Wirksamkeit von Reisebeschränkungen unter Forschern umstritten

Die nach dem Ausbruch des Coronavirus in China vorgenommenen Reisebeschränkungen haben den Export von Fällen deutlich reduziert. Aber es gibt auch Studien mit anderen Ergebnissen. Die WHO empfiehlt, Reisebeschränkungen auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen.

Passagiere tragen Mundschutz als Maßnahme gegen das Coronavirus am Flughafen. © dpa / Adisorn Chabsungnoen

Ohne die chinesischen Reisebeschränkungen wären bis zum 15. Februar weitaus mehr Sars-CoV-2-Fälle exportiert worden, schreiben die Autoren um Alison Galvani von der US-Universität Yale in der am Freitag im Fachjournal "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlichten Studie.

Ende 2019 waren erste Fälle in der chinesischen Metropole Wuhan bekannt geworden, rund drei Wochen später hatte die chinesischen Regierung weitgehende Reisebeschränkungen eingeführt.

Diese und andere Reisebeschränkungen und Einreisekontrollen hätten die Ausbreitung des neuartigen Erregers um rund 70 Prozent verlangsamt, schreiben die Forscher. Alleine könnten sie so einen Ausbruch aber nicht eindämmen - beispielsweise weil viele Infizierte bei der Einreise in ein anderes Land keine Symptome gezeigt hätten. Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler unter anderem Flugdaten und solche zur Verbreitung des Virus.

© dpa, Sonja Wurtscheid Lesen Sie auch: Verschärfte Einreisebestimmungen für Passagiere aus Deutschland

Laut einer im "Science Mag" veröffentlichten Studie haben Einreisebeschränkungen allerdings nur einen geringen Einfluss auf die Ausbreitung des Coronavirus. Die Studienautoren hatten die Corona-Verbreitung in der Region Wuhan sowie in Ländern wie Thailand und Japan untersucht, die bereits Anfang Februar Reisebeschränkungen ausgerufen hatten.

Ein Ergebnis ist, dass Reisebeschränkungen meist zu spät kommen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Wichtiger seien lokale Maßnahmen, die eine Übertragung des Virus vor Ort eindämmen helfen. Dazu gehört den Forschern zufolge, möglichst viele Menschen zu testen, um Infizierte schnell zu isolieren.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt daher, dass Reise-Einschränkungen nur zu Beginn eines Ausbruchs gerechtfertigt sind. Die Beschränkungen würden dann begrenzt Zeit verschaffen, um genügend gesundheitliche Maßnahmen vorzubereiten. Die Reiseeinschränkungen müssten dem Risiko angemessen und nur von kurzer Dauer sein. Zudem sollten sie regelmäßig auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden.

Von: dh mit dpa

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