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Beamten-Shuttle macht Berlin-Köln zur wichtigsten innerdeutschen Strecke, © AirTeamImages.com/Tim de Groot
Eingang des Terminals 2 am Flughafen Köln/Bonn. © AirTeamImages.com / Tim de Groot

In die Debatte um die doppelten Strukturen der Bundesverwaltung in Berlin und Bonn kommt mit der Klimadiskussion um innerdeutsche Flüge neuer Wind. Etliche Bundespolitiker fordern nun ein Ende der Doppelstrukturen und der Pendelei, darunter der Sprecher der SPD im Haushaltsausschuss, Johannes Kahrs, und der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch.

Nach Informationen der "Märkischen Allgemeinen" arbeiten von den rund 20.000 Mitarbeitern der Bundesministerien knapp 14.000 in Berlin, der Rest ist noch in Bonn tätig. Im Jahr 2018 seien acht Millionen Euro an Reisekosten angefallen. Nach Angaben der "Zeit" gibt es pro Jahr rund 230.000 innerdeutsche Flüge von Bundesbeamten.

© dpa, Daniel ReinhardtLesen Sie auch: Immer mehr innerdeutsche Flüge von Bundesbeamten

Durch die vielen Bundes-Pendler ist die Strecke zwischen Berlin und Köln/Bonn die Route mit dem höchsten innerdeutschen Originäraufkommen (O&D-Verkehr). Flüge zu den großen Hubs Frankfurt und München, wo rund 80 Prozent der Passagiere zu anderen Zielen umsteigen, sind dabei außen vor gelassen.

Rückgang der Kapazitäten

Aber die Bedeutung von Berlin-Köln hat zuletzt nachgelassen. Im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum mit über 1,4 Millionen Sitzplätzen ging die angebotene Sitzplatzkapazität zwischen Spree und Rhein im Sommerflugplan 2019 nämlich um fast 200.000 zurück.

Nach Flugplandaten von CH-Aviation und OAG stehen im Sommer 2019 also zwischen Berlin und Köln über 1,2 Millionen Sitzplätze auf mehr als 7400 Flügen im Flugplan, der überwiegende Teil davon (1,1 Millionen) wird in Berlin am Flughafen Tegel abgefertigt und von Easyjet und Eurowings geflogen. Im Vorjahreszeitraum waren in Tegel etwa 50.000 Sitzplätze weniger auf der Verbindung nach Köln/Bonn angeboten worden.

Ganz anders sieht die Situation am zweiten Airport der Hauptstadt in Schönefeld aus. Dort findet mittlerweile nur noch ein sehr kleiner Teil des Verkehrs (rund 100.000 Sitze) zwischen den zwei Städten statt. Hier ist Ryanair der einzige Carrier auf der Route. Im Vorjahr hatte der Billigflieger zwischen Schönefeld und Köln/Bonn dagegen noch über 350.000 Sitzplätze im Angebot.

© Bundesregierung, ZahnLesen Sie auch: Klimakabinett will CO2-Emissionen bepreisen

Den zweiten Platz an innerdeutscher O&D-Kapazität belegt übrigens die Strecke zwischen Berlin-Tegel und Düsseldorf, auf der Easyjet und Eurowings etwas über eine Million Sitze und etwa 6600 Flüge im Sommerflugplan 2019 anbieten. Danach folgt noch eine Hauptstadtroute, nämlich die Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin. Hier werden knapp eine Million Sitzplätze auf rund 6100 Flügen im Sommer angeboten.

Die Bahn als langsame Alternative

Falls der Komplett-Umzug des Bundes nach Berlin nicht kommt, wäre nach Angaben der Grünen die Bahn eine gangbare Alternative. Nach airliners.de-Analyse müssten sich die Beamten dann allerdings auf deutlich längere Reisezeiten einstellen.

Nimmt man die Bundesstadt Bonn als Ausgangs- oder Zielpunkt für die Reise an die Spree, ist die schnellste Bahnverbindung ein direkter ICE mit einer Reisezeit von vier Stunden 41 Minuten. Dieser Zug verkehrt aber nur äußerst selten.

Deshalb müssten wohl die meisten Beamten auf Umsteigeverbindungen setzen, die im besten Fall fünf Stunden dauern, im schlechtesten sechs Stunden und 40 Minuten. Für eine Anreise über Nacht können Bundesbedienstete auch den Nacht-ICE 948 ab Berlin nutzen. Der Zug fährt zwar nur bis Köln, braucht dafür aber sehr lang. Mit diesem ICE ist man jedoch immerhin gleich morgens um kurz vor sieben Uhr vor Ort.

