Die Born-Ansage (31) ( Gastautor werden )

Das dümmste Interview des Jahres

14.04.2016 - 11:10 0 Kommentare

Das Jahr ist noch jung - trotzdem steht für Kolumnist Karl Born jetzt schon fest, wer das dümmste Interview dieses Jahres gegeben hat. Es ist Daniel Abbou. Der ehemalige Pressesprecher der Berliner Flughäfen hatte sich zum Thema BER geäußert und danach seinen Job verloren.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Das einzige was beim Berliner Flughafen BER regelmäßig fliegt, sind die Führungskräfte. Aber selten war ein Rauswurf so zwingend wie der des Pressechefs Daniel Abbou. Dieser ist nicht über seine "offenen Worte" gestürzt, wie es in den meisten Medien zu lesen war, sondern über seine unglaubliche Arroganz.

Als ich am Wochenende sein Interview im Fachmedium "PR Magazin" las, bin ich als erstes über diese Formulierung gestolpert: "Glauben Sie mir, kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen." Abgesehen von der absolut unmöglichen Sprache dachte ich: "Daniel Abbou, schau mal bei diesem Satz in den Spiegel. Was auch immer du heute Morgen gefrühstückt hast - iss es nie wieder."

Abbou ist Pressesprecher für Abbou

Ein Pressesprecher soll der Pressesprecher für sein Unternehmen sein. Daniel Abbou ist wohl offensichtlich primär Pressesprecher für Daniel Abbou. Das kann nicht gut gehen.

Über seinen Boss, Flughafenchef Karsten Mühlenfeld, sagt er: "Herr Mühlenfeld ist absolut lern- und kritikfähig, das ist ein großer Vorteil." So einen Satz überlebt kein Pressesprecher. Das hat nichts mit "klaren Worten" oder "Ehrlichkeit" zu tun, das ist schlicht ungezogen.

Wie groß das Ego von Daniel Abbou ist, sehe ich auch an diesem Satz: "Mein Technikchef hält weiter …" Wie bitte? "Mein" Technikchef? Da ist sie wieder, diese unerträgliche Arroganz. Dann komme ich an die Stelle, an der es von Abbou heißt: "... als Mühlenfeld den Rechnungshof bat..., da war bei mir der Punkt gekommen, an dem ich meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe." Weiß man doch, dass so etwas bleibende Schäden verursachen kann.

Seine Stärken liegen im Comedy-Bereich

Einen sachlichen Inhalt sucht man in Abbous Interview vergebens. "Bullshit" und "scheiße gelaufen" sollen zackig klingen, ersetzen aber keine echte Aussage. Wenn er zum Thema BER-Eröffnung sagt: "Selbst wenn wir 2017 nicht schaffen sollten, wäre die Eröffnung relativ zeitnah", dann wird deutlich, dass er seine Stärken mehr als Comedian hat.

Letztes Zitat aus seinem Interview: "Aber bis zur Eröffnung, wann auch immer, werde ich dabei sein." Leider auch falsch.

© dpa, Michael Kappeler Lesen Sie auch: BER stellt Pressesprecher nach Klartext-Interview frei

Wie heißt es so zutreffend: Alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Es kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen. Darum ab mit dem Interview in die nächste Pressesprecher-Schulung! Wobei mich interessieren würde, was die Redaktion vom "PR-Magazin" - immerhin eine Fachzeitschrift für PR - gedacht hat, als Abbou das Interview mit diesen Formulierungen zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Schmunzeln konnte ich dann doch noch, und zwar über die Formulierung einer Berliner Tageszeitung: "Daniel Abbou, 45, SPD..." Das passt zusammen. Abbou und die SPD hatten in den vergangenen Wochen wirklich keinen guten Lauf.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
( Gastautor werden )
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. Wie vor 224 Jahren

    Die Born-Ansage (70) Das Aus von Monarch und Air Berlin zeigt interessante historische Parallelen, entdeckt Karl Born. Am Ende der Luftfahrt-Revolution leiden die Mitarbeiter - aber die machen immerhin einen engagierten Eindruck.

    Vom 12.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »