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Interview "Wir konzentrieren uns auf vier Flughäfen"

Condor-Chef Ralf Teckentrup erklärt im Gespräch mit airliners.de, wie er seine Airline größer und gleichzeitig schlanker machen will und warum er mit Lauda Motion kooperiert - aber nicht mit Eurowings.

Condor-Chef Ralf Teckentrup. © Germania

Der Ferienflieger Condor ist im Sommerflugplan mit mehr Flugzeugen denn je unterwegs. Auf der Kurz- und Mittelstrecke setzt er voraussichtlich 15 Jets mehr als im Vorjahr ein, dazu kommen fünf Maschinen, die er für den Partner Lauda Motion füllt. Die Thomas-Cook-Tochter will in der Nachfolge von Air Berlin und Condor Marktanteile gewinnen - und gleichzeitig weiter die Kosten senken. Im airliners.de-Interview erläutert Condor-Chef Ralf Teckentrup, wie er seine Airline neu organisieren will und welche Rolle dabei neue Tochtergesellschaften spielen.

airliners.de: Herr Teckentrup, das Air-Berlin-Erbe wird aufgeteilt. Sehen Sie sich als Gewinner der Neuordnung im deutschen Flugmarkt?
Ralf Teckentrup: Ich würde nicht von Gewinnern oder Verlierern sprechen. Wir sind mit dem Teil, den wir abbekommen haben, sehr zufrieden. Jetzt müssen wir sehen, dass wir den Betrieb ordentlich hinbekommen und am Ende des Sommers damit auch Geld verdient haben.

Eigentlich wollten Sie ja ein größeres Stück vom Kuchen, nämlich die Niki …
Wir haben stets gesagt, dass wir alle Optionen, inklusive des Erwerbs der österreichischen Niki beziehungsweise von Teilen der Airline prüfen. Beim dritten Mal haben wir uns darauf geeinigt, dass Niki Lauda alleine ein Angebot einreicht. Für ein gemeinsames Angebot wäre die Zeit zu knapp gewesen.

Darum jetzt also die Zusammenarbeit mit Lauda Motion?
Wir haben Lauda schon frühzeitig Unterstützung bei der Vermarktung zugesagt. Lauda hat ja bisher keinen eigenen Verkauf, er kann die Airline nur erfolgreich in den Markt stellen, wenn er Unternehmen findet wie uns, die ihm helfen, Marketing, Vertrieb, Crew-Planung und Ops-Control aufzubauen.

Gleichzeitig hilft Lauda Condor, noch stärker zu wachsen …
Wir hätten das Angebot von Lauda Motion in Düsseldorf, Frankfurt und Zürich gar nicht selbst produzieren können, weil Condor in diesem Sommer schon auf maximale Größe gestellt wird. Sowohl an Flugzeugen als auch an Mitarbeitern als auch an Slots hätte es gehapert.

Werden Sie noch mehr Flugzeuge für Lauda füllen?
Es könnte noch etwas dazukommen. Die meisten Lauda Motion Flüge starten ja nicht Ende März, sondern später. Einige Ketten gehen erst Ende April oder Ende Mai los, die zwei Maschinen in der Schweiz sogar erst im Juni.

Der Condor-Chef

Ralf Teckentrup ist seit 2004 Vorstandsvorsitzender der Condor und Vorstandsmitglied des Reisekonzerns Thomas Cook, seit 2013 auch Chief Commercial Officer bei den Thomas Cook Group Airlines. Er begann seine Karriere 1986 bei der Lufthansa. Seit 2007 ist Teckentrup Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), daneben gehört er dem Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) und dem Beirat der Deutschen Flugsicherung (DFS) an.

Die Airline

Die 1956 gegründete Condor Flugdienst GmbH ist seit 2009 eine hundertprozentige Tochter von Thomas Cook. Die Flotte umfasst aktuell 44 Flugzeuge, darunter 16 Langstrecken-Jets. Hinzu kommen in diesem Sommer sechs Flugzeuge der neuen Tochtergesellschaft Thomas Cook Aviation und fünf Flugzeuge von Thomas Cook Airlines Balearics. Je nach Saison mietet Condor zudem Maschinen im Wet-Lease bei anderen Fluggesellschaften an - im Sommer sollen es sieben oder acht sein. Die Condor-Flotte ist in Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Hannover, Leipzig/Halle, Stuttgart und Köln/Bonn stationiert.

