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Flugbegleiter der Lufthansa stehen während eines Warnstreiks im Januar 2009 vor einem Eingang für Lufthansa-Bedienstete. © dpa / Frank Rumpenhorst

Billigflieger Ryanair führt früher als gedacht Tarifgespräche mit Kabinenvertretern. In Deutschland hat der Low-Cost-Carrier jüngst Verdi als Vertreter der Flugbegleiter anerkannt - aber auch Ufo dringt auf diesen Status und auf Tarifverhandlungen. Zuletzt war Altgewerkschafter Uwe Hien zu Gesprächen in Dublin. Logische also, dass das Gespräche mit unserer Redaktion an diesem Schauplatz beginnt.

airliners.de: Herr Hien, die Ryanair-Flugbegleiter in Belgien, Portugal und Spanien streiken - wie laufen die Gespräche von Ufo in Dublin?
Uwe Hien: Ich war vergangenen Freitag mit einem Ufo-Kollegen in Dublin. Es war ein Gespräch unter acht Augen - also zwei Leute von uns und zwei von Ryanair. Uns war wichtig, von dem Unternehmen die Zusage zu bekommen, dass sie sowohl mit Ufo als auch mit Verdi für die Flugbegleiter in Deutschland verhandeln wird. Da Ryanair keine Erfahrung damit hat, wie solch ein Prozess mit zwei Gewerkschaften abläuft, haben sie sich einen deutschen Fachanwalt an die Seite geholt. Wir haben verabredet, dass wir Anfang August unsere Forderungen übermitteln werden.

Kommen wir zu einem anderen Schauplatz, den Ufo gerade bespielt: Ich möchte mal sagen der 'Konflikt Baublies'. Da haben Sie sich als Gewerkschafter mit jahrzehntelanger Erfahrung nun sehr wortreich in einem Post auf Facebook gemeldet. Wieso gerade jetzt?
Ich finde, man muss ganz einfach die Leistung anerkennen, die hinter dem Lufthansa-Tarifwerk 'Agenda Kabine 2016' steckt. Und auch bei Euro- sowie Germanwings haben wir Ergebnisse erzielt, die in der Tariflandschaft einzigartig sind. Das erste Mal haben wir einen Tarifvertrag bei Eurowings hinbekommen, bei dem die Leute auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen bei anderen Airlines in die Vergütungsstruktur einsteigen. Das hat es noch nie gegeben und wird es wahrscheinlich auch nicht so schnell wieder geben. Das sind Dinge, die sind für mich ganz klar eine Leistung für die Menschen draußen auf der Strecke, die wir vertreten. Und wenn ich dann sehe, wie man im aktuellen Diskurs fast alles nur noch auf Empfindlichkeiten reduziert, treibt mich mein Gerechtigkeitsgefühl los.

Und die Unzufriedenheit muss man dann via öffentlichem Netzwerk kundtun?
Letztlich sind alle Ufo-Mitglieder in erster Linie Flugbegleiter und somit sehr viel unterwegs. Dies fast immer in anderen Konstellationen und meist auch zu unterschiedlichen Zeiten. Über Facebook und andere Newsletter haben wir Wege entwickelt, trotzdem den Austausch zu pflegen. Und die Reaktionen auf meinen Post zeigen ja, dass ich einen Nerv getroffen habe. Es kommen auch Leute aus der Deckung, die eigentlich 'zur anderen Seite' zu gehören schienen, jetzt aber merken, dass der Bogen überspannt ist und viele Scherben herumliegen.

Zum Interviewpartner

Uwe Hien ist mehr als 30 Jahre bei Lufthansa in der Kabine geflogen - und immer noch in der Flugbegleitergewerkschaft Ufo aktiv. Das seit 1990. Dort hält er sich mehr im Hintergrund - von einigen wird er als "graue Eminenz" bezeichnet, sich selbst sieht er als Senior und sagt: "Ich bin nicht mehr an der Front, weil ich den Staffelstab weitergegeben habe."

Sie sprachen die Tariflösung 'Agenda Kabine 2016' bereits an. Immer wieder wird angeführt, diese sei von Nicoley Baublies im Alleingang verhandelt. Wie viel Wahres steckt in so einer Aussage?
Sicherlich nicht viel. Die Themen, die in einen Tarifvertrag münden sollten, waren in Gremien von bis zu 40 Personen diskutiert und verabschiedet worden. Schon allein, weil ja auch Aspekte angeschnitten wurden, die letztlich auch Germanwings, Eurowings und City-Line betreffen, war die Aufstellung sehr breit. Die Entscheidung, letztlich fast 30 eigenständige Tarifwerke anzustreben, war eine sehr einheitliche. Da gab es keinerlei Dissens. Natürlich haben wir auf dem Weg dahin über Zuspitzungen der Verhandlungen den ein oder anderen Kollegen verloren.

Die Personalvertretung der Lufthansa-Flugbegleiter hat jüngst gesagt, Baublies und Sylvia de la Cruz seien keine einfachen Verhandlungspartner. Sie kennen beide persönlich - was sind das für Menschen?
In der Politik würde man vornehm sagen, die beiden sind sehr meinungsstark. Das ist eine Eigenschaft, über die ich bei den beiden Frontmenschen sehr froh bin. Das ist sicher für Kollegen, die im Alltag nicht ständig mit solchen Situationen konfrontiert sind, eine Überforderung, als dass man denkt, man könne mit seiner Position nicht so einfach durchdringen.

