Flughafen-Umzug in Istanbul abgeschlossen

08.04.2019 - 10:10 0 Kommentare

Der neue Flughafen in Istanbul hat seinen Vollbetrieb erfolgreich aufgenommen. Mit einem Flug von Turkish Airlines vom neuen Standort in die Hauptstadt Ankara hat eine neue Zeitrechung in der türkischen Luftfahrt begonnen.

Flugzeuge von Turkish Airlines am neuen Flughafen Istanbul

Flugzeuge von Turkish Airlines am neuen Flughafen Istanbul
©dpa - Lefteris Pitarakis

Letzte Aufbauarbeiten am neuen Flughafen von Istanbul.

Letzte Aufbauarbeiten am neuen Flughafen von Istanbul.
© dpa - Lefteris Pitarakis/AP

Flugzeuge von Turkish Airlines stehen am neuen Flughafen von Istanbul.

Flugzeuge von Turkish Airlines stehen am neuen Flughafen von Istanbul.
© dpa - Lefteris Pitarakis/AP

Passagiere gehen durch eine Halle am neuen Flughafen von Istanbul.

Passagiere gehen durch eine Halle am neuen Flughafen von Istanbul.
© dpa - Lefteris Pitarakis/AP

Ein Flugzeug von Turkish Airlines startet am "Flughafen Istanbul".

Ein Flugzeug von Turkish Airlines startet am "Flughafen Istanbul".
© dpa - Lefteris Pitarakis/AP

Der neue Istanbuler Flughafen hat alle Flüge übernommen, die bisher noch über den alten stadtnahen Atatürk-Flughafen abgewickelt wurden, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft IGA mitteilte.

Mit dem Start einer Turkish-Airlines-Maschine hatte der neue "Flughafen Istanbul" am Samstag seinen Betrieb offiziell aufgenommen. Von türkischen Staatsmedien live übertragen, hob das erste Flugzeug gegen 14.30 Uhr Ortszeit Richtung Hauptstadt Ankara vom neuen Mega-Standort im Norden der Metropole ab.

Nach viereinhalb Jahren Bauzeit für die "Etappe 1A" genannte erste Ausbaustufe sind das Hauptterminal samt Vorfeld sowie zwei der geplanten sechs Landebahnen fertiggestellt. Die Kapazität soll für 90 Millionen Passagiere ausreichen.

Genug für Turkish Airlines als künftigen Homecarrier, um den nach eigener Aussage "größten Umzug in der Geschichte der Luftfahrt" abzuwickeln. Die Ausrüstung und Geräte, die man am Wochenende zum neuen Flughafen transportierte, würden eine Fläche von 33 Fußballfeldern bedecken.

Der Umzug ging über das ganze Wochenende. Die Flotte der Turkish Airlines ist größtenteils hinübergeflogen. Die beiden Airports liegen knapp 40 Kilometer auseinander.

Der Umzug zum neuen Istanbuler Flughafen wurde in 48 stunden abgewickelt Foto: © Turkish Airlines

Der Flugverkehr ruhte wegen des Umzugs an beiden Airports zwölf Stunden lang: von Samstagfrüh 1:00 Uhr MESZ bis Samstagmittag 13.00 Uhr MESZ. Dann durften zunächst die Flieger von Turkish Airlines vom neuen "Flughafen Istanbul" abheben.

Bau auf der grünen Wiese

Der neue Großflughafen am Nordrand der türkischen Metropole ist der erste in Europa seit fast 20 Jahren, der auf der grünen Wiese hochgezogen wurde, wie der Internationale Flughafenverband ACI erklärt.

Derart aus dem Boden gestampft wurde in Europa zuletzt der Athener Airport Eleftherios-Venizelos, der im März 2001 in Betrieb ging - und davor der Münchner Flughafen, wo seit Mai 1992 die Flugzeuge starten und landen. Der BER ist zwar auch ein Neubau, er teilt sich aber zumindest eine Runway mit dem bestehenden Flughafen Schönefeld.

Dabei ist auch der Flughafenbau in der Türkei nicht unumstritten. So warnen Umweltschützer, dass die Grundwasserversorgung Istanbuls gefährdet werde, da auf dem Gelände etliche Speicherseen liegen. Auch wird befürchtet, dass der Flugverkehr die wichtige Vogelzugroute zwischen Europa und Asien stört.

