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Wisag Ground Service Tegel beantragt Schutzschirmverfahren

Bodenverkehrsdienstleister Wisag beantragt für ihre Berliner Tochter das Schutzschirmverfahren. Das Management will ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Betroffen sind wohl 350 Mitarbeiter.

Fluggastbrücken am Airport Tegel. © dpa - Bildfunk / Paul Zinken

Der Bodendienstleister Wisag Ground Service Tegel (WGST), der am Flughafen Tegel aktiv ist, sucht angesichts der Corona-Pandemie Rettung in einem Schutzschirmverfahren. "In den kommenden drei Monaten wird das Management versuchen ein neues Geschäftsmodell für die WGST zu entwickeln mit dem Ziel, für einen Teil der Belegschaft eine Perspektive zu schaffen", teilte die Wisag-Gruppe auf Anfrage mit. Die Mitarbeiter erfuhren demnach am Freitag auf einer Betriebsversammlung in Berlin, dass der Antrag eingereicht worden sei.

Das Schutzschirmverfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig sanieren.

Verdi spricht von 350 Betroffenen

Der Gewerkschaft Verdi zufolge sind von dem Schritt rund 350 Beschäftigte betroffen. Verdi erwarte, dass die vereinbarten Tarifverträge umgesetzt würden. Angaben zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter machte die Gruppe dagegen nicht. Details könne man vorerst nicht nennen, da man erst am Anfang des Prozesses stehe.

© Wisag, Lesen Sie auch: Bodenabfertiger Wisag setzt in Berlin den Rotstift an

Hintergrund des Antrags seien der weltweit drastisch eingebrochene Luftverkehr und die geplante Schließung des Flughafens Tegel. Am 31. Oktober soll nach jahrelangen Verzögerungen der neue Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld in Betrieb gehen und Tegel wenige Tage später schließen.

Die Wisag hatte bereits vor zwei Wochen angekündigt, etwa 800 von 1500 Stellen bei den Berliner Gesellschaften abzubauen. Man wolle prüfen, mit dem Antrag auf ein Schutzschirmverfahren "zumindest einem Teil der betroffenen Mitarbeiter eine neue Perspektive zu geben", hieß es nun von dem Bodendienstleister. Der Betrieb werde bis auf Weiteres regulär fortgeführt.

AHS zog sich Ende 2019 aus Berlin zurück

Ende 2019 hatte sich auch der Bodenabfertiger AHS aus Berlin zurückgezogen. Von der Einstellung des operativen Betriebes waren rund 115 Mitarbeiter betroffen, wie AHS damals gegenüber airliners.de sagte. Als Gründe für das Ende in Berlin nannte AHS zuvorderst Kundeninsolvenzen. An der wirtschaftlichen Lage hätte auch die für Herbst geplante Eröffnung des BER nichts ändern können. Zu den Kunden in Berlin zählten unter anderem die Airlines Sun Express und Bulgaria Air, sowie bis vor einem Jahr Germania als größter Kunde.

Im Januar hatte die Berliner SPD gefordert, dass es wieder ein landeseigenes Unternehmen zur Gepäckabfertigung am neuen Flughafen geben soll. Erst 2008 wurde der damals landeseigene Abfertiger Globeground von der Berliner Regierungskoalition aus SPD und damaliger Linkspartei privatisiert. Nun will die SPD, dass mit der nächsten Lizenzvergabe in zwei Jahren die Flugabfertigung zurück in die Hand des Landes kommt. Dazu müssten die Berliner Flughafengesellschaft (FBB) entweder ein Abfertigungsunternehmen erwerben – oder gründen.

Von: dpa-AFX, br

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