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Flugzeuge der Air Berlin und der Lufthansa am Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com / TT

Neue Details zum Verkaufsprozess um Air Berlin: Die Lufthansa hat für die Air-Berlin-Töchter Niki und Luftverkehrsgesellschaft Walter sowie weitere Maschinen geboten, wie die insolvente Fluggesellschaft am Montag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats bekannt gab. Easyjet wolle ebenfalls einen Teil der Flotte übernehmen.

Der Air-Berlin-Aufsichtsrat stimmte dem Plan zu, über den Verkauf des Fluggeschäfts weiter mit der Lufthansa und dem Billigflieger Easyjet als "als ausgewählte Bieter" zu verhandeln. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es. Zudem sollen auch weitere Teilverkäufe möglich sein.

Lufthansa will den Angaben nach die 35 Flugzeuge der Air-Berlin-Töchter Niki und die 20 Maschinen der LGW sowie 13 weitere Mittelstreckenjets der Air Berlin. Easyjet möchte 30 Airbus-Mittelstreckenflieger, mit denen der Billigflieger vor allem von Berlin aus fliegen wolle. Noch gebe es Schnittmengen, sagte Air Berlins Generalbevollmächtigter Frank Kebekus. Sollten noch Flugzeuge übrigbleiben, werde möglicherweise noch mit dem Ferienflieger Condor verhandelt, sagte Winkelmann.

Damit stellte sich der Aufsichtsrat hinter die Entscheidungen der vorläufigen Air-Berlin-Gläubigerausschüsse vom Donnerstag. Den Angaben nach habe es insgesamt rund 70 Interessensbekundungen für Air Berlin gegeben, bis zum Ende der Bieterfrist seien 16 Angebote eingegangen.

Die Air-Berlin-Flotte

Flugzeuge der Air Berlin stehen auf dem Rollfeld des Flughafens Berlin-Tegel. Foto: © dpa, Wolfgang Kumm

Air Berlin hat ihre Flotte in den vergangenen Jahren immer wieder umgebaut. Alle Flugzeuge sind geleast. Dazu hat Air Berlin Leasingverträge mit rund zwei Dutzend Leasinggebern vereinbart. Interessent für die Bieter ist daher nicht der Wert der Flugzeuge, sondern einzig der schnelle Zugriff auf die Maschinen samt Crews.

Zum Ende des ersten Quartals 2017 hatte sie 144 Flugzeuge im Betrieb und war damit die Nummer zwei in Deutschland. Nach der im August festgestellten Insolvenz ergibt sich folgendes Bild:

35 Flugzeuge sind für Touristikflüge in die österreichische Touristik-Tochter Niki ausgegliedert, die nicht von der Insolvenz betroffen ist. Dazu gehören 14 Boeing 737, die vom Touristikanbieter Tuifly betrieben werden. Ein neuer Eigentümer von Niki müsste sich mit Tuifly über die Zukunft dieser Teilflotte einigen.

38 Flugzeuge der Airbus-A320-Mittelstreckenfamilie sind für sechs Jahre an den Lufthansa-Konzern mit seinen Töchtern Austrian und Eurowings verleast worden. Die Flugzeuge gehören zumeist schon der Lufthansa oder sind von ihr bei den Leasinggesellschaften angemietet. Die Crews der Air Berlin will der Lufthansa-Konzern weitgehend übernehmen.

Von den einstmals 17 Langstreckenflugzeugen wurden am Wochenende zehn an den irischen Leasinggeber Aer-Cap zurückgegeben. Auch für die übrigen sieben Langstrecken-Airbus-Jets gibt es kein Gebot. Air Berlin stellt nun alle Langstrecken ein.

Zur Flotte von Air Berlin gehören zudem 20 Turbopropflugzeuge vom Typ Bombardier Dash 8Q-400. Sie werden von der Tochter Luftfahrtgesellschaft Walter betrieben und mit ihren 74 Sitzen vor allem im Regionalverkehr eingesetzt. Somit besteht die restliche Air-Berlin-Flotte aus 34 Maschinen, es handelt sich dabei um Maschinen der A320-Familie.

Verhandlungen noch bis Mitte Oktober

Insolvenz-Sachverwalter Lucas Flöther, Thomas Winkelmann (CEO Air Berlin) und Frank Kebekus (Generalbevollmächtigter). Foto: © dpa, Paul Zinken

Wie Air Berlin mitteilte, sollen die Verhandlungen mit den ausgewählten Bietern noch bis zum 12. Oktober dauern. Experten gehen allerdings davon aus, dass noch bis zu drei Monate vergehen könnten, bis die Wettbewerbsbehörden die Verträge prüfen. Zudem könnten Klagen das Verfahren verlängern.