Sorgen gibt es zudem, weil der Flughafen auf aufgefüllten Kohlegruben erbaut ist und der Boden daher nachgeben könnte. Zudem soll es dort oft windig und neblig sein. Für Kontroversen sorgten auch die Arbeitsbedingungen auf der Großbaustelle - dort soll es zahlreiche Todesfälle gegeben haben. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Cumhuriyet" starben seit Beginn der Arbeiten mehrere Hundert Menschen, die Regierung räumte im Februar 27 Todesfälle ein.

Mega-Hub zwischen Europa und Asien

Mit mehr als 1,4 Millionen Quadratmetern ist das fertiggestellte Terminal das zweitgrößte der Welt unter einem Dach, nach Terminal 3 am Dubai International Airport. Eine Besonderheit ist auch das Landebahnsystem. Jede der im Endausbau sechs Hauptbahnen hat eine schmalere Nebenbahn, die voll funktionsfähig ist, aber vor allem als Ausweich-Taxiway in Stoßzeiten dienen soll.

Mit einer Fläche von 76 Quadratkilometern wird der neue Flughafen langfristig drei Mal so groß wie der Atatürk-Flughafen sein. Nach Fertigstellung der letzten Baustufe 2028 soll die Zahl der Passagiere auf 200 Millionen steigen.

© dpa, Lena Klimkeit Lesen Sie auch: Turkish-Airlines-Chef: Europäische Flughäfen verlieren den Anschluss

Dann soll der offiziell 10,5 Milliarden Euro teure Airport eine Kapazität von 500 Flugzeugen haben und täglich 2000 Starts und Landungen abwickeln. 250 Fluglinien sollen mehr als 350 Ziele in aller Welt anfliegen. Erklärtes Ziel der Betreiber ist es, den Flughafen Atlanta mittelfristig als größtes Drehkreuz der Welt abzulösen.

In der Türkei ist der Luftverkehr in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Nach jüngsten Schätzungen der Internationalen Luftverkehrsvereinigung Iata wird sich die Zahl der Passagiere weltweit in den kommenden 20 Jahren verdoppeln - auf 8,2 Milliarden im Jahr 2037. Die Vertretung der Fluggesellschaften ruft die Staaten regelmäßig auf, die schon jetzt überlasteten Flughäfen auszubauen und in die Infrastruktur zu investieren.

Neue Konkurrenz für alte Standorte

Dass das Wachstum in Istanbul die Flughafenlandschaft in Europa bereits verändert, zeigte sich spätestens 2015. Damals hatte der Flughafen Istanbul Atatürk das Lufthansa-Drehkreuz in Frankfurt nach Passagierzahlen als drittgrößten Flughafen in Europa überholt. Nach einige Krisen und einem starken Wachstum in Amsterdam lag Istanbul im vergangenen Jahr nur knapp hinter Frankfurt auf Platz fünf der größten Flughäfen in Europa.

In Europa befürchten die Airlines mit dem neuen Flughafen eine Umlenkung von Passagierströmen zu Lasten des eigenen Aufkommens - vor allem in Richtung Asien. Von Istanbul aus benötigt Turkish Airlines keine Langstreckenflugzeuge, um Passagiere etwa aus Deutschland abzuholen, damit sie über das neue Drehkreuz weiterfliegen können.

Zudem unterliegt Turkish keinen Beschränkungen wie etwa Emirates oder Etihad, was die Landerechte in Deutschland angeht. Vor allem aber liegt Istanbul geografisch deutlich günstiger als die Flughäfen am Persischen Golf, was auch dort für Argwohn sorgt.

Abschied vom alten Flughafen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den neuen Flughafen bereits im vergangenen Oktober eingeweiht. Doch Turkish Airlines weigerte sich damals aufgrund eines als unzureichend empfundenen Ausbauzustands, ihren Flugbetrieb vollständig zu verlegen und bot nur wenige Verbindungen an.

© dpa, Mirjam Schmitt Lesen Sie auch: Neuer Airport: Turkish Airlines plant noch nicht den Umzug

Wieviel dem Nationalcarrier am alten Atatürk-Flughafen lag, wird auch im aktuellen Statement der Airline zum Umzug klar: Atatürk sei die Basis für den Turkish-Aufstieg ins Feld der großen Fluggesellschaften gewesen. Der Flug TK 54 von Istanbul-Atatürk nach Singapur war der letzte kommerzielle Passagierflug und würdiges Ende am alten Standort.

Direkt im Anschluss wechselte der internationale Dreiletter-Code IST zum neuen Flughafen. Istanbul-Atatürk ist jetzt nur noch für Fracht- und Geschäftsreiseverkehr geöfnet. Sein neuer Code ist ISL.

Von: dk mit dpa
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