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Weiteres Hoffen auf Investor für Flughafen Hahn

Eine Entscheidung über die Zukunft des Flughafens Hahn fällt möglicherweise bald. Die rheinland-pfälzische Landesregierung sucht weiter einen Investor, der den Flugbetrieb fortführt. Ein Experte für Insolvenzrecht ist skeptisch.

Ein Einbahnstraßenschild am Airport Hahn. © dpa / Thomas Frey

Rheinland-Pfalz sucht nach der Bruchlandung mit einem mutmaßlich betrügerischen Käufer aus China nach neuen Investoren für den Flughafen Hahn. Sollte die Suche allerdings scheitern und ein Insolvenzantrag nötig werden, könnte mit Starts und Landungen im Hunsrück nach Ansicht eines Insolvenzexperten sehr schnell Schluss sein. Das zuständige Innenministerium setzt auf den Verkauf, der Airport auf sein Überleben.

"Wir gehen davon aus, dass der Hahn weiterhin als Flughafen betrieben wird", hieß es bei der Flughafen GmbH. Wie immer werde mit möglichen zusätzlichen Airlines verhandelt. Der Flughafen verwies auch auf seinen neuen Fünf-Jahres-Vertrag mit der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair.

"Es ist sehr teuer, den Flugbetrieb mit seinen hohen Sicherheitsauflagen aufrechtzuerhalten", sagte Anwalt Hans-Gert Dhonau in Bad Sobernheim. "Wenn ein vorläufiger Insolvenzverwalter sieht, dass er Geld drauflegt, könnte es mit regelmäßigen Flügen rasch vorbei sein, vielleicht schon am 1. Januar. Es sei denn, er bekommt noch eine Nothilfe vom Wirtschaftsministerium." Dhonau ist Vorsitzender des Fachausschusses Insolvenzrecht der Rechtsanwaltskammern Koblenz und Zweibrücken.

Umwandling in Gewerbepark nicht ausgeschlossen

Rheinland-Pfalz will in einer zweiten Bieterrunde den hoch defizitären Flughafen verkaufen, der 2015 ein Defizit von 17,4 Millionen Euro verbuchte. In diesem Jahr erwarten Branchenkenner einen Fehlbetrag in ähnlicher Höhe. Ein Investor soll nach dem Willen der rot-gelb-grünen Landesregierung den Flugbetrieb möglichst fortführen. Er könnte dabei die Hilfe eines staatlichen Darlehens in Höhe von 34 Millionen Euro in Anspruch nehmen - für den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) eine gute Basis für Verkaufsgespräche. Allerdings wird in der öffentlichen Debatte auch die Umwandlung des Airports in einen Gewerbepark nicht ausgeschlossen - so wie es schon mit dem pfälzischen Flughafen Zweibrücken geschehen ist.

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Fragen und Antworten zum Verkauf des Flughafens Hahn

Der Flughafen habe "erhebliche positive volkswirtschaftliche Auswirkungen", teilte das Innenministerium in Mainz mit. Die EU-Kommission habe die Möglichkeiten staatlicher Finanzierungen erheblich eingeschränkt. Seither habe die Landesregierung die Voraussetzungen geschaffen, die Anteile an der Flughafengesellschaft veräußern zu können. Das Land hofft, dass ein Käufer den Flugbetrieb aufrechterhält.

"Sonst macht er sich strafbar"

Dhonau sagte, wenn Flughafen-Chef Markus Bunk eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung erkenne, müsse er binnen drei Wochen Insolvenz beantragen. "Sonst macht er sich strafbar", erklärte der promovierte Experte für Insolvenzrecht. Jede Insolvenzakte werde auch routinemäßig von der Staatsanwaltschaft unter die Lupe genommen. Der Hahn-Ausichtsratsvorsitzende Salvatore Barbaro (SPD) hatte im September bekräftigt, dass der Airport voraussichtlich bis Ende Oktober liquide sei.

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Hahn-Chef: "Wir müssen halten, was wir haben"

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter würde nach Angaben von Anwalt Dhonau prüfen, ob ein Verfahren beim Insolvenzgericht am Amtsgericht Bad Kreuznach eröffnet werden könnte - oder mangels Masse abzuweisen wäre. "Dann würde alles zusammenkrachen und die Gläubiger müssten jeweils selbst schauen, was sie noch bekommen könnten. Dies wäre dann ein ungeordnetes Verfahren", sagte Dhonau. Der ehemalige US-Militärflughafen gehört zum Großteil Rheinland-Pfalz und zum kleinen Teil Hessen.

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Von: Jens Albes, dpa, gk

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