Zum Vergleich: Die Verbindung zwischen Berlin und Köln/Bonn dauert mit dem Flugzeug rund eine Stunde Flugzeit plus Anreise und Wartezeit an der Sicherheitskontrolle, ab dem Airport Köln/Bonn kommt dann noch eine gute halbe Stunde Bahn- oder Autofahrt nach Bonn hinzu.

© Fotolia.com/airliners.de, iterumLesen Sie auch: Kurzstreckenflüge auf die Bahn verlagern? Apropos (3)

Im Gegenzug kämen aber die von den Ministerien aufzuwendenden Reisekosten aber auch direkt dem bundeseigenen Unternehmen Deutsche Bahn zu Gute. Insofern hätte der Bund hier zumindest einen monetären Anreiz.

Doppelstrukturen politisch gewollt

Die Doppelstrukturen der Bundesministerien werden durch das Bonn-Berlin-Gesetz verursacht. Das 1994 verabschiedete Gesetz besagt, dass die sechs Bundesministerien für Bildung und Forschung, für Gesundheit, für Ernährung und Landwirtschaft, für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, für Verteidigung sowie für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ihren Hauptsitz in Bonn statt in Berlin haben. Außerdem sollten 60 Prozent der Arbeitsplätze in Bonn bleiben. Andere Ministerien haben in Bonn Dienststellen neben ihrem Hauptsitz an der Spree. Daher müssen seitdem zahlreiche Mitarbeiter pendeln und nehmen dafür im Normalfall das Flugzeug.

Das Bundesverkehrsministerium hat beispielsweise nach eigenen Angaben (Stand: Februar 2019) insgesamt etwa 1245 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen knapp 700 in Bonn tätig sind, rund 550 in Berlin und bis zu 15 im Ausland.

Argumente gegen die Hauptstadt-Teilung

Aus Sicht der zahlreichen Kritiker sprechen diese Hauptargumente gegen die Teilung der Dienstsitze und das Pendeln zwischen Bonn und Berlin:

1. Das Geld-Argument - Warum hohe Kosten in Kauf nehmen, wenn die Dienstsitze auch zusammengelegt werden können?

2. Das Effizienz-Argument - Dieses Argument geht in der Debatte oft ein wenig unter, ist aber nicht zu vernachlässigen. Durch das Pendeln entstehen auch Ineffizienzen und inhaltliche Defizite, da die in Bonn ansässigen Referenten, Abteilungsleiter und weitere Mitarbeiter weit entfernt vom eigentlichen politischen Handlungszentrum Berlin sitzen und so weniger vom eigentlichen Geschehen mitbekommen.

3. Das Umwelt-Argument - Die Reisen der Staatsdiener verursachen einen unnötigen Ausstoß von Klimagasen, der durch einen einzelnen Dienstsitz nicht anfallen würde.

4. Das Entwicklungs-Argument - Bonn ist nicht mehr auf die Institutionen des Bundes angewiesen, denn die Stadt hat fast 30 Jahre nach der Einheit ausreichend andere Standbeine aufgebaut.

Dazu wurde das sogenannte Beamtenshuttle eingeführt, bei dem die Regierung bestimmte Kapazitäten auf der Route abnahm. Zunächst wurde der Dienst unter anderem von Hapag Lloyd Express und der Deutschen British Airways geflogen. Bis zu ihrer Pleite 2017 hatte die Air Berlin dann einen beträchtlichen Teil der Beamten transportiert, die zwischen den Dienstsitzen in Berlin und Bonn pendelten.

Nach Informationen des "WDR" haben Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums in diesem Jahr schon 1700 Mal das Flugzeug zwischen beiden Standorten genutzt. 2018 habe es insgesamt 2700 Bonn-Berlin-Flüge von Mitarbeitern des Umweltministeriums gegeben.

Neben dem Pendeln der Beamten sind für viele Kritiker auch die Leerflüge der Flugbereitschaft ein Stein des Anstoßes. Da Kanzlerin, Bundespräsident, Minister und berechtigte Abgeordnete im Regelfall von Berlin fliegen, die Flugbereitschaft aber in Köln/Bonn stationiert ist, muss sie für die Einsätze oftmals Flugzeuge leer in die Hauptstadt fliegen.

© dpa , Kay NietfeldLesen Sie auch: Grüne kritisieren Leerflüge von Regierungsmaschinen

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