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Embraer denkt über neues Turbopropflugzeug nach - Boeing soll helfen

Turboprop-Flugzeuge haben auf kurzen Strecken deutliche klimaschonender unterwegs als Jets. Embraer sieht Raum für eine komplette Neuentwicklung, zählt für die Finanzierung aber auf die Hilfe des neuen festen Partners. Wenn der das denn werden darf.

Das letzte Turborpop-Flugzeug aus Deutschland war die Dornier 328, von der noch rund 100 Maschinen fliegen. © AirTeamImages.com / Dominik Spuller

Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer beschäftigt sich mit Plänen, ein neues Turbopro-Flugzeug auf den Markt zu bringen und so die Vormachtstellung von ATR im anzugreifen. Die Maschine soll im Rahmen des Joint Ventures mit Boeing, in das Embraer seine Zivilflugzeugsparte eingebracht hat, entwickelt und vermarktet werden.

Im Gespräch mit Reuters betonte John Slattery, CEO von Embraer Commercial Aviation, dass ein solches Projekt nur zusammen mit den Amerikanern realistisch wäre. "Der Finanzbedarf für ein neues, hochmodernes Verkehrsflugzeug ist in einer Größenordnung, die wir außerhalb des Joint-Venture-Umfeldes nicht darstellen können", sagte Slattery.

Dass neue Flugzeug solle die E2-Jet-Familie nach unten abrunden, so der Manager. Embraer befindet sich laut Medienberichten bereits in Gesprächen mit General Electric, Rolls-Royce und Pratt&Whitney zur Entwicklung eines neuen Turboprop-Treibwerks.

Laut Embraer könnte es bis 2026 einen Prototyp geben

Derzeit ist einzig die ATR-72 am Turboprop-Markt für Regionalflugzeuge erfolgreich. Die Maschine bietet Platz für 72-78 Passagiere und wurde seit 1988 über 1.000 mal gebaut. Für Branchenkenner deuten jedoch einiges auf eine Renaissance der Turbopropflugzeuge hin. So sei der Antrieb gerade auf kürzeren Strecken effizient und könnte die Klimabilanz der Branche verbessern.

Die website Simple Flying will von Embraer auch einen Zeitplan erfahren haben. So wolle das Unternehmen nach einer zweijährigen Konzeptionsphase, eine dreijährigen Prozess zur Bewertung und wirtschaftlichen Evaluation des Projektes starten. Sollte direkt im Anschluss der offizielle Startschuss fallen, könnte ein Prototyp bereits 2026 zur Verfügung stehen.

© AirTeamImages.com, Tom Kool Lesen Sie auch: Dornier 328 wird wohl bald wieder in Deutschland gebaut

Bis dahin soll die geplante Teil-Fusion von Embraer und Boeing natürlich längst umgesetzt sein. Boeing plant, auch als Reaktion der Übernahme von Bombardiers C-Series durch Airbus, für umgerechnet 4,2 Milliarden Euro den größten Teil der Verkehrsflugzeug-Sparte von Embraer zu übernehmen. Ein weiteres, kleineres Joint-Venture betrifft den Vertrieb für das Militärtransportflugzeug KC-390 von Embraer.

Bei einer möglichen Fusion hat auch die EU ein Wörtchen mitzureden

Beide Vorhaben kommen jedoch derzeit nicht so recht voran, zu einem guten Teil, weil sich die EU-Wettbewerbsbehörde querstellt. Die EU-Kommission äußerte sich vor allem besorgt darüber, dass mit dem Joint Venture "Embraer als drittgrößter Anbieter im ohnehin schon stark konzentrierten Markt für Verkehrsflugzeuge wegfällt". Sie habe daher eine "gründliche Prüfung" eingeleitet. Diese solle sicherstellen, dass der "Preiswettbewerb und die Produktentwicklung" auf dem Markt für Verkehrsflugzeuge durch den Zusammenschluss nicht vermindert werde, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. "Verkehrsflugzeugmärkte müssen gut funktionieren, damit den Kunden innovative und effiziente Produkte zu einem fairen Preis angeboten werden."

Die EU-Kommission wies darauf hin, dass Embraer weltweit führender Hersteller von Regionalflugzeugen sei und in den kommenden fünf bis zehn Jahren niemand in der Lage sein werde, dieselbe Rolle zu übernehmen.

Die Pläne für das Joint-Venture zwischen Boeing und Embraer waren bereits im Juli vergangenen Jahres verkündet worden. Die EU-Kommission hat nun nach eigenen Angaben bis 20. Februar Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen. Die betroffenen Unternehmen können eventuell mit Zugeständnissen die Bedenken ausräumen.

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: Das bedeuten die Deals von Airbus und Boeing Hintergrund

Von: dk

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