Dokufilm zu chinesischem Flughafen-Investor kommt ins Kino

03.05.2016 - 16:39 0 Kommentare

Der Chinese Jonathan Pang versucht seit 2007, einen Mecklenburger Provinzflugplatz zum Hotspot der Globalisierung zu machen. Ein Film über das bislang glücklose Unterfangen "Parchim International" kommt jetzt ins Kino. Und Investor Pang glaubt weiter an ein Happy End.

Die Sonne lacht über Parchim. Es ist still am Dienstag auf dem ehemaligen Militärflugplatz der mecklenburgischen Kleinstadt, gelegen auf halber Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Starts oder Landungen - Fehlanzeige. Für Rummel in der Abflughalle sorgt eine Filmcrew: Stefan Eberlein (Regie) und Manuel Fenn (Kamera) sowie ihr Protagonist, Investor Jonathan Pang, geben Interviews. Der Chinese kaufte 2007 den defizitären Airport mit Nachtflugerlaubnis, um ihn zur Drehscheibe für den Fracht- und Passagierverkehr zwischen China, Europa und Afrika zu machen, zu einem neuen Hotspot der Globalisierung.

Die 93 Minuten lange, mitunter humorvolle Dokumentation über das bislang recht erfolglose Flugplatz-Projekt in der Provinz trägt den Titel "Parchim International" und die Unterzeile "Make Business or go home". Bundesweiter Kinostart ist am 19. Mai mit 24 Kopien, wie Fenn sagt. Am Mittwoch läuft die Tragikomödie beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin im Wettbewerb. Im April wurde der Streifen beim Festival "Achtung Berlin" als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Weltpremiere war im Herbst 2015 beim Leipziger Dok-Filmfestival.

Werbeplakat für den Dokumentarfilm "Parchim International". Foto: © Neue Visionen Filmverleih,

Ob "Parchim International" allerdings jemals in China gezeigt wird, stehe in den Sternen, räumt Regisseur Eberlein ein. Bisher hätten alle chinesischen Festivals abgewunken. Sieben Jahre begleiteten die Filmemacher den heute 50 Jahre alten Geschäftsmann Pang Yu Liang, der sich selbst den Vornamen Jonathan gab, in Deutschland und China mit der Kamera. Die Idee zum Kinofilm sei 2008 in Parchim entstanden, sagen sie. Der brachliegende Flugplatz sei ein "visueller Ort", "wie ein Film-Set" und neben Pang selbst Protagonist des Films geworden.

"Das ist Realität, das bin ich", sagt Pang. Er glaubt weiter an seine Vision, in Parchim ein Welthandelszentrum hochzuziehen. "Dieser Flughafen wird den Berliner Flughafen ersetzen", sagt er im Film. Zwei- bis dreistellige Millionenbeträge würden investiert in Shoppingmalls, Hotels, eine visa- und zollfreie Transitzone. Nötiger ist ein neuer Belag für die drei Kilometer lange Lande- und Startbahn, wird im Film deutlich. Flugzeuge kommen eher selten vor, allenfalls mal ein Privatjet oder Übungsflieger von Nachwuchspiloten.

Der chinesische Flughafen-Investor Jonathan Pang. Foto: © dpa, Jens Büttner

Pang will Arbeitsplätze schaffen, unvorstellbar viele Jobs "vor Ort und online", "vielleicht eine Million, vielleicht zehn Millionen", wie er im Film sagt. Auch Kultur kündigt er an für Chinas "eigenes Territorium" mitten in Europa - einen Shaolin-Tempel, ein Spielkasino. "Wir werden einen künstlichen Berg bauen und ein Märchenland schaffen."

In der Realität wurde bisher ein Tower gebaut. Er ersetzt das gut 20 Jahre alte Provisorium, einen Container auf Stelzen. Das Terminal bekam einen neuen Sicherheits- und etwas größeren Wartebereich. Doch noch immer landen keine Ferien- oder Fracht-Flieger auf dem Regional-Airport mit dem Kürzel "SZW".

© dpa, Jens Büttner Lesen Sie auch: Flughafen könnte zum Einkaufsparadies für chinesische Touristen werden

Im Film ist der korpulente Investor immer wieder beim Joggen zu sehen, mal in Parchim, mal in Peking, als wäre ihm Stillstand zuwider. Ruhe findet er im Heimatdorf in Zentralchina, wo er vor dem Foto des Vaters in Tränen ausbricht. Als der alte Mann starb, war Pang nicht da, sondern geschäftlich in Afrika. An seinen hochfliegenden Plänen lässt Pang - im Film wie in der Wirklichkeit - nie Zweifel aufkommen. "Wir erschließen Land." Das könne zehn Jahre dauern oder hundert oder bis in alle Ewigkeit.

Von: Grit Büttner, dpa, gk
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