US-Produktion von Airbus zunächst von Strafzöllen ausgenommen

Nach der Ankündigung von Strafzöllen auf Airbus-Flugzeuge, dringen US-amerikanische Airbus-Großbesteller wie Delta Airlines darauf, künftig möglichst viele Flugzeuge aus der Endfertigung in Alabama zu erhalten. Deren Kapazitäten sind jedoch begrenzt.

Übergabe des ersten in den USA zusammengebauten Airbus A321 an Jetblue am Airbus-Werk Mobile (Alabama) im April 2016. © dpa / Airwind Creative/Airbus

Das Streitbeilegungsgremium der Welthandelsorganisation WTO hat die Billigung von US-Strafzöllen gegen Flugzeugimporte aus der EU bestätigt. Dies wurde am Rande von Beratungen des Dispute Settlement Body (DSB) in Genf bekannt. Damit wurde eine WTO-Entscheidung von Anfang Oktober bekräftigt und formell bestätigt.

Hintergrund sind US-Vorwürfe wegen europäischer Staatsbeihilfen für die heimische Flugzeugindustrie, insbesondere für Airbus. Die USA hatten auf Grundlage der WTO-Entscheidung bereits angekündigt, ab Freitag auf Flugzeugimporte aus der EU Strafzölle in Höhe von zehn Prozent zu erheben.

Die EU-Kommission will die US-Strafzölle noch abwenden. "Bis zur allerletzten Stunde werden wir die Amerikaner weiter drängen, die Zölle einzufrieren", sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström in Brüssel. Dafür blieben der EU noch vier Tage, fügte sie hinzu. Malmström sagte, sie habe den US-Außenhandelsbeauftragten Robert Lighthizer erst kürzlich in einem Schreiben darauf hingewiesen, "dass die USA zwar befugt sind, Zollsanktionen zu verhängen, dies aber nicht bedeutet, dass sie dies auch tun müssen."

Ein Revanche-Zoll würde die derzeitige US-Regierung nicht zwangsläufig an den Verhandlungstisch bringen

Die Europäische Union setzt in dem Konflikt also auf Verhandlungen mit den USA. Dabei dürfte auch eine im kommenden Jahr erwartete WTO-Entscheidung eine Rolle spielen, bei der es umgekehrt um europäische Vorwürfe wegen Staatsbeihilfen an US-Flugzeughersteller geht.

Allerdings hat die Trump-Regierung in der Vergangenheit eine gewisse Lust an der Eskalation der Handelsstreitigkeiten mit vornehmlich China und Europa erkennen lassen. Trump hat wiederholt klargemacht, dass er Zölle für ein probates Mittel hält, um die amerikanische Handelsbilanz ausgeglichener zu gestalten. Die (Wirtschafts-)Politik des maximalen Drucks könnte das Weiße Haus von einem Einlenken abhalten, auch wenn die Europäer im kommenden Jahr nach einem entsprechenden WTO-Urteil einen Revanche-Zoll auf Flugzeuge erheben.

Die amerikanischen Einfuhrzölle in Höhe von zehn Prozent könnten also noch eine Weile Bestand haben, was wiederum die Airbus-Endmontagelinie in Mobile, Alabama zum Standort der Stunde beim europäischen Flugzeugbauer machen könnte. Seit fünf Jahren werden in dem Südstaat Maschinen aus der A320-Familie produziert. Derzeit fünf pro Monat, im kommenden Jahr sollen es sechs sein. Zudem beginnt derzeit die Produktion von A220 für den US-Markt, die sich bis Mitte der 2020er Jahre bei 40 bis 50 Flugzeugen pro Jahr einpendeln soll. Denn um heimische Arbeitsplätze nicht zu gefährden, erheben die USA weder auf die aus Europa angelieferten Teile noch auf die fertigen Flugzeuge aus Mobile Zölle, wie der Airbus-Sprecher in den USA, Clay McConnell, gegenüber Forbes bestätigte: "Die Produktionsstätte von Airbus in Mobile ist in ihrer jetzigen Form von den Zöllen zunächst nicht betroffen."

