Liebe Leserinnen und Leser,
am 30. September endet bei Condor ein Kapitel, das im September 2019 mit der Insolvenz von Thomas Cook begann. Dann laufen drei Prozesse gleichzeitig ab: Die noch übrig gebliebenen KfW-Darlehen werden fällig, die treuhänderisch gehaltenen 49 Prozent der Condor-Anteile wechseln automatisch den Besitzer, und es wird abgerechnet, was der Steuerzahler am Ende zurückbekommt.
Alexander Fink und ich haben uns dieses Konstrukt genau angesehen, bei Condor, beim Investor Attestor, bei der KfW und beim Bundesfinanzministerium nachgefragt und zahlreiche Hintergrundgespräche geführt. Das Ergebnis ist unser Aufmacher dieser Ausgabe: ein Deep-Dive in eines der komplexesten staatlichen Rettungspakete der deutschen Zivilluftfahrtgeschichte.
Was uns bei der Recherche am stärksten beschäftigt hat: Zentrale Fragen wurden bei der Rettung vor fünf Jahren schlicht nicht bedacht. Etwa die, was passiert, wenn Attestor bis zum Stichtag keinen Käufer findet. Fest steht: Es gibt keinen Weg, an dem der 30. September folgenlos verstreicht.
Diese Ausgabe hat aber noch viel mehr zu bieten. Mit dem Auftaktartikel zur Luftfahrt in Osteuropa, starten wir eine neue Schwerpunkt-Artikelserie, die wir gemeinsam mit der German Aviation Research Society (GARS) realisieren: Warum wächst der Luftverkehr in den CEE-Ländern so viel schneller als der westeuropäische Durchschnitt ?
Dazu kommt ein Interview mit Ahmet Harun Baştürk, Senior Vice President Sales bei Turkish Airlines, über Istanbuls Stärken als Golf-Drehkreuz-Ersatz und die Frage, wie die Airline mit der Beteiligung an Air Europa den Zugang zu Lateinamerika öffnen will. In den Gedankenflügen blickt Alexander Fink auf zwei fehlende "Bahnen" in München. Und mit der dritten Folge der "Mobilitätsformel" von Dr. Klaus Radermacher gibt es wieder einen faktenbasierten Energievergleich zwischen Zug und Flug, der manches Vorurteil ins Wanken bringt.
Kaweh Mansoori, der hessische Wirtschaftsminister (SPD), steuert in dieser Ausgabe den "Standpunkte"-Kommentar bei: Deutschland droht den Anschluss zu verlieren – und es ist Zeit für eine echte Kurskorrektur im Luftverkehr, nicht für Symbolpolitik.
Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
Ihr
David Haße
Herausgeber airliners.de