Zweiter Luftfahrtgipfel: Scheuer erwartet schwierigen Sommer

Ernüchterung nach dem zweiten Gipfeltreffen von Luftfahrt und Politik. Trotz einiger Verbesserungen bleibt die Lage auch im kommenden Sommer angespannt. Die Reaktionen auf die Evaluation sind gespalten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. © BMVI

Am heutigen Donnerstag sind in Hamburg Spitzenvertreter der Luftfahrtbranche und Vertreter der Politik zum zweiten Luftfahrtgipfel zusammen getroffen. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) waren auch diesmal Gastgeber bei dem "Spitzentreffen Luftfahrt", das unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums stattfand.

Der erste Luftverkehrsgipfel im Oktober 2018 wurde unter dem Eindruck des sogenannten "Chaos-Sommers" in der deutschen, teilweise auch europäischen Luftfahrt anberaumt. Vor allem im Juli und August 2018 kam es zu zahlreichen Verspätungen und Annullierungen von Flügen - aus ganz unterschiedlichen Gründen, die zusammengenommen jedoch das Bild von einem "auf Kante genähten" System zeichneten.

Beim diesem ersten Treffen einigten sich die Teilnehmer in einer "gemeinsamen Erklärung" auf 24 Einzelmaßnahmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des kommerziellen Luftverkehrs. Im Mittelpunkt sollen dabei eine stärkere Zuverlässigkeit und verbesserte Pünktlichkeit stehen. Beim zweiten Gipfel wurde nun der Stand der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen diskutiert und evaluiert.

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Bange Blicke auf die kommende Flugplanperiode

Das Fazit der Teilnehmer direkt nach dem zweiten Treffen war dabei von Ernüchterung geprägt: Man müsse sich wohl auch in diesem Sommer auf Verspätungen und Flugausfälle einstellen. Trotz einiger Verbesserungen und hoher Investitionen bleibe die Lage angesichts des wachsenden Luftverkehrs angespannt. Zwar zeigten sie sich mit der Kooperation der Beteiligten zufrieden, warnten aber vor zu großen Hoffnungen auf schnelle Verbesserungen.

Die bisher ergriffenen Maßnahmen wirkten, reichten aber nicht aus, hieß es. "Die Airlines ziehen an einem Strang", sagte Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser. Alle Fluglinien zusammen hätten die Zahl ihrer Reserve-Flugzeuge und -crews verdoppelt und mehr Puffer in die Flugpläne eingebaut.

Auch deshalb rechne er damit, dass es in diesem Sommer "vielleicht etwas besser als letztes Jahr" werde, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS), Klaus-Dieter Scheurle. Es könnten aber nicht alle Kapazitätsprobleme gelöst werden.

Die Fluglinien hielten zwar mehr Jets als sogenannte Reserve in Bereitschaft und die Zahl der Fluglotsen in Ausbildung sei auf 122 erhöht worden. Hauptproblem sei jedoch, dass die Zahl der Flüge im deutschen Luftraum im vorigen Jahr um rund 54.000 höher ausgefallen sei als noch wenige Monate vorher prognostiziert. Außerdem werde sie weiter steigen. Die Kapazität des Luftraums stoße an Grenzen. Zudem verwies er noch darauf, dass Flughäfen mehr Personal etwa für Bodendienste eingestellt hätten.

Für Ralf Teckentrup jedoch bei weitem nicht genug. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte der Chef des Ferienfliegers Condor, dass es bei den Sicherheitskontrollen noch immer große Engpässe gebe: "Es muss deutlich nachgebessert werden. Die Produktivität an den Flughäfen ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auf keiner zufriedenstellenden Qualitätsstufe." Hier sei eindeutig die Politik gefragt.

In diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

Wichtig ist dem Bundesverkehrsministerium (BMVI) mit Blick auf vorliegenden Verbesserungsvorhaben die Unterscheidung zwischen kurz-, mittel- und langfristig wirkenden Maßnahmen: "Da für die bevorstehende Sommerflugplanperiode 2019 mit einem weiteren Wachstum des Luftverkehrsaufkommens in Deutschland und Europa zu rechnen ist, können die bereits ergriffenen kurzfristigen Maßnahmen durch dieses Wachstum teilweise kompensiert werden," stellt das Ministerium auf seiner Homepage fest.

Die mittel- und langfristigen Maßnahmen würden demnach einem Überwachungsprozess unterzogen und erst in den folgenden Flugplanperioden schrittweise ihre Wirkungen entfalten.

Einige Maßnahmen, etwa die Ausbildung neuer Fluglotsen oder die Änderung von Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene, brauchten viel Zeit, andere seien schnell umzusetzen. "Wir wollen ein gutes Mobilitätsangebot für die Bürger und wir arbeiten intensiv daran", sagte Verkehrsminister Scheuer. "Doch in diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen."

Scheuer sagte weiter, dass alle beim ersten Luftfahrtgipfel beschlossenen Maßnahmen angegangen wurden.

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Hochkarätig besetztes Treffen

Teilgenommen haben - wie schon im vergangenen Oktober - Vertreter aus Bund, Ländern, Fluggesellschaften, Flughäfen und Branchenverbänden. Auch diesmal sind einige der wichtigsten Köpfe der Luftfahrt in Deutschland dabei. Für den Bund und die Länder sind das die beiden Gastgeber, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher. Dazu kommen Vertreter aus Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Hinzu kommen der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) Prof. Klaus-Dieter Scheurle und - als wichtigster Vertreter für die Flughäfen - Stefan Schulte, der Vorsitzende der Fraport AG und ADV-Präsident. Als Airline-Vertreter sind unter anderem Lufthansa-Vorstand Dr. Detlef Kayser und Condor-Chef Ralf Teckentrup dabei. Als Vertreter der größten deutschen Interessenvereinigung von Fluggesellschaften, der Barig (Board of Airline Representatives in Germany), nimmt Michael Hoppe teil, der die Stimme für betroffene ausländische Airlines sein soll.

In Bezug auf die teilnehmenden Unternehmen und Institutionen hat sich die Teilnehmerliste gegenüber dem ersten Gipfel kaum verändert.

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: Immer mehr Passagierbeschwerden im Luftverkehr

Von: dk

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