Die Deutsche Bahn baut die Infrastruktur am Berliner Hauptbahnhof deutlich aus. Zur Eröffnung der Dresdner Bahn und damit auch der Einführung des 15-Minuten-Takts für den Flughafen Express (FEX) hatte die Bahn bereits im unteren Teil den Tunnel deutlich ausgebaut.
Allerdings hat der Tunnel weiter Kapazitätsprobleme, da veraltete Signaltechnik nicht mehr erweitert werden kann. Es bräuchte also perspektivisch größere Bauarbeiten im Berliner Fernbahntunnel. Trotzdem hat die Deutsche Bahn damit wichtige Schwächen des Tunnels beheben können, auch wenn das nicht reichte. Einer von vier FEX pro Stunde wurde aus Kapazitätsgründen mit einem Regionalzug kombiniert.
Voraussichtlich zum nächsten großen Fahrplanwechsel im Dezember wird eine weitere große Schwäche des Hauptbahnhofs beseitigt – nach gut 20 Jahren Betriebszeit.
Aktuell baut die Deutsche Bahn nämlich auf der oberirdischen Stadtbahn vier zusätzliche Weichen westlich des Bahnhofs um. Die sind essentiell, denn mit diesen Weichen kann die Deutsche Bahn Züge im Hauptbahnhof effizient enden lassen.
Diese Weiche des Gleiswechsels erlaubt vom Westen die Gleise in Richtung Hamburg und Hannover direkt anzufahren. © Privat / Andreas Sebayang
Zwar war der Hauptbahnhof (oben) auch in der Vergangenheit vor allem bei Bauarbeiten ein Endbahnhof. Doch Züge dort umkehren zu lassen war kaum möglich. Die dafür notwendigen Weichen befinden sich am Zoologischen Garten. Deshalb mussten Züge in den Tunnelbahnhof umgeleitet werden. Mitunter war es nur zwei Mal in der Stunde möglich, einen Zug zum Hauptbahnhof zu führen. In manchen Fällen wurde der Hauptbahnhof auch als Kehranlage für den benachbarten Bahnhof Friedrichstraße genutzt, denn der ist weichentechnisch auf der Stadtbahn besser ausgestattet.
Mit den neuen Weichen können Züge künftig direkt im Hauptbahnhof kehren. Alle vier Gleise können dann genutzt werden, um Züge in den Hauptbahnhof zu führen und anschließend auf dem Gegengleis wieder Richtung Magdeburg, Hannover und Hamburg zu führen. Im Zweifelsfall lassen sich mit den Weichen in der Friedrichstraße sogar alle vier Gleise in Lastrichtung nutzen. Bisher ist das realistisch nur mit zwei Gleisen möglich. Daher stauen sich am Hauptbahnhof gelegentlich Züge, obwohl zwei Gleise ungenutzt sind.
Fortgeschrittene Bauarbeiten
Die entsprechenden Bauarbeiten machen einen weit fortgeschrittenen Eindruck, sodass zur Wiedereröffnung der Stadtbahn für den Fern- und Regionalverkehr am 13. Dezember wohl keine Probleme zu erwarten sind.
Der Gleiswechsel in der Gegenrichtung. Züge, die im Hauptbahnhof enden, können über diese Konstruktion wieder zurückfahren. © Privat / Andreas Sebayang
Dann sollten auch die über die Stadtbahn geführten Früh-FEX für das Flughafen-Personal wieder fahren. Im innerdeutschen Verkehr dürfte die Bahn ihre Position ebenfalls verbessern, da im Störungsfall besser reagiert werden kann. Aufgrund der vielen Verspätungen dürften gerade solche kleinen Maßnahmen große Wirkungen erzielen. Interessanterweise kann der Luftverkehr die Schwäche der Deutschen Bahn innerdeutsch nicht ausnutzen.
Der Einbau der Weichen ist Teil einer größeren Sanierung. Dazu gehört auch eine Erneuerung der sogenannten Fahrbahnübergangskonstruktionen am Hauptbahnhof. Aufgrund der Eile beim Bau des Bahnhofs in den Nullerjahren sind auch diese Konstruktionen eine Schwachstelle des Bahnhofs.
Die nächste Sanierung steht ebenfalls an. Der im Mai 2006 in seiner letzten (Fernbahn-)Stufe eröffnete Bahnhof ist nämlich schon ein Sanierungsfall, wie die "Berliner Zeitung" berichtet. Spätestens in den 2030er-Jahren steht dann die nächste Sanierung an. Das notwendige Bauprogramm wird aktuell dazu ermittelt. Die neuen Weichen helfen dann vielleicht, die zu erwartenden Sperrungen abzumildern.