Lufthansa testet neues Preismodell

04.01.2019 - 16:00 0 Kommentare

In diesem Jahr will die Lufthansa Group ein neues Preismodell einführen. Bei einem großen Ticket-Händler wird es bereits getestet - doch der Reisevertrieb kritisiert die Airline wegen unlauteren Wettbewerbs.

Ein Mitarbeiter der Lufthansa steht an einem Ticketschalter der Airline am Frankfurter Flughafen. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Ein Mitarbeiter der Lufthansa steht an einem Ticketschalter der Airline am Frankfurter Flughafen. © dpa /Frank Rumpenhorst

Der Lufthansa-Konzern stellt sein Preissystem derzeit komplett um: Statt den bisher 26 Buchungsklassen soll es ab diesem Jahr eine Vielzahl an "Preispunkten" geben - und damit eine feinere Abstufung im dynamischen Pricing. "Indem wir künftig jeden Punkt auf der Preis-Absatzkurve abbilden können, werden große Preissprünge vermieden", erklärte ein Sprecher auf Anfrage von airliners.de. Im Prinzip könne jeder beliebige Betrag als Tarif festgelegt werden. Dabei blieben aber die bisherigen Tarifprodukte mit ihren unterschiedlichen Leistungsumfängen unverändert.

Bisher galt: War eine Buchungsklasse nicht mehr verfügbar, wurde automatisch der Tarif nächsthöheren Klasse angeboten. Dabei kam es oft zu Preissprüngen von über 100 Euro. Diese Stufen seien von vielen Kunden als zu groß empfunden worden, so der Sprecher.

Das Projekt mit dem Namen "Continuous Pricing" wird wie die gesamte Preisgestaltung der Lufthansa Group von der Tochtergesellschaft Swiss betreut. Bereits seit November läuft dafür ein Probebetrieb bei dem Berliner Fluggroßhändler Aerticket, der das neue Verfahren mit einigen Agenturen testet.

Einführung nicht unbedingt im Frühjahr

Wann genau die neue Preislogik durchgehend eingeführt wird, will die Lufthansa Group derzeit noch nicht mitteilen. Ursprünglich war vom Frühjahr 2019 die Rede, nun heißt es lediglich "im Laufe des Jahres". Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, hat sich das Projekt als anspruchsvoller herausgestellt als ursprünglich geplant.

Aerticket beliefert zahlreiche Reisebüros und Online-Portale mit Flugangeboten, doch bei denen ist das neue Lufthansa-Modell äußerst umstritten. Die Airline-Gruppe bietet die neuen Zwischenstufen nämlich nur über eigenen Verkaufskanäle oder über Agenturen an, die sich dem neuen Vertriebsstandard NDC anschließen. Die klassischen Reservierungssysteme sind dagegen ausgeschlossen - und damit ein großer Teil der Agenturen und Portale.

Beschwerde bei der EU-Kommission

Die Verbände des Reisevertriebs sehen darin eine systematische Benachteiligung durch die Lufthansa Group, denn der Konzern habe Reisebüros in den vergangenen Jahren wiederholt durch Preisaufschläge und Angebotsbeschränkungen das Geschäft erschwert. Der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) hat deshalb vor Weihnachten zusammen mit dem europäischen Dachverband ETTSA Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt.

Der Vorwurf: Der Lufthansa-Konzern missbrauche seine Marktmacht und agiere "mit diskriminierenden und wettbewerbsausschließenden Praktiken gegen unabhängige Vertreiber von Flugtickets", so die Verbände in einer Erklärung. Das gehe auch zulasten der Kunden: "Verbraucher, die unabhängige Vertriebskanäle nutzen, haben bereits über eine Milliarde Euro an Aufpreisen an Lufthansa bezahlt."

Die Lufthansa Group argumentiert dagegen: Durch Technologie-Partner wie Aerticket würden die neuen Lösungen für eine Vielzahl von Agenturen zugänglich gemacht.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: NDC macht Airlines flexibler im Vertrieb Gastbeitrag

Von: pra
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