airliners.de Logo

Wirtschaftsinstitut DIW für Teilprivatisierung des BER

Der neue Hauptstadtflughafen habe das Zeug, der ostdeutschen Wirtschaft einen Schub zu verleihen, sind Wirtschaftsexperten überzeugt. Die FBB könnte jedoch finanziell überfordert sein. Für das DIW sind private Investoren eine Option.

Tower des BER © airliners.de / Andreas Sebayang

Der BER ist fertig, doch startet unter schwierigen Rahmenbedingungen. Während die Corona-Krise weiter wütet, tun sich bei der Berliner Flughafengesellschaft FBB in der Planung für die kommenden Jahre große Finanzierungslücken auf. Unter Experten wächst die Sorge, dass der neue Flughafen nach über 20 Jahren Planungs- und Bautätigkeit sein Potenzial als wirtschaftlicher Standortvorteil für die Region Berlin-Brandenburg auf absehbare Zeit nicht voll entfalten kann.

Nun plädiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für eine Teilprivatisierung des BER. Eine Forderung, die bereits in der Vergangenheit des öfteren ins Spiel gebracht wurde, von der FBB und der Politik im vergangenen Jahrzehnt jedoch stets ausgeschlossen wurde.

Der Bau des neuen Flughafens habe gezeigt, "dass der Staat nicht alles besser kann", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt". Es komme bei solchen Großprojekten auf eine kluge Partnerschaft von Staat und privaten Unternehmen an. Mit privaten Investoren könne die Attraktivtät des Standorts gestärkt werden, so Fratzscher. Der Flughafen müsse Anziehungspunkt für internationale Unternehmen werden.

Die nächsten Jahre werden verlustreich

Dass der staatliche Betreiber in den kommenden Jahren wenig Luft für weitere Investitionen hat, räumte jüngst auch FBB-Chef Engelbert Lütke-Daldrup ein. Die wirtschaftliche Lage sei durch die Corona-Krise "dramatisch". Man werde in den kommenden Jahren weiter auf Hilfszahlungen der Eigentümer Berlin, Brandenburg und dem Bund angewiesen sein. Es sei ungewiss, wann mit Gewinnen durch den Flughafenbetrieb zu rechnen sei. Trotzdem müsse der Flughafen fit für die Zukunft nach der Corona-Krise gehalten werden.

Auch Klaus-Heiner Röhl vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) geht von einem Schub für die Wirtschaftsregion durch den BER aus. Man beobachte eine seit Längerem bestehende Ansiedlungsfreude von Unternehmen in Flughafen-Nähe. Auch das Beispiel des Autobauers Tesla, der wenige Kilometer vom Flughafen entfernt derzeit eine Großfabrik baut, zeige die Standortvorteile auf, sagte der Mittelstandsexperte der Zeitung.

"Investoren werden derzeit nicht Schlange stehen"

Um der Lage Herr zu werden, wäre das Hinzuziehen privater Investoren für Röhl zwar eine denkbare Möglichkeit, aber er bezweifele, dass diese in der aktuellen Lage Schlange stehen würden.

Ursprünglich sollte der neue Hauptstadtflughafen - damals noch unter dem Namen Berlin Brandenburg International (BBI) - in privater Trägerschaft errichtet werden. Hochtief erhielt dafür im März 1999 den Zuschlag. Der Vergabebescheid wurde später vom Brandenburgischen Oberlandesgericht wegen Verfahrensfehlern kassiert.

Auch weitere Versuche scheiterten. Im Mai 2003 wurde das Scheitern der Privatisierung verkündet, weil die Bewerber aus Sicht der Gesellschafter nur ungenügend zur Übernahme finanzieller Risiken bereit waren. Der BBI sollte nun in öffentlicher Trägerschaft gebaut werden. Der Abbruch des Privatisierungsverfahrens kostete die Gesellschafter Presseberichten zufolge 41 Millionen Euro.

Von: dk

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

BER FBB Berlin Wirtschaft Flughäfen DIW Behörden, Organisationen Strategie