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Flugzeuge von Cityjet und Air Nostrum. © AirTeamImages.com / Simon Willson, Jesus Moreno

Die Carrier Cityjet und Air Nostrum wollen eine gemeinsame Unternehmensgruppe gründen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde nun unterzeichnet. Die erforderlichen behördlichen Genehmigungen habe man bereits beantragt, teilten die beiden Airlines mit. Die Holding solle mit einer Flotte von knapp 100 Flugzeugen der größte europäische Verbund für Regionalflüge werden.

Beide Gesellschaften werden ihre bisherigen Marken beibehalten, erklärte ein Cityjet-Sprecher auf Anfrage von airliners.de. Die Holding selbst werde einen eigenen Namen erhalten, über den noch nicht entschieden sei.

Externe Geldgeber nicht eingeplant

Noch nicht festgelegt sei auch, wie viele Anteile die Partner jeweils bekommen. Der Sprecher erklärte nur, es werde für Cityjet ein "beträchtlicher Anteil" sein.

In der Holding sollen externe Geldgeber offenbar zunächst keine große Rolle spielen. Zumindest Cityjet wolle keine Unternehmensanteile verkaufen, hieß es. Zugleich sagte Cityjet-Chef Pat Byrne jedoch, die Wachstumspläne der neuen Holding könnten attraktiv für Finanzinvestoren sein, berichtet die "Irish Times".

Beide fliegen für große Konzerne

Beide Unternehmen sind bislang konzernunabhängig, auch wenn sie im Auftrag großer Airline-Gruppen fliegen. Die spanische Air Nostrum betreibt seit über 20 Jahren als Franchise-Unternehmen das Regionalflugprogramm von Iberia. Je zwei von derzeit 46 Maschinen fliegen außerdem im Wet-Lease für Binter Canarias, Croatia Airlines, Lufthansa und SAS. Airline-Gründer Carlos Bertomeu ist mit gut 53 Prozent Mehrheitseigner.

Bei Cityjet spielt ebenfalls der Gründer Pat Byrne seit 2016 wieder eine führende Rolle. Zuvor gehörte der Carrier zu Air France/KLM und später der Intro Aviation Group von Luftfahrtinvestor Hans Rudolf Wöhrl. Byrne übernahm ihn dann wieder zusammen mit einem Konsortium. Die Geldgeber des Konsortiums wurden bislang nicht öffentlich gemacht.

Cityjet fliegt im Wet-Lease für SAS, Air France und Brussels Airlines, bietet aber auch Verbindungen unter eigener Marke an. Die Flotte umfasst derzeit 44 Flugzeuge.

Trend zu Outsourcing im Regionalverkehr

Beide Airline-Gründer machten deutlich, worauf ihre Partnerschaft zielt: "Europa erlebt eine erhebliche Ausweitung von Wet-Lease-Verträgen", sagte Bertomeu. Mit vereinten Kräften wolle man eine umfassendere und kostengünstigere Lösung für die großen Airlines bieten, ihre Regionalflüge auszulagern.

"Wir betreiben beide große Flotten von Bombardier CRJ 900 und 1000, die eine stabile und wirtschaftliche Plattform und ideal für Wet-Leases sind", ergänzte Byrne. Laut Presseberichten hatte Cityjet zuletzt allerdings massive Probleme mit den neuen Sukhoi Super Jets, die für Brussels Airlines im Einsatz sind.

Nach eigenen Angaben haben die Partner derzeit einen gemeinsamen Umsatz von fast 700 Millionen Euro. Eine Steigerung auf eine Milliarde in zwei oder drei Jahren sei "nicht überambitioniert", so Byrne.

Konsolidierungsdruck wächst

Der Zusammenschluss der Regionalcarrier fügt sich nach Ansicht von Marktbeobachtern in das Bild einer zunehmenden Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt. "Die Marktbedingungen sind in den vergangenen Monaten herausfordernder geworden, vor allem für kleinere Carrier ohne Skaleneffekte", erklärte Analyst Sebastian Zank von Scope Ratings.

Er verweist auf einen Anstieg des Ölpreises um 48 Prozent binnen zwölf Monaten, die Überkapazitäten im Flugmarkt und den "gnadenlosen Wettbewerb" durch Low-Cost-Carrier. Auch die Konzentration bei den Flugzeugbauern mache Großbestellungen immer notwendiger. "Eine Verdrängung kleinerer Airlines und weitere Konsolidierung scheint unausweichlich", so Zank.