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Zwei Drohnen-Erstflüge in Deutschland für zeitkritische Transporte

Drohnen sind gut geeignet, Transporte durchzuführen, die aus zeitlichen Gründen nicht im Verkehr steckenbleiben dürfen. Beispielsweise in der Medizin oder bei komplexen Produktionsprozessen. Genau diese beiden Anwendungsfelder wurden gestern in Deutschland erstmals erprobt.

Die Medifly-Drohne für den schnellen Transport von Gewebeproben: Ein klassischer Multicopter © ZAL

Gleich zwei Erstflüge von Drohnen für den schnellen Lufttransport gab es gestern in Deutschland. In Hamburg startete das vom BMVI geförderte Forschungsprojekt Medifly, dass den Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge für den akuten Transport medizinischer Proben ermöglichen soll. Der zweite Erstflug startete in der Rhein/Main-Region und testete den Einsatz von Lieferdrohnen in der standortübergreifenden Werkslogistik des Technologieunternehmens Merck.

Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Forschungsprojekt Medifly absolvierte insgesamt sechs Drohnenflüge zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus in Wandsbek-Gartenstadt und dem circa fünf Kilometern Luftlinie entfernten Marienkrankenhaus in Hohenfelde. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen die Basis für einen mehrmonatigen Erprobungsbetrieb schaffen.

Ziel von Medifly sei es, herauszufinden, ob der akute Transport medizinischer Gewebeproben mittels einer Drohne zuverlässig und sicher erfolgen kann, teilten die beteiligten Unternehmen mit. Solche Gewebeproben - sogenannte Schnellschnitte - würden oft im Rahmen medizinischer Eingriffe entnommen und müssen noch während der Operation durch einen Pathologen untersucht werden.

Flüge über Stadtgebiet müssen extrem zuverlässig sein

Da die Drohnenflüge über städtischem Gebiet und zudem innerhalb der Kontrollzone des Hamburger Flughafens stattfanden, mussten für die Erprobung jedoch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. So musste vor allem nachgewiesen werden, dass die automatisierten Flüge in dieser komplexen Umgebung sowie über bewohntem Gebiet und viel genutzten Verkehrswegen jederzeit sicher und zuverlässig durchgeführt werden können.

© dpa, Jens Wolf Lesen Sie auch: Millioneninvestition in Drohnen-Testzentrum am Flughafen Cochstedt

Für das Projekt Medifly haben sich das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung ZAL, Flynex, die GLVI Gesellschaft für Luftverkehrsinformatik und die Lufthansa Technik AG zusammengeschlossen. Als assoziierte Partner sind darüber hinaus die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sowie die beiden angeflogenen Krankenhäuser beteiligt.

"Um einen stabilen und vor allem sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten, bedarf es eines ausgeklügelten Betriebskonzepts", sagte Olaf Ronsdorf, Projektleiter bei Lufthansa Technik. "Dafür konnten wir im Rahmen von Medifly unsere vielfältige Erfahrung aus der bemannten Luftfahrt einbringen. Wir freuen uns, so auch neue Möglichkeiten für zukünftige unbemannte Lufttransportlösungen zu erschließen."

"ProGeDa" - das Drohnenprojekt von Wingcopter und Merck

Die Transport-Drohne für die Merck-Werklogistik mit Kipprotoren Foto: © Wingcopter GmbH

Der zweite Erstflug fand innerhalb des Projektes "ProGeDa – Probentransport zwischen Gernsheim und Darmstadt". Hierbei haben sich die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), Merck und der Drohnen-Hersteller Wingcopter zusammengeschlossen, um den Einsatz von Lieferdrohnen in der standortübergreifenden Werkslogistik zu testen.

Dabei sollen Pigmentproben mit einer Spezialdrohne aus dem Merck-Werk Gernsheim zum Labor im rund 25 Kilometer entfernten Darmstadt geflogen werden, wo sie zur Sicherstellung der Qualität im laufenden Produktionsprozess analysiert werden müssen. Bislang übernimmt den Transport ein Kleintransporter, der zweimal werktags die Strecke zwischen den Werken befährt. Gestern fand der offizielle Drohnen-Erstflug erfolgreich statt.

Die Drohne in Darmstadt hat Kipprotoren für den Reiseflug

Kernaufgabe des Projekts "ProGeDa" sei es, den Drohnentransport werksübergreifend zu evaluieren und daraus ein langfristiges Geschäftsmodell zu entwickeln, teilte die beteiligten Unternehmen und die Uni mit. Dabei würden vor allem die Aspekte Zeitersparnis, Nachhaltigkeit, Kosten und Flexibilität berücksichtigt.

Wingcopter als Drohnenhersteller sei für das Projekt ausgewählt worden, da seine Drohnen alle Eigenschaften für den Luftfrachtverkehr zwischen zwei oder mehreren Werken aufweisen: Sie könnten auf kleinstem Raum senkrecht starten und landen, dank ihres Schwenk-Rotor-Mechanismus aber auch größere Strecken deutlich effizienter, schneller und leiser zurücklegen als herkömmliche Multicopter.

© Adobe Stock Nr. 191661440, Lesen Sie auch: NRW-Justizminister fordert Geofencing-Verpflichtung für Drohnen

Im Mittelpunkt des Projekts stehe die Bestimmung einer optimalen Route zwischen den beiden Standorten unter Berücksichtigung verschiedenster Rahmenbedingungen wie Luftfahrtrecht, Umweltschutz, geeignete Start- und Landeflächen, Bodenprozesse und Kosten. Die drei Kooperationspartner gehen davon aus, dass sich der Transport per Drohne nicht nur als schneller und nachhaltiger, sondern auch als kostengünstiger und flexibler erweisen werde.

Der Erstflug nach Darmstadt sei der erste in Deutschland genehmigte Drohnen-Flug "beyond visual line of sight" (BVLOS) gewesen. Und das in einer Metropolregion und damit über Strom- und Zugtrassen, Autobahnen und Bundesstraßen sowie Produktionsinfrastruktur hinweg, wie die Verantwortlichen stolz mitteilten.

Von: dk

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