Laut eines Schreibens des Generalvollbemächtigten Frank Kebekus, das airliners.de vorliegt, muss die EU die Ergebnisse der Verkaufsverhandlungen prüfen. Dies könne zwischen 25 Arbeitstagen (Phase-Eins-Übernahme) und sechs Monaten (Phase-Zwei-Übernahme) in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit gelte das sogenannte Vollzugsverbot, sodass Air Berlin noch keine neuen Kooperationen eingehen dürfe.

Deal noch nicht gesichert

Für die Liquiditätssicherung in November und Dezember werden daher bereits jetzt Finanzierungszusagen von den Bietern erwartet. Lufthansa will Medienberichten zufolge 100 Millionen dafür lockermachen. Der staatliche Überbrückungskredit gilt nur bis maximal Ende Oktober. Auf diesem Darlehen fußt auch der dem Luftfahrt-Bundesamt vorgelegten Finanzplan, weswegen Air Berlin nicht gegroundet ist.

"Wir sind sicher, dass wir den Flugbetrieb in den nächsten Wochen aufrechterhalten können", sagte Winkelmann jetzt. Eine entscheidende Frage in den Verkaufsverhandlungen sei deshalb, wie man die Zeit ab Beginn des Winterflugplans Ende Oktober finanziere. Bis zum Jahresende soll die Aufteilung abgeschlossen sein.

Aufatmen können wir erst, wenn die EU-Kommission die Transaktionen final bestätigt hat.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Entsprechend warnte der Air-Berlin-Chef jetzt, aufatmen könne man erst, wenn die EU-Kommission die Transaktionen final bestätigt habe. Nur Dank der schnellen Überbrückungshilfe der Bundesregierung sei Air Berlin noch in der Luft. "Andernfalls hätten wir am Wochenende 12./13. August 2017 die Flotte grounden müssen."

"Ein Grounding der insolventen Airline ist noch nicht vom Tisch", schätzt derweil Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne die Lage ein. Die Verhandlungen könnten sich "ziehen und hinschleppen, auch durch Klagen von unterlegenen Bewerbern oder Gewerkschaften". Dann bestünde die Gefahr, dass das Geld ausgeht und die Betriebsgenehmigung erlöscht. Die ersten unterlegenden Bieter hatten bereits Klagen angekündigt. Die Gewerkschaften dringen zudem darauf, dass die neuen Eigentümer auch die Beschäftigten übernehmen.

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: Gewerkschaften fordern Betriebsübergänge bei Air-Berlin-Aufteilung

Bis zu 350 Millionen Euro Erlös erwartet

Wenn die Abschlüsse wie geplant finalisiert werden, bestünde "eine gute Chance", den KfW-Kredit zurückzuzahlen, teilte Air Berlin mit. Ein Gelingen des Verkaufs liegt derweil auch im Interesse des Steuerzahlers. Nach Medieninformationen könnte der Air-Berlin-Verkauf genug Geld in die Kasse bringen, um den staatlichen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen. Der Gläubigerausschuss geht von Gesamteinnahmen zwischen 250 und 350 Millionen Euro aus, wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Air-Berlin-Pleite: Ursachen und drohende Probleme Apropos (19)

Dabei macht die staatliche Förderbank KfW einem weiteren Zeitungsbericht zufolge ordentlich Gewinn. Die Verzinsung pro Jahr betrage elf Prozent, die zusätzliche Bearbeitungsgebühr für die 150 Millionen Euro eine Million Euro, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf informierte Quellen.

Easyjet will wohl innerdeutsch groß einsteigen

Wie die "Rheinische Post" berichtete, müsse zudem noch ein Streit zwischen Lufthansa und Easyjet um Flugrechte in Düsseldorf beigelegt werden. Im Umfeld des Gläubigerausschusses heiße es, der britische Billigflieger wolle nicht nur seine Präsenz in Berlin erhöhen, sondern auch in der NRW-Landeshauptstadt relativ viele Slots übernehmen. Lufthansa wolle aber nicht auf alle diese Routen verzichten. Es gehe um wichtige Strecken etwa nach München oder Hamburg.

Für den Kauf der Technik-Sparte der Air Berlin rechnet sich das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht gute Chancen aus. Die Bieterfrist für Air Berlin Technik war bis zum 6. Oktober verlängert worden. Denn: "Zuerst müssen die an der Air Berlin Technik interessierten Investoren Klarheit über die Entwicklungen der Airline haben, um sich dann detaillierter mit der Air Berlin Technik beschäftigen und ein passgenaues Angebot abgeben zu können", hieß es.

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