Was Passagiere bei verspätetem Gepäck einkaufen dürfen

18.04.2018 - 16:55 0 Kommentare

Wenn das Fluggepäck verspätet ankommt, können Reisende sich auf Kosten der Airline mit dem Wichtigsten ausstatten. Aber für den Einkauf gibt es klare Grenzen, entschied ein Gericht.

Gepäckbänder am Flughafen - © © dpa - Kai Remmers

Gepäckbänder am Flughafen © dpa /Kai Remmers

Kommt das Fluggepäck verspätet an, muss eine Airline dem Passagier einem Urteil zufolge keine luxuriöse Shoppingtour bezahlen. Das Amtsgericht Frankfurt wies in einem Urteil von 2017 die Klage eines Geschäftsreisenden ab.

Der Mann hatte Kleidung und Kosmetika im Gesamtwert von 1286 Euro gekauft und der Fluggesellschaft in Rechnung gestellt, weil sein Gepäck einen Tag später am Zielort in Malta eintraf. Das Gericht hielt hingegen den von der Airline gezahlten Schadenersatz von 300 Euro für ausreichend. (Az:30 C 570/17 (68)).

Luxusartikel sind persönliches Vergnügen

Der Mann argumentierte den Angaben zufolge mit einem wichtigen Geschäftstermin. Er trage ausschließlich luxuriöse Garderobe und könne zudem wegen einer Allergie Hotel-Kosmetika nicht benutzen.

Das Gericht entschied hingegen, erforderlich seien nur die notwendigen Dinge für eine Übernachtung gewesen. Der Kläger sei von der Airline informiert worden, dass sein Gepäck am nächsten Tag eintreffen werde.

Wenn der Kläger ausschließlich Luxusprodukte bevorzuge, so sei dies sein persönliches Vergnügen, erklärte das Amtsgericht. Mit Zahlung von 300 Euro habe die Fluggesellschaft die erforderlichen Kosten einer Ersatzbeschaffung komplett getragen.

Beim Rückflug sind die Grenzen enger

Beim Rückflug aus dem Urlaub nach Hause sind die Grenzen für die Erstattung nach geltender Rechtsprechung sogar noch enger. "Denn dem Urlauber entsteht durch die Verspätung des Gepäcks in der Regel kein Schaden", erklärt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und genau das ist die Voraussetzung für die Erstattung von Ausgaben.

Ein mögliches Beispiel: Im verspäteten Koffer befindet sich ein Anzug, den der Reisende direkt nach seiner Ankunft zu Hause braucht. Dies muss er der Fluggesellschaft jedoch beweisen, so Wagner. Er muss also zum Beispiel darlegen, dass er keinen Ersatzanzug hatte, den er ebenfalls hätte anziehen können.

In der Regel nur geringe Beträge

In der Praxis dürfte es dagegen eher um Hygieneartikel gehen. Befindet sich im Koffer zum Beispiel die elektrische Zahnbürste, kauft sich der Fluggast womöglich eine Handzahnbürste - bloß ist der Preis in diesem Fall so gering, dass es sich kaum lohnt, sich den Betrag von der Airline erstatten zu lassen.

Grundsätzlich gilt ein Gepäckstück dann als verloren, wenn es nach 21 Tagen noch nicht aufgetaucht ist. Nach dem Montrealer Übereinkommen können Fluggesellschaften verspätete oder verlorene Koffer mit einem maximalen Betrag von rund 1350 Euro pro Passagier erstatten. Diese Höchstgrenze ist vor allem bei komplettem Kofferverlust relevant.

Von: dpa, pra
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