Wisag und Verdi streiten weiter um Tarifvertrag in Frankfurt

In den Tarifverhandlungen zwischen Verdi und dem Bodenverkehrsdienstleister Wisag in Frankfurt gehen die Vorstellungen zur Vertragslaufzeit extrem auseinander. Gleichzeitig wird an einem bundesweit einheitlichen Branchentarifvertrag gearbeitet.

Abfertigung eines Flugzeugs durch einen Mitarbeiter der Wisag © Wisag

In den seit Mitte Dezember laufenden Verhandlungen zu einem neuen Haustarifvertag für die Beschäftigten des Bodendienstleisters Wisag am Frankfurter Flughafen gibt es weiterhin keine Einigung. Vor allem der Streit um die Laufzeit verhindert offenbar ein Zusammenkommen der Tarifpartner.

In der zweiten Runde hat die Arbeitgeberseite für die Firmen Wisag Ground Service Frankfurt und Wisag Passage Service Frankfurt ein Angebot vorgelegt, das Verbesserungen bei Bezahlung und einigen Arbeitsbedingungen vorsieht und bis September 2026 gelten soll. Verdi lehnt die vorgeschlagene Laufzeit rundweg ab. Die Gewerkschaft will stattdessen eine Geltungsdauer bis Ende August diesen Jahres, also gut sechs Jahre weniger.

Mehr Geld und lange Laufzeit

Nach Angaben der Arbeitgeberseite umfassen die Eckpunkte des am Mittwoch vorgelegten Angebots Gehaltserhöhungen zwischen 92 und 240 Euro pro Monat, bessere Aufstiegsmöglichkeiten für die Mitarbeiter beim Geschäftsfeld Passage, eine unveränderte Wochenarbeitszeit von 40 Stunden sowie eine Koppelung der Entgelte an die Gehaltsentwicklung beim Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD).

Die vorgeschlagene lange Laufzeit begründet die Wisag wiederum damit, dass auch der vergleichbare Tarifvertrag für die Bodenverkehrsmitarbeiter, die direkt bei der Flughafenbetreiberfirma Fraport arbeiten, so lange laufe. Man wolle Planungssicherheit für Mitarbeiter und Unternehmen erreichen, heißt es.

Die Gewerkschaftsseite hält den Wisag-Vorschlag für eine Art "unmoralisches Angebot", wie Katharina Wesenick von der Verdi-Bundesfachgruppe Luftverkehr sagt. Die interne Beschlusslage schreibe vor, "dass seit Dezember 2018 kein Tarifvertrag länger als zum 31. August 2020 abgeschlossen werden darf." Davon könne nur unter ganz besonderen Umständen abgewichen werden, die im Falle von Wisag in Frankfurt nicht erfüllt seien, so Wesenick. Durch die von Wisag angestrebte lange Laufzeit würde das Zustandekommen des angestrebten Branchentarifvertrages gefährdet.

In einem Schreiben an die Beschäftigten, das airliners.de vorliegt, widerspricht Verdi der Darstellung der Wisag. Das Unternehmen wolle den Manteltarifvertrag verschlechtern und unter anderem Urlaubstage kürzen, Feiertagszuschläge reduzieren und längere Befristungen zulassen. Damit wolle Wisag die geforderten Gehaltserhöhungen quasi von den Beschäftigten selbst gegenfinanzieren lassen.

Beide Seiten streben Branchentarifvertrag an

Die Wisag hingegen sieht ihr Angebot als ein Schritt auf dem Weg zu dem angestrebten bundesweit allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag für die Bodenverkehrsdienstleister. Man unterstütze dieses Ziel, weshalb das Angebot bereits darauf ausgerichtet sei, heißt es vom Unternehmen.

"Wir haben Verdi ein äußerst angemessenes Angebot unterbreitet", sagt Michael Richter, Verhandlungsführer der Wisag. Man gehe mit dem Angebot an die Grenze des Machbaren. "Wir liegen bereits heute deutlich über dem Gehaltsniveau bei der Fraport-Tochter FraGround." Mit dem Angebot gleiche man die Arbeitsbedingungen in Frankfurt an, so Richter.

Für Verdi kommt wegen der Beschlusslage zur Laufzeitbegrenzung "eine Ankopplung an den TVÖD in einem Haustarifvertrag wie dem der Wisag in Frankfurt nicht in Frage", so Gewerkschafterin Wesenick.

Gehälter im Branchentarifvertrag könnte an TVÖD gekoppelt werden

Für einen möglichen Branchentarifvertrag schließt sie diese Option hingegen nicht aus. Es gebe hier allerdings noch keine Position der Bundestarifkommission Bodenverkehrsdienste, weil in den Verhandlungen zum Branchentarifvertrag die Gehaltshöhen noch nicht festgelegt seien.

Der TVÖD lauft zu August 2020 aus. Aus Branchenkreisen verlautete, Verdi wolle hier Stärke zeigen und deshalb keine längeren Laufzeiten oder vorzeitigen Festlegungen akzeptieren. Dem Schreiben an die Belegschaft in Frankfurt zufolge strebt die Gewerkschaft auch deshalb eine Laufzeit bis August an, um dann an mehreren Standorten gleichzeitig schlagkräftig zu sein.

Bevor es zu einem Branchentarifvertrag im Herbst kommen könnte, wird nämlich neben Frankfurt auch noch an einigen anderen deutschen Flughäfen verhandelt. Ab 14. Februar läuft beispielsweise die nächste Gesprächsrunde in Berlin. Auch hier ist bislang keine Einigung in Sicht.

Für Verdi sind in der Hauptstadt auch vor dem Hintergrund des voraussichtlichen Umzugs zum BER im Herbst längere Tariflaufzeiten als bis August 2020 nicht erstrebenswert. Falls der neue Airport tatsächlich aufmachen sollte, wäre die Situation vieler Arbeitnehmer schließlich eine gänzlich neue.

Hinzu kommt, dass die Gewerkschaft seit Herbst mit Frank Werneke einen neuen Chef hat, dessen Bekanntheit und Profil durchaus noch ausbaubar sind. Werneke und sein Team dürften also auch eher ein Interesse an einer öffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzung als an einer geräuscharmen Einigung haben.

Insgesamt sieht Verdi-Vertreterin Wesenick die Bemühungen um einen bracheneinheitlichen Tarifvertrag dennoch auf einem guten Weg: "Es ist der gemeinsame Wille der Sozialpartner, bis Ende August 2020 zu einem Abschluss zu kommen." Die Verhandlungen dauerten seit einem Jahr an und drehten sich derzeit vor allem um manteltarifliche Themen. So sei man sich insbesondere bei den Themen Arbeit und Arbeitszeiten, Urlaub und Urlaubsgrundsätze sowie Freistellung und Arbeitszeit weitestgehend einig.

Von: hr

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