Zahl der Spätlandungen in Frankfurt 2018 deutlich angestiegen

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Über 1000 Mal sind im vergangenen Jahr Flüge nach Betriebsschluss des Airports in Frankfurt gelandet. In erheblichem Maße dafür verantwortlich ist nach airliners.de-Informationen Ryanair.

Flughafen Frankfurt bei Nacht: Blick aus einem A340-Cockpit. © AirTeamImages.com / Felix Gottwald

Die Zahl der Landungen nach Betriebsschluss am Frankfurter Flughafen ist im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent nach oben gegangen. Wie aus Daten des Hessischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht, die airliners.de auswertete, waren es 2018 1046 Landungen zwischen 23 und 24 Uhr - im Jahr zuvor noch 704. Das Plus von 48,6 Prozent beruht dabei vor allem auf den gestiegenen Zahlen in den Sommermonaten 2018.  

Verspätete Landungen nach Monaten
2016 2017 2018
Januar 5 19 27
Februar 5 15 26
März 21 16 57
April 15 33 72
Mai 59 58 185
Juni 90 76 203
Juli 85 112 159
August 45 74 124
September 47 105 89
Oktober 54 85 63
November 21 45 19
Dezember 22 66 22

Quelle: Hessisches Wirtschaftsministerium

Während die Werte zu Beginn des Sommerflugplans um über 250 Prozent anstiegen, waren sie ab September sogar wieder rückläufig. Im Dezember gingen die verspäteten Landungen sogar um fast 67 Prozent von 66 (2017) auf 22 (2018) zurück und erreichten damit erneut den Wert vom letzten Monat 2016.  

Ryanair dominiert Ranking

Rund ein Drittel aller Landungen zwischen 23 und 24 Uhr gehen 2018 zurück auf Ryanair. Die Iren landeten nach Berechnungen von airliners.de auf Grundlage des von der Behörde ausgewiesenen Monitoring-Tools INAA zwischen Januar und Dezember 318 Mal zu spät. Auf den Plätzen dahinter folgen Condor (19,8 Prozent Anteil), Lufthansa (15,2 Prozent), Tuifly (10,8 Prozent) und Lauda Motion (6,9 Prozent). Insgesamt landeten 2018 24 Airlines nach 23 Uhr in Frankfurt.

Dabei war in fast allen Monaten Ryanair im Vergleich zu den Konkurrentinnen Spitzenreiterin bei der Zahl der Spätlandungen: In neun von zwölf Monaten gehen die meisten Landungen nach Betriebsschluss in Frankfurt auf das Konto der Iren.

Verspätete Landungen 2018
Ryanair Condor Lufthansa Tuifly Lauda Motion Übrige Airlines
Januar 59.3 7.4 3.7 0 0 29.6
Februar 34.6 15.4 11.5 15.4 0 23.11
März 49.1 15.8 12.3 5.3 3.5 14
April 50 15.3 16.7 5.6 1.4 11.1
Mai 29.2 28.6 17.3 9.7 4.3 10.8
Juni 25.1 30 13.8 11.3 6 13.3
Juli 31.4 9.4 17.6 13.8 7.5 20.1
August 28.2 20.2 16.1 11.3 9.7 14.5
September 22.5 12.4 15.7 12.4 14.6 22.5
Oktober 19 19 11.1 11.1 17.5 22.2
November 5.3 10.5 10.5 21.1 0 52.6
Dezember 27.3 9.1 22.7 13.6 0 27.3

"Übrige Airlines" sind insgesamt 19 Stück. Quelle: INAA, eigene Recherche

Lediglich im November wurden sie (5,3 Prozent) mit deutlichem Abstand von Tuifly überholt (21,1 Prozent). Im Juni sorgte Condor für die meisten Spätlandungen (30,0 Prozent). Und im Oktober liegen die deutsche Thomas-Cook-Tochter und Ryanair mit 19 Prozent gleichauf.

Condor gründete eigene Taskforce

Condor hatte im Sommer wegen des hohen Juni-Werts eine Taskforce gegen die Verspätungen gegründet. "Wir konnten mit der Verschiebung von insgesamt elf Flügen, der Anpassung von Prozessen und vor allem einer hohen Sensibilisierung im gesamten Unternehmen und bei Dienstleistern eine signifikante Verbesserung erzielen", sagte Airline-Chef Ralf Teckentrup damals zu airliners.de.

Mehrere Medien hatten damals berichtet, dass gegen den deutschen Thomas-Cook-Carrier in mehreren Fällen Verfahren eröffnet wurden. Dem ist laut der Airline nicht so - in lediglich einem Fall habe man mehrere Fragen beantworten müssen, heißt es auf Anfrage.

Bundesrat für leichtere Bußgeldverfahren

Denn die gestiegenen Werte bedeuten nicht automatisch, dass die Airlines mit Sanktionen rechnen müssen. Landungen nach dem Betriebsschluss um 23 Uhr und vor dem fünfstündigen Nachtflugverbot um Mitternacht sind in Frankfurt nicht verboten.

Sie unterliegen laut des Planfeststellungsbescheids lediglich einer strengen Kontrolle. So darf die Zahl der Landungen zwischen 23 Uhr und Mitternacht auf das ganze Kalenderjahr gerechnet täglich nicht den Wert 7,5 überschreiten.

Erst wenn dieser Wert rein rechnerisch überschritten wird, kann das Verkehrsministerium beim Regierungspräsidium die Überprüfung beantragen. Beispielsweise muss sichergestellt sein, dass eine Airline ihre Umläufe nicht so legt, dass mit Landungen nach 23 Uhr zu rechnen ist.

Jahr Durchschnittliche Zahl der Spätlandungen (pro Tag)
2016 1,3
2017 1,9
2018 2,9
Quelle: eigene Berechnung

Gleichzeitig treibt die hessische Landesregierung in diesem Punkt eine Reform des Luftverkehrsgesetzes voran. Das Land hatte Ende September einen Änderungsantrag im Bundesrat eingebracht. Die Länderkammer sprach sich Ende Oktober dafür aus, dass die Verkehrsministerien einfacher Bußgelder gegen Airlines verhängen können, die die Nachtruhe missachten.

Von: cs

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