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Die Born-Ansage (134) Gastautor werden

Zynismus pur

Die Luftverkehrsteuer ist in Kraft. Der zuständige Koordinator der Bundesregierung feiert diese in Zeiten von Corona als "dynamisch". Unser Kolumnist Karl Born hält das für zynisch und fordert, dass die Regierung lieber an einer Exit-Strategie arbeiten solle.

Montage: airliners.de © BMWi; Privat

So schlimm wie heute waren die Zeiten für Fluggesellschaften und Flughäfen noch nie. Im Kampf ums Überleben wird jede denkbare Chance, egal wie groß oder wie klein, in Anspruch genommen. Sogar die oft gescholtene EU hat bereits Maßnahmen erlassen, um zu helfen, wie beispielsweise die Aussetzung der Slot-Regeln oder gelockerte Subventionsregeln. Das bringt zwar kurzfristig kein frisches Geld in die Kasse, ist aber ein positives Zeichen in Hinblick auf die Zeit, wenn es irgendwann wieder aufwärts gehen wird.

© Adobe Stock, Corona Borealis; Privat, Lesen Sie auch: Corona-"Geisterflüge" verhindern Die Born-Ansage (132)

Vom Koordinator für Luft- und Raumfahrt der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, hätte man sich beim Krisentreffen mit Branchenvertreter schon mehr Unterstützung gewünscht. Dass bei diesem Gespräch auch die zum 1.4.2020 in Kraft getretene Erhöhung der Luftverkehrssteuer Thema wurde - weil es absurd ist, in der Krise auch noch eine ohnehin umstrittene Steuer zu erhöhen - war zu erwarten.

Die herablassende Art, in der dieser Antrag von Jarzombek abgelehnt wurde, ist zumindest in der Formulierung ziemlich frech: "in dem Moment, wo keine Passagiere fliegen, wird die Steuer nicht erhoben, von daher passt sich die Luftverkehrssteuer dynamisch an“. Rein mathematisch kann man es so sehen, aber in dieser Situation die Luftverkehrssteuer auch noch (selbstlobend) als "dynamisch" herauszustellen, ist unnötigerweise nicht nur provozierend, sondern auch zynisch.

Verschiebung hätte Lichtblick sein können

Mag der Erhöhungsbetrag angesichts der Gesamtlage von nicht gerade überlebensentscheidender Bedeutung sein, hätte eine Aussage, dass man in nächster Zeit generell auf die Erhebung der Steuer verzichtet, ein weiterer Lichtblick für die Zukunft im Luftverkehr bedeutet.

Dafür steht plötzlich das Thema Verstaatlichung der Airline auf der politischen Agenda. Welches Problem würde das beheben oder erleichtern? Staatliche Finanzhilfe gewähren "ja", wie in anderen Branchen derzeit auch, aber das sollte auf keinen Fall in Verstaatlichung enden. Lufthansa und die Flughäfen sind nicht durch eigene Misswirtschaft in diese Situation gekommen. Der Beweis wieviel erfolgreicher der Staat wirtschaften kann, steht noch aus. Und ein Herr Jarzombek als Aufsichtsratsvorsitzender braucht auch niemand.

Aber offensichtlich wird auch in anderen europäischen Ländern über Verstaatlichung des "nationalen Champions" nachgedacht. Da würden wir relativ schnell in die alten Zeiten der Regulierung zurückfallen, wenn Staatsbehörden das Kommando übernehmen.

Die Regierung sollte sich mit voller Kraft einer Exit-Strategie widmen, nicht erst wenn die aktuellen Beschränkungen gelockert werden. Die Vorbereitung für die Zeit danach, muss heute (besser wäre gestern gewesen) beginnen. Dabei wird nicht primär eine eigene Luftverkehrs-Exit-Strategie gesucht. Eine Strategie für die Gesamtwirtschaft nützt unmittelbar auch dem Luftverkehr.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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