A321 von Condor. Foto: © AirTeamImages.com , Manuel EstevezR

Wäre für Condor auch hier eine Zusammenarbeit mit Eurowings denkbar? Sie ist ja mittlerweile im Ferienflug eine dominante Größe.
Ich glaube nicht, dass irgendein Wettbewerbshüter das zulassen würde. Eurowings und die Lufthansa Group haben eine Größe erreicht, bei der man über das Thema gar nicht nachzudenken braucht. Wir sind Wettbewerber - und das wird auch so bleiben.

Das Wachstum bei Condor findet derzeit fast nur über neue Tochtergesellschaften statt. Warum?
Das kann man so nicht sagen. Wir wachsen mit Condor um die maximale Anzahl an Flugzeugen und maximale Anzahl an Piloten und Flugbegleitern. Unser Trainingsvolumen gerade für den Cockpitbereich ist bereits seit einiger Zeit maximal ausgereizt. Da nicht zuletzt durch den Marktaustritt von Air Berlin und Niki zusätzlich Nachfrage im Markt ist, können wir mit der Thomas Cook Aviation fünf Flugzeuge zusätzlich in die Luft bekommen. Wir haben die Gesellschaft ja von der Air Berlin übernommen, dort gelten die Procedures und Handbücher der Air Berlin, und wenn wir einen Air-Berlin-Piloten einstellen, dauert es nur wenige Tage, bis er fliegen darf.

Und die neue Gesellschaft auf Mallorca?
Für das Sommergeschäft haben wir immer wieder Wet-Leases mit Partner-Airlines. Ein Teil davon ist so stabil, dass wir gesagt haben: Das können wir auch selber machen. Darum haben wir die Thomas Cook Airlines Balearics gegründet.

Wie geht es mit der eigentlichen Condor weiter?
Unsere Strategie ist, die Condor auf die vier Standorte Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg zu konzentrieren. Wir waren in der Vergangenheit zu dezentral aufgestellt. Das führt dazu, dass jede Unregelmäßigkeit schnell ein großes Problem werden kann und dass wir mehr Reserven dezentral brauchen. Um die Condor effizienter zu machen, ist es sinnvoll, sie auf weniger Standorte zu bringen.

Und alle anderen Flughäfen sollen dann durch die neuen Tochtergesellschaften bedient werden?
Das wäre der Plan. Das sind ja unsere Fluggesellschaften, und wir haben die Angebots- und Produktqualität komplett in der eigenen Hand. An einen Teil der Standorte wird Thomas Cook Aviation stationiert, ein Teil wird von der Balearics angeflogen.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Condor baut im Sommer deutlich aus

Welche Pläne haben Sie für die Langstrecken-Flotte? Die Jets sind ja teilweise älter als 25 Jahre …
Wir wissen, wie alt die 767 sind, und wir kennen ihre Vorteile: Sie sind für einen Langstreckenflug klein und effizient. Wir bedienen Nischenmärkte - dafür haben wir das perfekte Flugzeug. Eine bessere Lösung habe ich bisher noch nicht gefunden.

Auch nicht den Dreamliner?
Neue Flugzeuge bringen sicherlich Vorteile mit sich, was Effizienz, Lärmbelastung und vieles andere angeht. Anderseits sind die Leasingkosten auch signifikant teurer. Eine Flottenerneuerung auf der Langstrecke will gut vorbereitet sein. Dafür haben wir noch mehr als ausreichend Vorlauf.

Wie lange können die 767 noch fliegen?
Das kann ich mir noch für nahezu zehn Jahre vorstellen. Die Maschinen werden ja gut gewartet und ständig auf den neuesten Stand gebracht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Teckentrup.

Von: pra

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