Wizz Air wächst weiter wie wild

Der ungarische Billligflieger Wizz Air vermeldet stark steigende Passagierzahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres. Ebenso sind Umsatz und Gewinn im Plus, allerdings steigen auch die Kosten. Die Zahlen im Detail.

Flugzeuge der Wizz Air © Wizz Air

Wizz Air kann für das erste Quartal seines Geschäftsjahres gute Zahlen vorlegen. Wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht, hat der Billigflieger in den Monaten April, Mai und Juni insgesamt 10,4 Millionen Passagiere transportiert, was einem Zuwachs von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Der Umsatz lag mit 691 Millionen Euro sogar um mehr als ein Viertel über dem Vergleichszeitraum. Auch das operative Ergebnis konnte Wizz Air steigern, und zwar um gut 22 Prozent auf 187 Millionen Euro.

Ticketumsatz wird weniger wichtig

Beim Umsatz sticht heraus, dass die Zahlen für sogenannte Ancillary-Verkäufe, also alles, was nicht das eigentliche Flugticket ist, mit 41 Prozent im Plus liegen. Der Umsatz mit Tickets ging "nur" um gut 15 Prozent auf rund 379 Millionen Euro hoch. Der Ancillary-Umsatz lag im ersten Quartal bei knapp 312 Millionen Euro. Das heißt, dass auf den Gesamtumsatz von 691 Millionen Euro gerechnet das Verhältnis von Ticketerlösen zu Zusatzeinnahmen bei etwa 55 zu 45 Prozent liegt.

Auf den einzelnen Fluggast gerechnet konnte der Billigflieger insgesamt 66,70 Euro an Umsatz verbuchen, eine Steigerung von 4,4 Prozent. Um den gleichen Prozentsatz fiel auch der Ticket-Umsatz pro Passagier auf 36,60 Euro. Die Steigerung der Verkäufe von zusätzlichen Angeboten pro Passagier betrug dagegen 17,7 Prozent auf nun knapp über 30 Euro. Davon entfallen gut 5,50 Euro auf Gepäck und der Rest auf sonstige Angebote. Laut Airline ist der starke Anstieg vor allem auf die Einführung einer neuen Handgepäck-Richtlinie zurückzuführen.

Kosten steigen in ähnlichem Maße

Während die Erträge steigen, gehen allerdings auch die Kosten der Billig-Airline in die Höhe. So stiegen die operativen Kosten im ersten Quartal um über 25 Prozent auf fast 600 Millionen Euro. Das Plus geht laut Wizz Air zum größten Teil auf die Kapazitätsausweitung zurück.

Daneben seien vor allem höhere Treibstoffpreise für die steigenden Ausgaben verantwortlich, da die Airline mit 639 US-Dollar im ersten Quartal 6,7 Prozent mehr pro Tonne Kerosin als im Vorjahreszeitraum habe zahlen müssen. Die Gesamtkosten für Sprit seien um fast 31 Prozent gestiegen, die für Personal um über 25 Prozent.

Bei den Ausgaben ragen Wartung und Reparatur mit einem Plus von fast 39 Prozent heraus. Die Airline führt diesen Anstieg auf das Timing von Wartungsereignissen zurück. Ausgaben für Distribution und Marketing stiegen laut Wizz Air um gut 13 Prozent. Kosten für Airports, Abfertigung und Flugsicherungsgebühren stiegen um knapp 22 Prozent.

Nach eigenen Angaben steht die Airline mit diesen Einnahmen und Kosten allerdings recht ordentlich da. Rechne man den Effekt der höheren Treibstoffpreise raus, so seien die Kosten pro angebotenen Sitzkilometer um 1,2 Prozent auf 2,27 Eurocent gesunken. Damit hat Wizz Air die selbst beeinflussbaren Kosten offenbar im Griff.

Operative Stabilität von 99,9 Prozent

Auch die operative Stabilität liegt bei Wizz Air im grünen Bereich. Die Airline berichtet von insgesamt 50 Flugstreichungen im gesamten ersten Quartal. Damit liege die Quote von gecancelten Flüge bei 0,1 Prozent. Die operativen Verbesserungen des letzten Jahres hätten gewirkt, so die Airline.

Christian Scherer von Airbus (links) und Wizz-Air-Chef József Váradi bei der Ausliferung des ersten Airbus A321 Neo. Foto: © Wizz Air

Klimaziele und der "game-changing" A321 Neo

Als Ausblick für die Zukunft weist Wizz Air auf die Optionen für 20 Airbus A321 XLR hin, die ab 2023 geliefert werden sollen. Die Flugzeuge bezeichnet der Billigflieger in ähnlicher Manier wie ein großer irischer Konkurrent als "game-changing".

Airbus und der US-amerikanische Airline-Investor Indigo Partners, der große Teile von Wizz Air hält, hatten auf der Paris Air Show im Juni ein Memorandum of Understanding verkündet, das 50 Flugzeuge des Typs A321 XLR umfasst. Von diesen Optionen sind 20 für Wizz Air vorgesehen.

Treibstoffeffizientere Maschinen sind für die Ziele, die CEO József Váradi anpeilt, auch dringend nötig. Die Gesellschaft will den CO2-Ausstoß pro Passagierkilometer bis 2030 um ein Drittel senken.

Aktuell betreibt Wizz Air eine Flotte aus 114 Airbus A320 und A321 mit einem Durchschnittsalter von 4,9 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr (102 Maschinen) ist die Flotte um knapp zwölf Prozent gewachsen. Die Airline bezeichnet sich als größten Low Cost Carrier in Zentral- und Osteuropa. Wizz Air flog 2018 über 34 Millionen Passagiere.

Von: hr

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