Das Passagierflugzeug war am frühen Sonntag Morgen mit der Flugnummer 821 am Moskauer Flughafen Scheremetjewo gestartet und nach Perm unterwegs. Beim Landeanflug auf den Flughafen Perm am Ural war die Maschine in ein unbewohntes Industrie- und Kleingartengebiet gestürzt und völlig ausgebrannt. Durch den Aufprall der Flugzeugteile wurden am Boden Gleisanlagen sowie Elektroleitungen der Transsibirischen Eisenbahn auf etwa einem halben Kilometer Länge zerstört.
Spekulationen um Explosion in der Luft
In Perm und in Moskau gab es widersprüchliche Angaben zum Zeitpunkt der Explosion des Flugzeuges. Das Zivilschutzministerium betonte, das Flugzeug sei erst beim Aufschlag auf dem Boden explodiert und in Flammen aufgegangen.
Augenzeugen hatten dagegen berichtet, dass die Maschine bereits in der Luft explodiert sei. Viele Anwohner berichteten von Feuer in der Luft. «Das sah aus wie ein Komet», sagte eine Frau dem russischen Fernsehsender ORT. Der russische Luftverkehrsexperte Anatoli Kwotschur hielt diese Version für möglich, da die Trümmer in einem ungewöhnlich großen Umkreis von vier Kilometern verstreut waren. Auf einer Bahnstrecke suchten Helfer in tausenden von kleinen Trümmerteilen nach Hinweisen auf die Ursache.
Die Ermittler gehen allen möglichen Ursachen für die Katastrophenach, darunter auch einem Anschlag an Bord. Das sagte Aeroflot-Chef Waleri Okulow nach Angaben der Agentur Itar-Tass in Moskau. Der russische Verkehrsminister Igor Lewitin sagte, dass es laut Geheimdiensten keinen Hinweis auf einen Terroranschlag gebe. «Uns liegen keine Informationen darüber vor, dass das Flugzeug in der Luft explodierte», sagte der Minister der Agentur Interfax zufolge. «Nach den vorläufigen Daten gehen wir von einem technischen Fehler aus.» Die von der Regierung gebildete Untersuchungskommission gehe jedoch weiter allen Versionen nach, sagte Lewitin am Abend.
Laut Regierungsangaben starb bei dem Absturz auch der Tschetschenien- Veteran und Präsidentenberater, General Gennadi Troschew. Troschew hatte während des Tschetschenien-Kriegs die russischen Truppen im Nordkaukasus kommandiert. Er war zuletzt für Kosakenfragen beim Präsidialamt zuständig.
Der Chefermittler der russischen Generalstaatsanwaltschaft Alexander Bastrykin ordnete eine Untersuchung der Flugzeugkatastrophe an. Die Bergungsmannschaften hätten bereits die beiden Flugschreiber an der Unglücksstelle gefunden.
Von Moskau aus startete derweil am Morgen eine Sondermaschine mit 60 Bergungskräften, Ermittlern und Psychologen, um zu dem Unglücksort zu gelangen und die Angehörigen der Opfer zu betreuen.
An Bord der Unglücksmaschine waren laut Aeroflot 82 Passagiere, darunter sieben Kinder, sowie sechs Crewmitglieder. Von den Ausländern stammten neun aus Aserbaidschan, fünf aus der Ukraine sowie jeweils einer aus Deutschland, Frankreich, Lettland, Italien, der Türkei, Schweiz und aus den USA.
Regionalairline Aeroflot-Nord
Aeroflot erneuert seit Jahren ihre Flotte. Laut Medienberichten gehörte das in Perm abgestürzte Flugzeug der Aeroflot-Regionaltochter "Aeroflot-Nord", die mit einer Flotte von 40 Flugzeugen vor allem regionale Liniendienste anbietet. Zur Flotte gehören neben Tupolev TU-134 und 154 sowie Antonov AN-24 und AN26 auch neun Boeing 737-500 und sieben Boeing 737-300.
Bei der Unglücksmaschine hat es sich nach Presseberichten vom Sonntag um eine Boeing 737-500 gehandelt. Die Maschine war nach Angaben von Aeroflot 1992 ausgeliefert worden. Es befand sich seit Sommer dieses Jahres in der Aeroflot-Nord-Flotte. Zuvor war die Maschine den Angaben zufolge für die chinesische Gesellschaft Xiamen Airlines im Einsatz. Demnach müsste es sich bei der verunglückten Maschine um das Flugzeug mit der Registrierung VP-BKO handeln, welches bis 2013 über die irische Pinewatch Limited geleast war.