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Air Berlin Messestand auf der ITB 2009. © dpa

Das hatte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr anders vorgestellt: Zusammen mit Easyjet wollte er Air Berlin übernehmen und damit Ryanair ausbooten - die aus Lufthansa-Sicht größere Gefahr. Jetzt aber scheint Easyjet das Interesse an Air Berlin zu verlieren.

Dabei war es wirklich ein brillanter Lufthansa-Plan. Denn auf dem bisherigen Spielfeld gab es für den starken aber behäbigen "Öltanker" Lufthansa eine reale Bedrohung in Sachen Slots - und die hieß Ryanair. Mit ihrer riesigen Flotte aus einheitlichen Boeings konnten die agilen Iren bislang schnell wie auf "Jetskis" in Marktlücken rauschen, wo immer sie sich auch ergaben.

Air Berlin durfte nicht zusammenbrechen - bislang

Lufthansa hätte nach einem Zusammenbruch von Air Berlin wohl gar nicht so schnell gucken können, wie Ryanair mit ihren Flugzeugen etwa in Düsseldorf oder München als "New Entrant" die ehemaligen Air-Berlin-Slots weggesogen hätte. Deswegen durfte Air Berlin aus Lufthansa-Sicht nicht in sich zusammenbrechen.

Deswegen wurden detaillierte Pläne geschmiedet, von einer Kooperation mit Air-Berlin-Großaktionärin Etihad, über einen Lufthansa-Manager als Air-Berlin-Chef bis hin zur Insolvenz in Eigenverwaltung samt Überbrückungskredit der Regierung.

Und nur weil eine Komplettübernahme kartellrechtlich nicht möglich ist, brauchte Lufthansa einen Partner. Easyjet muss wegen des drohenden Brexits ohnehin auf den Kontinent expandieren und der gemeinsame Feind Ryanair schweißte ebenfalls zusammen. Ein perfekter Match!

Die Spielregeln haben sich geändert

Aber die Spielregeln haben sich plötzlich verändert. Ryanair streicht den eigenen Winterflugplan zusammen und muss sich sogar von ihrer einzigen innerdeutschen Strecke zurückziehen. Die Gründe dafür sind zweitrangig. Festzuhalten bleibt eines: Ryanair ist in Sachen Expansionswut aktuell nicht mehr so gefährlich wie noch vor ein paar Wochen. Nicht einmal bei Alitalia wollen die Iren noch mitbieten.

© AirTeamImages, Manuel EstevezRLesen Sie auch: Gegroundete Monarch verhandelte wie Air Berlin mit Easyjet

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Hinzu kommt die Pleite von Monarch. Der britische Ferienflieger verfügt ungefähr über 30 Flugzeuge, die hervorragend in das Easyjet-Portfolio passen. Genauso viele sollte Easyjet bei Air Berlin kaufen. Schon bei Monarch wollte Easyjet nichts bezahlen. Die Airline ist nun pleite.

Das mindert den Wert der Air Berlin erheblich. Denn warum sollte Easyjet in Berlin mehr Geld in die Hand nehmen, als einfach nur die Flugzeuge von den Leasing-Gebern zu kaufen. Und mit der Monarch-Pleite gibt es für Easyjet zuhause auf der Insel Piloten und Gerät aktuell zum Vorzugspreis. Dort müssen die Leasing-Geber sogar sofort handeln, denn es gibt für Monarch keinen Übergangskredit.

Bieter müssten Übergang finanzieren

Apropos Übergangskredit: Der reicht bei Air Berlin maximal bis Ende November. Zieht man die Kosten für den wilden Streik ab, bleiben bei Air Berlin vielleicht noch ein, zwei Wochen. Dann müssten bereits die Bieter den laufenden Betrieb finanziell sichern. Und das könnte bis zur eventuellen Genehmigung durch die EU noch Monate dauern.

© AirTeamImages.com, Bill BlanchardLesen Sie auch: Ryanair streicht Winter-Flugplanungen zusammen

Aus wirtschaftlicher Sicht fragt man sich, warum ein Unternehmen das unter den neuen Voraussetzungen noch tun sollte. Denn Ryanair wird nicht einsteigen, Easyjet kann auch mit potentiell günstigerem Monarch-Gerät Slots übernehmen. Und Lufthansa hat die Air-Berlin-Flugzeuge bereits gekauft und die ersten Air-Berlin-Mitarbeiter bei ihrer Tochter Eurowings Europe in Österreich eingestellt.

Für Lufthansa ist die neue Situation somit durchaus auch komfortabel. Denn wo Ryanair nicht kann und Easyjet nicht will, fällt bei einem Grounding der Air Berlin der interessante Rest automatisch an Lufthansa. Die selektiv übernommenen Air-Berlin-Langstrecken lassen grüßen.

Und so könnte sich am Ende sogar bewahrheiten, was Ryanair-Chef Michael O'Leary angekündigt hat: "Ryanair wird Air Berlin zerstören." Nur eben anders als gedacht. Oder kommt jetzt Condor?

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann beschäftigt sich seit 2007 professionell mit den Themen der Luftverkehrswirtschaft und Luftverkehrspolitik.
Kontakt: david.hasse@airliners.de

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