aufgerufen. © dpa / Oliver Berg

Zehntausende Kunden der Lufthansa müssen am Donnerstag und Freitag mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Wegen des geplanten Streiks der Flugbegleiter fallen an beiden Tagen voraussichtlich 1300 Flüge aus, 180.000 Passagiere sind betroffen. Die Lufthansa scheiterte am Mittwochabend vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht mit dem Versuch, die Arbeitsniederlegungen noch zu stoppen - auch die erste Instanz hatte die Streiks bereits für rechtens erklärt.

Das Landesarbeitsgericht hielt dieses Urteil "für völlig zutreffend" und wies die Berufung der Lufthansa ab. Es gebe zwar mehrere berechtigte Einwände der Fluggesellschaft, insbesondere in der Frage, ob die der Streikankündigung zugrunde liegende Urabstimmung von Ufo rechtmäßig gewesen sei. Diese Einwände reichten aber nicht aus, um das Streikrecht der Gewerkschaft zu beschneiden.

Zuvor hatte das Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Eilantrag der Lufthansa auf eine einstweilige Verfügung zurückgewiesen und entschieden, dass die geplanten Streikmaßnahmen "nicht offensichtlich rechtswidrig" seien; dies gelte "insbesondere im Hinblick auf die Rechtmäßigkeit und Tariffähigkeit der Ufo".

Lufthansa will Schadensersatzansprüche gegen Ufo geltend machen

"Wir wissen, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen", sagte die Ufo-Vorsitzende Sylvia De la Cruz nach dem Urteil der Nachrichtenagentur AFP. Ihr Vize Daniel Flohr und sie zeigten sich "trotzdem froh", dass das Gericht die Arbeitsniederlegungen genehmigte. "Vielleicht müssen wir dann auch beide damit leben", sagte ein Anwalt der Lufthansa mit Blick auf die Streikfolgen für die Airline sowie mögliche Schadensersatzansprüche gegen Ufo, die das Unternehmen geltend machen wolle.

In der Grundzahl sind auch zahlreiche Flüge nicht bestreikter Unternehmen wie Swiss, Austrian, Edelweiss oder Brussels Airlines enthalten. Die Gewerkschaft Ufo hatte sich vorbehalten, den Streik bei der Lufthansa-Kernmarke auch noch auf weitere Flugbetriebe auszuweiten. Den Kunden hat Lufthansa bereits umfangreiche und kostenfreie Umbuchungsmöglichkeiten angeboten.

Lufthansa gibt Sonderflugplan bekannt

Am Flughafen Düsseldorf hatte die Lufthansa bis zum Mittwochnachmittag 19 ihrer 38 am Donnerstag geplanten Verbindungen von und nach München gestrichen. Zudem seien alle 10 Flüge von und nach Frankfurt abgesagt worden, teilte ein Flughafensprecher mit. Am Flughafen Münster-Osnabrück waren bis dahin 12 von 38 Lufthansa-Verbindungen gestrichen.

In Berlin-Tegel wird der Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa wohl vor allem Geschäftsreisende treffen. Sowohl nach Frankfurt als auch nach München waren für den Donnerstag sämtliche Lufthansa-Verbindungen gestrichen, wie aus dem Sonderflugplan hervorgeht, den die Lufthansa am Mittwoch online gestellt hat. Insgesamt bietet die Lufthansa von Tegel aus fast 40 Flüge in diese beiden Städte. Andere Ziele werden von dort aus nicht angeflogen.

Am Stuttgarter Flughafen fallen am Donnerstag voraussichtlich alle geplanten Verbindungen der größten deutschen Fluggesellschaft von und nach Frankfurt aus. Ursprünglich hätten über den Tag verteilt fünf Flüge in die hessische Metropole abgehen und fünf weitere Flüge aus Frankfurt in Stuttgart ankommen sollen. Doch all diese Verbindungen seien gestrichen worden, sagte eine Flughafen-Sprecherin am Mittwochnachmittag auf Anfrage.

Passagiere dürfen auf die Bahn umbuchen

Unklar war zunächst, wie groß der Ansturm auf die Bahn als naheliegende Alternative ausfallen wird. Die Lufthansa kann über eine Vereinbarung mit der Deutschen Bahn bei Ausfällen ihre Kunden auf diese umbuchen. In welchem Ausmaß das regional passiert, wurde zunächst nicht bekannt. Laut Flugplan gibt es auch die Möglichkeit, Fluggäste auf Maschinen der Eurowings nach München zu buchen.

Die Gewerkschaft Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Die Lufthansa unternahm am Mittwochabend vor den hessischen Landesarbeitsgericht einen weiteren Versuch, den Streik zu stoppen. Ab 17 Uhr soll vor Gericht verhandelt werden. Zuvor war die Airline mit ihrem Antrag auf eine Einstweilige Verfügung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt gescheitert.

Von: hr, br, dpa, afp

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