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Zur Lage der Lufthansa: Ein Trauerspiel

Die Zukunft der Lufthansa sieht düster aus: Die Staats-Milliarden haben nur eine begrenzte Halbwertszeit. Die Handlungsoptionen, um die Pleite zu verhindern, sind übersichtlich, kommentiert Lisa Schmelzer.

Flugzeuge der Lufthansa stehen während Corona eingemottet am spanischen Flughafen von Teruel. © AirTeamsImages.com / Carlos Enamorado

Die Rechnung ist schnell gemacht: Die Lufthansa verbrennt aktuell 500 Millionen Euro monatlich und hat ein staatliches Hilfspaket von insgesamt neun Milliarden Euro zur Verfügung. Das Geld reicht also für 18 Monate - maximal.

Denn noch nicht eingerechnet ist, dass sich das Geschäft angesichts steigender Corona-Infektionszahlen weiter verschlechtern könnte, weil es nach und nach wieder mehr Reisebeschränkungen gibt. Ebenfalls noch nicht einkalkuliert ist, dass Ende nächsten Jahres das Kurzarbeitsreglement endet, was die Personalkosten deutlich ansteigen lässt. Auch die nun geplanten Kündigungen würden den Aufwand zunächst einmal erhöhen.

Die Lufthansa selbst rechnet damit, dass sich die Passagierzahlen frühestens 2025 erholt haben werden und hinter der Erlös- und Ergebnisentwicklung selbst dann noch ein dickes Fragezeichen steht. Bis dahin sind es indes noch mehr als 18 Monate, und der Lufthansa könnte in der Zwischenzeit das Geld ausgehen.

Die Handlungsoptionen, um dies zu verhindern, sind übersichtlich. Weitere staatliche Hilfe wird das Management der Fluglinie möglichst nicht in Anspruch nehmen wollen, denn dann dürfte der Staat auf einer deutlich höheren Beteiligung an der Lufthansa bestehen.

Einen spendablen Großaktionär wie etwa der Konkurrent IAG, dessen Anteilseigner aus Katar gerade eine milliardenschwere Kapitalerhöhung absicherte, hat die deutsche Fluggesellschaft nicht. Die Einnahmen durch die nun geplanten Verkäufe von Unternehmensteilen könnten angesichts der Krise der Luftfahrtbranche ebenfalls hinter den Erwartungen zurückbleiben.

© Lufthansa, Oliver Roesler Lesen Sie auch: Spohr stimmt Lufthansa-Mitarbeiter auf weitere Einschnitte ein

Letzte Möglichkeit: Schutzschirmverfahren

Bliebe das immer wieder durchgespielte Szenario eines Schutzschirmverfahrens. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde das zwar diskutiert, aber verworfen, da man befürchtete, durch die entstehende Unsicherheit viele Kunden zu vergraulen. Doch mittlerweile fliegt sowieso nur noch, wer unbedingt muss, so dass ein solches Verfahren wieder in den Bereich des Möglichen gerückt ist.

Alles in allem ist das Kapitel Lufthansa in der Coronakrise ein Trauerspiel. Ein Unternehmen, das zwar ein paar Makel hatte, aber in seinen Grundstrukturen noch Anfang des Jahres pumperlgesund war, führt nur wenige Wochen später einen Überlebenskampf. Eine Besserung ist mittelfristig nicht in Sicht. Langfristig wird der Luftverkehr wieder anziehen, und Lufthansa könnte dann in verschlankter Form zu denen gehören, die gestärkt aus dieser Krise fliegen. Aber erst einmal muss die Firma überleben.

© Börsen Zeitung

Über die Autorin

Lisa Schmelzer ist Redakteurin der Börsen-Zeitung. Für die einzige reine Finanzzeitung Deutschlands berichtet sie über die Luftverkehrs- und Touristikbranche. Kontakt

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