Warum kamen viele in der Nachbetrachtung zu dem Schluss, dass die Struktur der 'Agenda Kabine' mit 29 Tarifverträgen zu komplex ist?
Innerhalb der Lufthansa ist die Bewertung gereift, dass sich der Konzern überfordert fühlt. Auch weil eine schiere Menge an Regelungen in die Realität überführt werden musste. In der Tarifpolitik ist es auf beiden Seiten gang und gäbe, dass Tarifverträge am stärksten von Menschen kritisiert werden, die nicht dabei waren. Aus meiner Sicht hat zudem der ökonomische Druck, der von den Controllern auf die Betriebspolitik ausgeübt wird, dazu geführt, dass Arbeitgebervertreter und Gewerkschaften nach Lösungen suchen, die nicht plakativ einfach sind. Stattdessen ist das verteilbare Volumen an möglichst vielen Stellen wirksam - und das führt zu komplexen Regelungen.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Wir haben versucht, einen Teil der von der Kabine geforderten Kostenentlastungen für Lufthansa darüber zu realisieren, indem wir gesagt haben: 'Wenn ich den Menschen nicht direkt in die Tasche greifen möchte, verlange ich von ihnen, dass sie ihre Bereitschaft zu fliegen der Saisonalität anpassen.' Daraus ist zum Beispiel der Tarifvertrag zum Ausgleich der Saisonalität für neue Mitarbeiter entstanden. Auch um als Gegenläufer den unbefristeten Vertrag für ab jetzt alle neueingestellten Kollegen durchzusetzen. Und für das Bestandspersonal sind Teilzeitmodelle entwickelt worden, die im Winter mehr Freistellungen an Stellen, wo es zu viel Personal oder zu wenig Flugprogramm gibt, anbietet. Wenn ich im Sommer wiederum etwas mehr fliegen kann, habe ich im Jahresdurchschnitt brutto gleich viel raus wie zuvor. So etwas im Betrieb umzusetzen mit der Garantie, dass die jungen Teilzeitmitarbeiter nach im Vertrag definierten Regeln in Vollzeit wechseln können, ist unglaublich komplex und greift letztlich auch in die Kapazitätsplanung mit ein. Und setzt die Bereitschaft der Lufthansa voraus, sich an Verträge zu halten.

Der Konflikt

Der jetzige Streit dreht sich im Kern um Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies und die von ihm ausgehandelte Tariflösung "Agenda Kabine 2016". Dieser umfasst 29 Einzelverträge. Alle Regelungen kumulieren im Vertrag "Monitoring". Ein Vorstand bezeichnete diesen zuletzt als "Blackbox", weil die verabredeten Tarifstrukturen so unsichtig seien, dass erst im Nachhinein verständlich wird, über welche Zahlen man spreche.

© dpa, Frank RumpenhorstLesen Sie auch: Flugbegleiter streiten mit Ex-Chef Baublies

Im Juni äußerte sich Baublies via Facebook zu dem Streit - kurze Zeit später veranlasste die Mehrheit des Vorstands seine Abberufung als Ressortleiter Tarif und die von Sylvia de la Cruz als Verantwortliche für den Bereich Personal. Dagegen machten beide einstweilige Verfügungen geltend, sodass sie ihre bisherigen Aufgaben wieder wahrnehmen.

Das klingt, als wenn man sehr auf die Situation der Lufthansa achtet …
In jedem Unternehmen gibt es natürlich formelle und auch informelle Kontakte zwischen Arbeitgebern und -nehmern. Selbstverständlich wird das auch genutzt, um beispielsweise Tarifeinigungen im eigenen Sinne zu beeinflussen - das wäre falsch, wenn ich sagen würde, dass wir das nicht täten. Neu ist diese persönliche Verhärtung gegen Herrn Baublies. Nach diversen Hinweisen und Gesprächen ist der Konflikt bei Ufo, der letztlich Herrn Baublies von vorderster Front entfernen soll, vom Konzern gelenkt. Dass das so offen gespielt wird, hat für mich eine neue Qualität bei Lufthansa. So etwas gab es für mich bislang nur bei Siemens - Stichwort AUB ... Mein Ansinnen ist es, die Ufo-Mitglieder zu sensibilisieren, welche Dynamik entstanden ist und wer welche Rolle spielt; dass wir vielleicht mehr Trennschärfe hinkriegen und uns am Ende nicht eingestehen müssen, dass wir uns haben vor den Karren spannen lassen.

Aber solche meinungsstarken Persönlichkeiten braucht Ufo?
Absolut. Wenn man sich beispielsweise die Theorie des Polizeipsychologen Schranner anschaut, dass Konflikte nicht nur in Win-Win-Situationen gelöst werden können, sondern es immer auch klassisch einen Gewinner und einen Verlierer geben kann, muss man erkennen, dass in vielen Unternehmen eine neue Verhandlungsphilosophie zutage tritt. Hier braucht es Menschen, die häufiger einfach nicht zu schnell Ja sagen, um nicht argumentativ und verhandlungstechnisch in den Hintergrund zu geraten.

Blicken wir abschließend noch einmal nach vorn: Wie kann man diesen Personalkonflikt bei Ufo jetzt noch lösen?
Ich bin ehrlich gesagt etwas ratlos. Mittlerweile bekomme ich zwar Signale aus beiden Lagern, dass die Erkenntnis da ist, die Kabine könnte bei dem Streit nur verlieren und die Eskalation müsse somit zum Stillstand kommen. Meine Privatmeinung ist, dass nur eine vorgezogene Neuwahl eine inhaltliche aber auch klärende Änderung der Führungsebene bringen könnte.

Herr Hien, vielen Dank für das Gespräch.

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