Weiterhin keine Einigung mit Gewerkschaften zum Personalabbau bei Lufthansa

Bei manchen Gewerkschaften scheint das Verlangen, noch vor der Lufthansa-Hauptversammlung in dieser Woche eine Einigung zu Personal-Sparmaßnahmen zu erzielen, zu schwinden. Politiker appellieren derweil an die Aktionäre, dem vorliegenden Rettungspaket ihren Segen zu erteilen.

Eine Flugbegleiterin der Lufthansa auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. © dpa / Frank Rumpenhorst

Drei Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa gibt es weiterhin keine Vereinbarung zu Sparmaßnahmen beim Personal. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, dass man mit den Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit weiter intensiv verhandele, um möglichst noch vor der außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Donnerstag eine Lösung zu erreichen.

Ursprünglich sollten die Gespräche am Montag abgeschlossen werden. Die für das Bodenpersonal zuständige Gewerkschaft Verdi hat bereits klar gemacht, dass sie erst am Freitag und damit nach der Hauptversammlung weiter verhandeln will. Auf der Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre über eine Kapitalbeteiligung des Bundes.

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO steht nach eigenen Angaben kurz vor einer Einigung mit der Lufthansa über Einsparungen bei den Personalkosten. Noch am Dienstag solle ein Ergebnis stehen und den zuständigen Gremien am Abend vorgelegt werden, sagten der UFO-Vorsitzende Daniel Flohr und Geschäftsführer Nicoley Baublies. Das "Sparprogramm" hat demnach einen Umfang von bis zu 700 Millionen Euro.

"Wir haben einen Verhandlungsstand", sagte Baublies und betonte, die Sanierungsvereinbarungen schnellstmöglich festschreiben und "auf jeden Fall" vor der Hauptversammlung der Lufthansa am Donnerstag präsentieren zu wollen - als "wichtiges Zeichen" für Aktionäre und Politik. Angesichts der Unsicherheiten über das Rettungspaket und die Bedenken des Lufthansa-Großaktionärs Heinz Hermann Thiele "war es unglaublich schwierig für die Lufthansa, aber auch für uns, da einen Knopf drauf zu machen", sagte Baublies.

Auch die Gespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sind laut Lufthansa "fortgeschritten". Die VC hat nach eigenen Angaben einen Sparbeitrag von rund 350 Millionen Euro vorgeschlagen, was in der Spitze zu Gehaltseinbußen von bis zu 45 Prozent führe.

Gehaltssteigerungen und Zulagen im Fokus

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle und der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen.

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Unterdessen haben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Bedeutung der gefährdeten Airline betont. "Die Lufthansa ist für Hessen und die hessische Wirtschaft sehr wichtig. Nicht nur wegen des internationalen Drehkreuzes in Frankfurt, sondern auch als bedeutender Arbeitgeber", teilten beide Politiker am Montagabend mit.

"Mit dem Rettungspaket der Bundesregierung liegt nun etwas auf dem Tisch, das der Lufthansa und vor allem den vielen Beschäftigten eine Perspektive gibt." Bouffier und Al-Wazir appellierten daher an die Aktionäre, "in deren Händen nun die Zukunft eines der traditionsreichsten Unternehmen liegt, damit trotz der schwierigen Situation in der Luftverkehrsbranche eine gute Lösung gefunden wird".

Von: dk, dpa, afp

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