Michael Behm von Gentex, dem Lieferanten für intelligentes Glas der Airbus A350, Boeing 777X und Boeing 787, gibt einen umfassenden Einblick in die Entwicklung und Zukunft der elektrochromen Fensterglas-Technologie in der kommerziellen Luftfahrt. Im Interview beschreibt er den Weg vom Produkt der ersten Generation, das 2005 mit dem "Dreamliner" auf den Markt kam, über die zehnmal dunklere zweite Generation (Gen 2) im Jahr 2015 bis hin zum ersten echten Verdunkelungsfenster, das mit der A350 und 777X als dritte Generation (Gen 3) eingeführt wurde. Über die Fenster hinaus stellt Behm zwei zukunftsweisende Konzepte vor: ein kamerabasiertes Passagiererkennungssystem, sowie ein vision-sensor-gesteuertes intelligentes Beleuchtungssystem, das gezielte Beleuchtung direkt am Tablett ermöglicht.
Details aus dem Interview
Warum intelligentes Glas? Ersatz für mechanische Jalousien - 00:00:26
Die ursprüngliche Motivation für die Entwicklung von elektrochromem Smartglas war die Zuverlässigkeit. Mechanische Fensterjalousien bestehen aus vielen beweglichen Teilen, die häufig kaputtgehen. Das Ziel war es, eine Lösung zu finden, die weiterhin das Sonnenlicht blockiert und den Passagieren Ruhe ermöglicht, dabei aber die Zuverlässigkeitsprobleme mechanischer Systeme vermeidet. Ein weiterer Vorteil ist die Steuerung durch die Crew: Die Fenster sind direkt an die Bedienfelder der Flugbegleiter angeschlossen. Auf Langstreckenflügen, bei denen es während des gesamten Fluges hell ist – etwa von Nordamerika nach Europa oder Asien – kann die Crew alle Fenster gleichzeitig mit einem einzigen Schalter am Bedienfeld abdunkeln, ohne dass jeder Passagier einzeln aktiv werden muss.
Technologische Entwicklung: Generation 1 bis Generation 3 - 00:01:30
Die Entwicklung begann im Jahr 2005. Als das Team für die Boeing 787 angefragt wurde, erarbeiteten sie erste Spezifikationen und führten gemeinsam mit Boeing Flugtests durch. Die erste Generation wurde auf den Markt gebracht, erwies sich jedoch als nicht dunkel genug für Passagiere, die eine vollständige Abdunkelung wünschten. 2015 folgte die zweite Generation: zehnmal dunkler und doppelt so schnell wie die erste, aber immer noch keine vollständige Abdunkelung. Die dritte Generation wurde zusammen mit dem Airbus A350 und Boeing 777X eingeführt. Verbesserungen wurden durch verbesserte Chemie, eine aktualisierte Systemarchitektur und elektrische Anpassungen erreicht. Der Übergang von klar zu dunkel dauert etwa 60 Sekunden – langsam genug, damit sich die Augen der Passagiere anpassen können.
Konzept zur Passagiererkennung und Automatisierung - 00:04:36
Das Unternehmen nutzt die für den Automobilbereich entwickelte Fahrerüberwachungskameratechnologie — bei der Kameras erkennen, ob ein Fahrer abgelenkt, eingeschlafen oder handlungsunfähig ist — und erforscht, wie dasselbe System in der Luftfahrt eingesetzt werden kann. Im Cockpit könnte es die Sicherheit während des Flugbetriebs unterstützen. In Premium-Kabinen-Sitzen könnte es das Passagiererlebnis automatisieren: Es erkennt, ob ein Passagier eingeschlafen ist, pausiert dann automatisch den Film, senkt den Fensterrollo oder aktiviert einen Nicht-stören-Modus.
Intelligentes, aufgabenspezifisches Beleuchtungskonzept - 00:05:33
Ein intelligentes Beleuchtungskonzept nutzt einen auf den Tabletttisch gerichteten Sensor. Statt eines einfachen Ein/Aus-Lichts mit nur einer Farbe erkennt das System, was sich auf dem Tabletttisch befindet, und sorgt für gezielte, objektbezogene Beleuchtung. Es kann zwischen einem Teller mit Essen — für den es ein sanftes, warmes Licht bereitstellt — und einem Buch unterscheiden, für das es auf ein schärferes Leselicht umschaltet. Das Licht folgt dabei dem Objekt auf dem Tablett.
Diese Zusammenfassung wurde mit Unterstützung von KI erstellt.