airliners.de Logo

Ob und wie Corona mit Tests an Flughäfen eingedämmt werden kann

Corona ist noch nicht ganz überstanden. Um ein erneutes Auflodern der Infektion zu verhindern, erwägt das Gesundheitsministerium, verpflichtende Corona-Tests an Flughäfen einzuführen. Experten sind sich jedoch uneinig.

Ein Mitarbeiter testet im klinischen Labor des Leishenshan Krankenhauses in China Coronavirus-Proben von Patienten. © dpa / Cheng Min/XinHua

Derzeit läuft deutschlandweit eine Debatte, ob verpflichtende Corona-Tests für Einreisende an Flughäfen eingeführt werden sollten. Schon jetzt sind an mehreren deutschen Flughäfen Corona-Teststationen aufgestellt, an denen sich Einreisende freiwillig auf das Virus testen lassen können. So wird es zum Beispiel an den Airports München, Köln/Bonn und Stuttgart gehandhabt. Auch am Flughafen Frankfurt besteht diese Möglichkeit, doch ein Test kostet bis zu 215 Euro - fraglich, wie oft ein solches Angebot angenommen wird.

Hinzu kommt, dass sich bisher nur Reisende in eine 14-tägige, häusliche Quarantäne begeben müssen, die aus einem sogenannten Risikogebiet zurückkehren. Laut Einstufung des Robert Koch-Instituts (RKI) zählen dazu momentan die meisten Länder dieser Erde, allerdings kein EU-Staat, abgesehen von Luxemburg. Dabei verbringen viele Deutsche genau dort ihren Urlaub.

Auf Mallorca zum Beispiel schienen einige das Corona-Virus völlig vergessen zu haben und feierten ausgedehnte Partys ohne Abstand, Hygiene oder Masken, bis die mallorquinische Regierung die Zwangsschließung aller Lokale und Bars auf dem "Ballermann" anordnen musste, so die "Tagesschau".

Experten sind sich uneinig

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer erklärte gegenüber der dpa: "Der aktuelle, erneute Anstieg der Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern zeigt, wie schnell auch bei uns die Pandemie wieder aufflammen kann." Darauf müsse sich Deutschland vorbereiten. "Testzentren an Flughäfen können helfen, eine zweite Corona-Welle nach den Sommerferien zu verhindern. Jeder, der aus einem Corona-Hotspot zurückkommt, sollte sich testen lassen", so Reinhardt.

Der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid sieht das anders: Er kritisierte die Corona-Tests an Flughäfen scharf: "Fachlich ist das überhaupt nicht nachvollziehbar", sagte der Mediziner, der als Amtsarzt für den Bezirk Reinickendorf mit dem Flughafen Tegel zuständig ist. "Diese Testung schafft es nicht, Sicherheit herzustellen." Die angestrebten Tests seien eine Momentaufnahme, die Menschen müssten über Tage und Wochen mehrmals getestet werden. Fallen die Proben negativ aus, seien die Personen von der Quarantäne befreit, obwohl es keine absolute Sicherheit gebe.

"Das ist ein schwerwiegendes Problem. Es ist nicht sicher, dass auf diese Weise das Zeitfenster der Infektion erfasst wird." Hinzu komme, dass viele der Testergebnisse fehlerhaft seien. Bestes und sicherstes Mittel sei also eine Quarantäne von 14 Tagen, sagte Larscheid. "Niemand wird gezwungen, in ein Risikogebiet in den Urlaub zu fahren. Wer dieses Risiko dennoch auf sich nimmt auf Kosten der Allgemeinheit, der soll nach Rückkehr in Quarantäne gehen."

Doch selbst wenn eine allumfassende, einheitliche Quarantänepflicht bestünde, wäre es kaum möglich nachzuprüfen, ob sich auch wirklich alle an die Vorschrift halten. Deshalb sehen viele Experten und Politiker die Lösung letztendlich doch in verpflichtenden Corona-Tests an allen Flughäfen.

Als Nächstes stellt sich dann die Frage, wie ein solch groß angelegtes Projekt finanziert werden soll. Aus Sicht der Krankenkassen, so Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, sei der Staat gefordert. Wenn die Urlaubsrückkehrer ohne Symptome getestet werden sollten, sei eine staatliche Finanzierung nötig.

Am Mittwoch fanden die Gesundheitsminister von Bund und Ländern nach Angaben des Vorsitzlandes Berlin per Schaltkonferenz zusammen und suchten nach einem geeigneten Weg. Bisher kam es zu keinem formalen Beschluss, doch diesen Freitag wollen sich die Minister erneut beraten und ein Gesamtpaket beschließen.

Unklarheit auch bei den Flughafenbetreibern

Die deutschen Flughäfen sind sich in Hinblick auf die angedachten Corona-Tests ebenfalls noch unsicher. "In jedem Fall gilt: Sollten die Gesundheitsbehörden einen wie auch immer gearteten Schnelltest anordnen, müsste dieser von den Behörden durchgeführt werden", erklärte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Mitarbeiter der Flughäfen seien nicht befugt, Passagiere auf ihren Gesundheitsstatus hin zu überprüfen. "Auch muss dann festgelegt sein, wie mit positiv geprüften Reisenden umgegangen werden soll."

Ein Fraport-Sprecher äußerte sich am Donnerstag zu dem Thema: Der Flughafen Frankfurt stehe bei möglichen Corona-Tests "bereit, alles umzusetzen, was hilft und behördlich umzusetzen ist."

Berlin will voraussichtlich schon ab nächster Woche testen, wie die Hauptstadt bekannt gab. Bürgermeister Michael Müller kündigte am Donnerstag an: "Wir sind schon seit vergangener Woche im Gespräch mit der Flughafengesellschaft und koordinieren aktuell, wo und ab wann wir die Teststellen für die Rückkehrer aus RKI-Risikoländern in Tegel und Schönefeld installieren."

Von: lr

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Behörden, Organisationen Flughäfen Passenger Experience Passenger Journey Corona-Virus Rahmenbedingungen Politik