Air Berlin ist insolvent

15.08.2017 - 16:15 0 Kommentare

Seit Jahren fährt Air Berlin Defizite ein. Nun hat die Airline Insolvenz angemeldet. Grund dafür ist die Großaktionärin Etihad. Sie will keine finanzielle Hilfe mehr leisten. Und Lufthansa will Teile der Air Berlin übernehmen.

Air Berlin kann nicht mehr auf die Hilfe von Etihad zählen. Foto: © dpa, Kay Nietfeld

Air Berlin hat nach jahrelangen Verlusten Insolvenz angemeldet. Die arabische Hauptaktionärin und langjährige Geldgeberin Etihad Airways habe dem Unternehmen die finanzielle Unterstützung entzogen, teilte Air Berlin mit. Die Lufthansa - Deutschlands größte Fluglinie - will jetzt Teile der hochverschuldeten Gesellschaft übernehmen und auch Mitarbeiter einstellen.

Die Bundesregierung hilft Air Berlin mit einem Brückenkredit, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Falls die rot-weiße Gesellschaft vom Markt verschwindet, verliert die Lufthansa ihre größte inländische Rivalin. Air Berlin beschäftigt in Deutschland etwa 7200 Mitarbeiter.

So reagieren die Aktien

Die seit Jahren nur noch für Centbeträge gehandelte Air-Berlin-Aktie wurde am frühen Nachmittag vom Handel ausgesetzt. Zuletzt lag sie mit 1,81 Prozent im Minus bei 0,76 Euro. Für die Lufthansa-Aktie ging es hingegen um 1,96 Prozent auf 20,45 Euro nach oben.

Nachdem Etihad weiteren Zuschüssen eine Absage erteilt hat, sieht Vorstandschef Thomas Winkelmann keine Hoffnung mehr für die Berliner Fluglinie. Es gebe keine positive Fortbestehensprognose mehr, räumte das Management ein.

Die arabische Fluglinie Etihad, die rund 29 Prozent an dem Unternehmen hält, hatte Air Berlin mit immer neuen Finanzspritzen in der Luft gehalten. Dennoch flogen die Berliner von Jahr zu Jahr höhere Verluste ein. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug das Minus 782 Millionen Euro, die Schulden erreichten eine Milliardensumme.

Jurist Flöther ist Insolvenzverwalter

Der Jurist Lucas Flöther übernimmt als vorläufiger Sachwalter bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Er werde ab sofort die Interesse der Gläubiger vertreten, sagte sein Sprecher. Flöther wurde vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestellt. Er hatte zuletzt unter anderem den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt gerettet und bei der Pleite des Internetriesen Unister in Leipzig übernommen.

Die Insolvenz sei sehr enttäuschend für alle Parteien, teilte Etihad mit. Vor allem, weil Etihad Air Berlin in den vergangenen sechs Jahren "umfassende Unterstützung bei vorangegangenen Liquiditätsherausforderungen und Restrukturierungsbemühungen" gewährt habe. Allein im April 2017 hat der arabische Carrier eigenen Angaben zufolge 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

"Allerdings hat sich das Geschäft von Air Berlin rapide verschlechtert", hieß es von Ethiad, "was dazu führte, dass entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden konnten." Unter diesen Umständen könne Etihad keine weitere Finanzierung leisten.

Flugbetrieb geht dank Kredit weiter

Air Berlin stellte beim Amtsgericht in Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Gleiches gilt für die Air Berlin plc & Co Luftverkehrs KG und die Wartungssparte. Für die österreichische Tochter Niki und die Frachtsparte Leisure Cargo seien derzeit hingegen keine Insolvenzanträge geplant, hieß es.

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Alle Flüge von Air Berlin und Niki fänden statt und die gebuchten Tickets blieben gültig, so Air Berlin. Auch könne man weiterhin Tickets für die angebotenen Flüge buchen. Die Bundesregierung unterstütze Air Berlin mit einem Übergangskredit, der durch eine Bundesbürgschaft abgesichert werde. Sie diene dazu, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Der 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichere den Flugbetrieb für ungefähr drei Monate, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Das von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung gestellte Darlehen wird durch eine Bundesbürgschaft abgesichert.

Lufthansa verhandelt über Teilkauf von Air Berlin

Unterdessen verhandelt die Gesellschaft mit der Lufthansa und weiteren Partnern über eine mögliche Übernahme von bestimmten Betriebsteilen der Air Berlin. Die Verhandlungen seien bereits "weit fortgeschritten", liefen "erfolgsversprechend" und könnten "zeitnah" abgeschlossen werden. Auch die Lufthansa erklärte, die Verhandlungen "zu einem schnellen und positiven Ergebnis" führen zu wollen.

Schon jetzt sind mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern im Einsatz. Die gemieteten Maschinen fliegen für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings und die österreichische Konzerntochter Austrian Airlines. Die Lufthansa will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass der Betrieb dieser Flugzeuge reibungslos weitergeht.

Kam vom Lufthansa-Konzern zu Air Berlin: Thomas Winkelmann Foto: © dpa, Alban Grosdidier

Air-Berlin-Chef Winkelmann hatte die Führung der seit Jahren kriselnden Fluglinie erst im Februar übernommen. Er selbst kam von der Lufthansa, bei der er deren langjährige Billigmarke Germanwings aufgebaut und in die schwarzen Zahlen geführt hatte. Als er die Nachfolge von Stefan Pichler bei Air Berlin antrat, wurde bereits spekuliert, dass er eine Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa vorbereiten könnte.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für eine Komplettübernahme der Rivalin allerdings immer wieder hohe Hürden genannt. Neben wettbewerbsrechtlichen Fragen nannte er dabei die hohen Betriebskosten der Berliner sowie den hohen Schuldenberg des Unternehmens. Die Frage der Schulden könne nur Etihad lösen, hatte es zuletzt aus Frankfurt geheißen.

Insolvenz hat sich wohl abgezeichnet

Der Insolvenzantrag von Air Berlin hatte sich in der vergangenen Woche offenbar abgezeichnet. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfuhr, überwies der arabische Partner Etihad am Mittwoch eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht.

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: Reaktionen zu Air-Berlin-Insolvenz: "Wie eine heiße Kartoffel"

Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, Air Berlin künftig nicht mehr zu unterstützen, hieß es. Die 50 Millionen Euro wären Teil eines Darlehens über 350 Millionen Euro gewesen, den die Großaktionärin Air Berlin Ende April zugesagt hatte.

Die neue Lage hat die börsennotierte Air Berlin nach Darstellung aus unternehmensnahen Kreisen nicht sofort per Ad-hoc-Mitteilung melden müssen, weil sie sich damit selbst geschadet hätte. Ohne weitere Gespräche etwa über einen Brückenkredit der Bundesregierung hätte das die sofortige Einstellung des Flugbetriebs bedeutet.

Von: ch, AFP, dpa, dpa-AFX
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