Delta setzt auf Mobile

Airbus-Werk in Mobile, Alabama Foto: © Airbus

Vor allem die in Atlanta beheimatete Delta Airlines hat ein hohes Interesse, dass das auch so bleibt. Nach eigener Darstellung hat Delta derzeit bei Airbus rund 220 feste Bestellungen und Absichtserklärungen für Flugzeuge platziert. 180 davon betreffen die in Mobile produzierten Single-Aisle-Modelle. Nach der Ankündigung der Strafzölle in der vergangenen Woche machte die Airline umgehend klar, dass diese aus ihrer Sicht in erster Linie "den US-Airlines, den Millionen Amerikanern, die für sie arbeiten, und der noch größeren Zahl an Passagieren schaden."

Abhilfe soll das amerikanische Airbus-Werk schaffen. "Sicherlich wird Mobile für uns in Zukunft sehr wichtig sein", sagte der Delta-Vorstandsvorsitzende Ed Bastian in der vergangenen Woche bei einem Call zu den Quartalszahlen. Es sei nun ein Schwerpunkt der Inlandsstrategie des US-Branchenriesen, sowohl die bestellten 130 A321 als auch die 70 A220 über Mobile zu beziehen, da Airbus die Produktionskapazitäten weiter ausbaue, sagte Bastian. Mit Bezug auf die Widebody-Bestellungen (31 A330 Neo und 16 A350-900) führte Bastian aus, dass man alle Optionen prüfe, jede Erhöhung der Preise, die man bereits mit Airbus ausgehandelt habe, verhindern zu können. Wie das funktionieren könnte, führte der Delta-Chef jedoch nicht aus.

Das finanzielle Interesse von Delta und anderen US-Airlines, dass die Zölle nicht langfristig erhoben werden, ist jedenfalls überragend. Bei Listenpreisen von rund 130 Millionen Dollar für eine A321 Neo und 320 Millionen für eine A350-900, summieren sich Preisaufschläge von zehn Prozent bei größeren Bestellungen schnell auf mehrere hundert Millionen Dollar. Nicht nur Delta, auch die anderen großen und mittelgroßen Fluggesellschaften in den Vereinigten Staaten haben große Orders bei Airbus offen. Vielfach sind wesentlich mehr Flugzeuge bei den Europäern bestellt als bei Boeing, was auch im Weißen Haus registriert worden sein dürfte.

Standort in Alabama wurde gerade erst ausgebaut

Vor allem die A320-Familie hat Boeings 737 auch schon vor der Max-Krise teilweise den Rang in den USA abgelaufen. Insgesamt erwarten allein Delta, American Airlines, United Airlines, Jet Blue, Frontier Airlines und Spirit Airlines nach eigenen und nach Angaben von Airbus rund 550 A320 und A321, hauptsächlich in den Neo-Varianten. Schon alleine damit wäre die Endfertigung in Mobile bei der derzeitigen Produktionsrate rund zehn Jahre beschäftigt. Auch in Zukunft werden die US-Airlines also Single-Aisle-Maschinen aus Hamburg und Toulouse beziehen müssen, wenn sich die Liefertermine nicht immer weiter nach hinten verschieben sollen.

Oder Airbus fährt die Produktionskapazitäten in Alabama massiv hoch. Dazu müsste die Infrastruktur vor Ort jedoch weiter ausgebaut werden. Gerade erst wurde das Werk für die A220-Endmontagelinie erweitert. Auch hat Airbus derzeit Probleme, die selbstgesteckten Ziele in der A320-Produktion in Hamburg zu erreichen. Laut dem Hersteller sorgen der Trend hin zur größeren A321 und die neuen "Cabin Flex"-Einrichtungen für zusätzliche Arbeiten, die es in den Griff zu bekommen gilt. Auch soll das Werk im chinesischen Tianjin laut Süddeutscher Zeitung eigentlich zuerst ausgebaut werden, da Airbus-Vorstandschef Guillaume Faury hier das größte Potenzial für künftige Bestellungen sieht.

Von: dk

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