Im Rahmen der Hausveranstaltung Innovation Days hat Goldhofer in Memmingen offiziell den vollelektrischen Pushback-Traktor Atlas 3 vorgestellt. Der Atlas 3 ist der kleine Bruder des ebenfalls elektrischen Pushback-Fahrzeugs Atlas 2 und vor allem für Mittelstrecken-Maschinen gedacht. In Zukunft will Goldhofer so zusammen mit den Diesel- oder Hybrid-Pushback-Fahrzeugen Phoenix eine stangenlose Gesamtlösung für Flughäfen bieten.
Die Atlas-Fahrzeuge sind nämlich nur für den Bereich in Gate-Nähe gedacht und das Atlas-2-Fahrzeug auf einen wartungsarmen Betrieb. So wird das Fahrzeug beispielsweise passiv gekühlt. Wasser gibt es an Bord nur noch für den Scheibenwischer. Zudem wurden die Inverter mit Wärmeleitpaste an die Struktur des Fahrzeugs angebracht, damit deren Wärme zusätzlich über das Fahrzeug abgeleitet werden kann.
Die Atlas-Serie soll Flugzeuge vor allem zurückdrücken oder vielleicht mal zwischen Gates umpositionieren. Als Schlepper, etwa in einen Hangar, ist er nicht konzipiert. Dann würde der Atlas 3, genauso wie der Atlas 2, zu heiß laufen. Dafür sind die Phoenix-Fahrzeuge gedacht.
Typische Aufteilung zwischen Phoenix und Atlas am Beispielflughafen Paris Charles de Gaulle. © airliners.de / Andreas Sebayang
Angetrieben wird das Fahrzeug von zwei Elektromotoren an den hinteren Achsen. Da die Flugzeuge vom Atlas 3 – wie bei Phoenix und Atlas 2 auch – angehoben werden, sorgen die Flugzeuge für das notwendige Gewicht für die Traktion.
Aufnahme für das Bug-Fahrwerk eines Flugzeugs. : Frontansicht eines schwarzen und weißen Flugzeugschleppers mit geöffneter Kabine und breiter Aufnahmevorrichtung für das Bugfahrwerk. Im Hintergrund stehen Menschen an Tischen unter Bäumen. © airliners.de / Andreas Sebayang
Entweder zwei oder drei Akkupakete mit jeweils 22 kWh Kapazität (LFP-Akkus) sorgen für die Energie, also maximal 66 kWh. Ein Pushback-Versuch soll zwischen 1,0 und 1,7 kWh benötigen, in Abhängigkeit des Flugzeugs. Die Akkus arbeiten mit einem 96-Volt-System, was eine Hochvoltschulung beim Boden- und Wartungspersonal erspart.
Goldhofer verspricht zudem kürzere Pushback-Fahrten, da auf die Handhabung einer Towbar verzichtet werden kann. Außerdem soll die Ausbildung beschleunigt werden. Goldhofer sieht seine Zukunft im stangenlosen Betrieb, auch wenn das Unternehmen schwere Schlepper mit Stangenkonzept hat (Bison).
Allerdings musste Goldhofer das Fahrzeug im Vergleich zum Atlas 2 etwas anpassen. An der Lenkachse wurde laut mehr Gewicht verbaut werden. Neu ist zudem die Fahrerkabine, die mehr Platz bietet als beim Atlas 2.
Fahrerraum des Goldhofer Atlas 3. © airliners.de / Andreas Sebayang
Das Fahrzeug ist für Flugzeuge mit einem Abfluggewicht von maximal 102 Tonnen ausgelegt, also typische Schmalrumpf-Jets wie die Boeing 737 oder auch schwerere Airbus A321. Eine Boeing 757 ist allerdings nicht mehr dabei, wie Goldhofer im Gespräch sagte.
Den Atlas 2 gibt es derzeit nur in zwei Prototyp-Versionen. Der erste Prototyp wurde in Memmingen gezeigt. Der zweite Prototyp befindet sich aktuell auf dem Weg zur GSE Expo in Lissabon, wo das Fahrzeug dann einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Goldhofers Atlas 3 in Memmingen ist noch ein Prototyp. : Frontansicht des weiß-schwarzen Goldhofer-Atlas-3-Prototyps vor einer Werkhalle. Warnstreifen, orange Rundumleuchten und das Schild „PROTOTYPE“ sind sichtbar; Personen stehen daneben. © airliners.de / Andreas Sebayang
Insgesamt sind zwei Versionen geplant. Eine Version ist für den weltweiten Markt. Die USA bekommen eine besondere Variante ohne Akku. Der wird erst in den USA verbaut, was zollrechtliche Gründe hat.
Atlas 3 bei der Erstvorstellung auf der Bühne im Goldhofer-Werk Memmingen. © airliners.de / Andreas Sebayang