Medienbericht: Eine Landesregierung will Air Berlin nicht helfen

15.06.2017 - 13:08 0 Kommentare

Staatliche Unterstützung - diese Möglichkeit lotet Air Berlin gerade aus. In Berlin und NRW hat sie entsprechende Anfragen gestellt. Laut einem Medienbericht wird eine Landesregierung der Airline jedoch nicht helfen.

Air Berlin befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden Umbauphase. Foto: © dpa, Alban Grosdidier

Air Berlin kann vom Berliner Senat keine staatlichen Hilfen erwarten. Das berichtet die "Berliner Morgenpost". Das Blatt beruft sich dabei auf Senatskreise. Air Berlin hatte vergangene Woche bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt.

Offen bleibt bisher, um welche Summe es dabei geht. Auch der Bund prüft eine Beteiligung. Der Vorgang wird laut Angaben des Wirtschaftsministeriums "einige Wochen bis Monate dauern".

Die Situation von Air Berlin ist prekär.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD)

Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, sagte jetzt der "Welt": Märkte müssten offen für neue Unternehmen sein. "Wenn ein Unternehmen dagegen schlecht gewirtschaftet hat oder sein Geschäftsmodell nicht stimmt, dann sollte der Staat es nicht künstlich am Leben erhalten."

Auch die FDP hat sich jetzt gegen eine mögliche Bürgschaft für Air Berlin ausgesprochen. Mit Tui und Lufthansa stünden "Optionen ohne den Staat im Raum, die im Interesse von Beschäftigten und Kunden wären", sagte FDP-Chef Christian Lindner dem "Handelsblatt". Er kritisierte, dass der Air-Berlin-Großaktionär Etihad "offenbar seine Schulden auf die deutschen Steuerzahler abwälzen" wolle.

Gewerkschaft Ufo ist dagegen

Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats Wolfgang Steiger erklärte bereits zuvor: Man halte nichts davon, "unternehmerische Fehler mit Steuergeldern auszubügeln.". Es könne nicht sein, dass Familienunternehmer im Allgäu oder anderswo für ihre Entscheidungen hafteten, bei Kapitalgesellschaften mit internationaler Beteiligung aber der Staat einspringe, so der Politiker. Steuergelder seien "nicht dazu da, strauchelnde Unternehmen zu stützen und Investoren Geschäfte schmackhaft zu machen".

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat sich ebenfalls gegen Staatshilfen für Air Berlin ausgesprochen. "Von Staatsbürgschaften für Air Berlin halte ich in der jetzigen Situation nichts", sagte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies der "Rheinischen Post".

Fotos: © dpa, AirTeamImages.com

Es stünde "nach Aussagen aller Beteiligten fest, dass Air Berlin nicht unabhängig bleiben kann und Lufthansa das Unternehmen übernehmen will", sagte Baublies. Darum solle der Marktführer jetzt einen offenen Dialog mit dem Unternehmen und der Belegschaft darüber führen, unter welchen Bedingungen eine Integration möglich sei.

Man glaube nicht an eine Insolvenz der Air Berlin, schreibt die Gewerkschaft auf ihrer Homepage, "da Bundestagswahlen anstehen und der Verlust von Arbeitsplätzen in größerer Zahl in Wahlkampfzeiten nicht gerne gesehen ist". Ufo ist derzeit nicht Tarifpartner für die Air-Berlin-Flugbegleiter, sondern Verdi.

ADV hofft auf Bürgschaft für Air Berlin

Der Flughafenverband ADV dagegen setzt auf staatliche Hilfe für Air Berlin. "Ich kann nur hoffen, dass dem gestellten Bürgschaftsantrag entsprochen wird", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel ebenfalls der "Rheinischen Post". "Eine zweite große deutsche Airline im Markt wäre wünschenswert - gerade aus Sicht der Reisenden."

© dpa, Alban Grosdidier Lesen Sie auch: Insolvenz ist für Air Berlin kein Thema

Air Berlin verzeichnet seit 2008 rote Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012. Dank der Etihad-Gelder kann sie weitermachen. Die arabische Aktionärin besitzt knapp ein Drittel der Anteile. Im vergangenen Geschäftsjahr steht bei Air Berlin ein Rekordverlust von rund 782 Millionen Euro in den Büchern.

Die Fluggesellschaft versucht derzeit, mit einem tiefgreifenden Umbau wieder auf Kurs zu kommen. Dazu gehört unter anderem die Vermietung von Flugzeugen an die Lufthansa-Tochter Eurowings und ein Ferienflug-Joint-Venture zwischen Tuifly und der Air-Berlin-Tochter Niki. Letzteres ist jedoch kürzlich gescheitert.

Von: ch, mit Material von AFP, dpa-AFX
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