Wie die Pandemie Dienstreisen streicht

Die Corona-Pandemie führt zu deutlich weniger Dienstreisen. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie. Große Unternehmen in Deutschland wollen Dienstreisen kritischer hinterfragen.

Geschäftsreisender bei Lufthansa. © Lufthansa / Jens Goerlich

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation zeichnet ein klares Bild: Knapp 90 Prozent von 500 befragten deutschen Unternehmen tendieren dazu, Dienstreisen zukünftig zumindest kritischer zu hinterfragen. Die Studienautoren prophezeien: Es wird selbstverständlicher werden, virtuelle Zusammenkünfte statt Dienstreisen zu organisieren.

Deutsche Post, Deutsche Telekom, Deutsche Bank, Rheinmetall, Zalando, Evonik , RWE, Thyssenkrupp oder Bayer: Fragt man große deutsche Konzerne, ist die Einigkeit über die Branchen hinweg groß: "Nach Corona" werden nicht mehr so viele Dienstreisen stattfinden wie vorher - die Lehren der Pandemie werden bleiben.

Pandemie wird zum Katalysator

Für global agierende Unternehmen wie die Post mit Mitarbeitern in 220 Ländern gehören Treffen per Video schon lange zum Alltag. Aber: "Die Pandemie hat hier als Katalysator fungiert und der virtuellen Zusammenarbeit einen weiteren Schub gegeben", sagt eine Post-Sprecherin.

In den meisten Fällen habe es keine inhaltlichen Einbußen gegeben, sogar Länderbesuche hätten virtuell stattgefunden. Auch der Rüstungskonzern Rheinmetall berichtet von langwierigen, länderübergreifenden Vertragsverhandlungen, die mit Kunden auf einmal auch per Video möglich waren.

Reisekosten sinken um 80 Prozent

Die Zahl der Konferenzen über Telefon oder Video sei bei Rheinmetall in den vergangenen vier Monaten auf das Sechsfache gestiegen, teilte ein Sprecher mit. Gleichzeitig seien die Reisekosten um rund 80 Prozent gesunken. Dieses "enorme Sparpotenzial" sporne an, die Tools auch in Zukunft intensiver zu nutzen als zuvor.

Es scheint fast, als habe die Post-Dienstreisen-Ära nur Vorteile: Man spart Geld und Zeit, die sonst an Flughäfen oder Bahnhöfen vertrödelt wird, ist kurzfristiger für Termine verfügbar und schützt nebenbei auch noch das Klima. Doch nicht für jedes Treffen ist der virtuelle Raum der richtige, auch da sind sich viele Unternehmen einig. "Klar ist, dass virtuelle Konferenzen den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen können", sagt etwa eine Sprecherin von BMW. Christian Sewing, der Chef der Deutschen Bank, schätzte kürzlich, für Kundenmeetings könnten in Zukunft zehn bis 20 Prozent weniger Reisen notwendig sein.

Wertschätzung als Grund für Dienstreisen

Wer sich auf einen weiten Weg zu seinem Gesprächspartner macht, gibt sich Mühe. Diese Wertschätzung dürfte gerade im Kontakt mit Kunden bislang oft ein Grund für manche Dienstreise gewesen sein. Da während der Corona-Zeit Reisen generell kaum zur Debatte standen, hatten alle Seiten die Chance, sich frei von Erwartungen an neue Formen zu gewöhnen.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Vom Videochat-Boom zum Geschäftsreise-Schock Hintergrund

Persönliche Treffen würden von Geschäftspartnern daher mittlerweile auch weniger erwartet oder veranlasst, heißt es zum Beispiel von Telekom und RWE. "Die hohe Bereitschaft und Akzeptanz zum mobilen Arbeiten hat ganz automatisch dazu geführt, dass die Notwendigkeit von Dienstreisen auf allen Ebenen hinterfragt wurde - sei es mit Kollegen, Kunden oder Dienstleistern", erzählt eine Evonik-Sprecherin.

Von: von Larissa Schwedes und Weronika Peneshko, dpa

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