Überblick Was Condor von Air Berlin unterscheidet

Condor hat bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt. Auch Air Berlin wurde schon von staatlich verbürgtem Geld in der Luft gehalten, um einen geregelten Verkauf zu ermöglichen. Die Parallelen und die Unterschiede.

2014 stehen Flugzeuge von Air Berlin und Condor am Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com / Jan Severijns

Um Liquiditätsengpässe zu verhindern, hat Condor einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird aktuell von der Bundesregierung geprüft. Über die Höhe und den genauen Zweck sowie die geplante Laufzeit ist noch nichts offiziell bekannt. Angeblich geht es um 200 Millionen Euro.

Mit Überbrückungskrediten für in Not geratene Fluggesellschaften kennt sich die Regierung aus. So hatte der Bund einen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro über die staatliche Förderbank KfW gewährt, um Air Berlin in der Luft zu halten und einen Verkauf zu erleichtern.

Im Gegenzug musste das Darlehen bevorzugt zurückgezahlt werden. Das gelang auch. Der Überbrückungskredit für die ehemals zweitgrößte deutsche Airline konnte in der vergangenen Woche komplett zurückbezahlt werden.

Kaum Parallelen zu Air Berlin

Sollte die Bundesregierung nun einen Kredit für Condor bewilligen, ist das aber so gut wie die einzige Parallele zum Fall Air Berlin. Denn die Voraussetzungen für Condor, entweder den Betrieb allein als deutsche Ferienfluggesellschaft weiterzuführen oder aber zeitnah einen Käufer zu finden, sind komplett anders.

Thomas Cook ist pleite und damit fehlt dem deutschen Ferienflieger Condor die britische Mutter. Mit Etihad hatte auch Air Berlin einen bedeutenden ausländischen Anteilseigner. Die Fluggesellschaft musste im August 2017 Insolvenz anmelden, weil der Großaktionär Etihad den Geldhahn zugedreht hatte.

Dabei war Air Berlin selbst gar keine Tochter der Etihad sondern lediglich eine Finanzbeteiligung. Die Gruppe aus den Vereinigten Arabischen Emirates war stets nur Minderheitsgesellschafter. Demzufolge war Air Berlin die Mutter für Niki und LGW sowie weitere Beteiligungen. Condor dagegen ist selbst eine 100-prozentige Tochter der nun insolventen Thomas Cook, was Experten zufolge einen Verkauf vereinfachen dürfte.

Anders als Air Berlin hängt Condor auch nicht am finanziellen Tropf. Condor ist seit vielen Jahren profitabel, was auch für die Thomas Cook Airlines insgesamt gilt. Während der Reiseveranstalter ins Minus rutschte, konnten die Fluggesellschaften im vergangenen Jahr sogar noch zulegen. Das Betriebsergebnis stieg um 37 Prozent auf 146 Millionen Euro. Auf Condor allein entfiel dabei ein Plus von 43 Millionen Euro.

Ganz anders war das bei Air Berlin. Zuletzt musste die Airline 1,8 Milliarden Euro negatives Eigenkapital verbuchen - darin enthalten waren allein minus 2,5 Milliarden Euro Verlustvorträge. Hinzu kamen noch einmal gut 3,2 Milliarden Euro Schulden.

Thomas Cook belegt nicht die meisten Plätze

Dennoch ist auch Condor von ihrer Mutter abhängig, denn Thomas Cook bringt einen großen Anteil des Umsatzes. Allerdings ist dieser Anteil nicht so groß wie vielleicht angenommen. Im Jahr 2018 wurden nur 45 Prozent der Airline-Kapazitäten von Thomas Cook gefüllt. Der Rest der Sitze verkauften die Airlines an Drittveranstalter oder Einzelplatzgäste.

Bei Condor ist der Anteil angeblich noch geringer. Im Schnitt seien weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken, teilte die Fluggesellschaft mit.

Air Berlin hing dennoch insgesamt weniger stark an den Vertriebsbemühungen der Mutter. Zwar wurden einige Million Passagiere über Codesharings mit Etihad transportiert. Gleichzeitig war Air Berlin aber bis zuletzt Mitglied der Oneworld Allianz, flog für etliche Veranstalter und der Einzelplatzverkauf hatte einen hohen Anteil an der abgesetzten Kapazität.

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Gleichzeitig hängt Condor aber systematisch an ihren vier Schwester-Airlines Thomas Cook UK, Scandinavia, Balearics und Aviation. Zuletzt hatte der Konzern große Anstrengungen unternommen, die Synergien zwischen den vier Konzernairlines auszubauen. Inwieweit Condor auch allein operieren kann, bleibt abzuwarten.

Dabei besitzt Condor durchaus Assets. Dazu zählen unter anderem die Slots an wichtigen deutschen Flughäfen - vor allem am Heimat-Airport Frankfurt. Zwar werden Slots nicht offiziell gehandelt - sie stellen aber einen nicht zu verachtenden Wert dar. In Berlin etwas hatte Easyjet rund 40 Millionen Euro für die Übernahme der Operations in Tegel bezahlt.

Nicht zu vernachlässigen ist auch der Markenname. Er gehört wohl zu den Top-Assents der Airline. Condor ist zumindest in Deutschland so bekannt und beliebt, dass Thomas Cook den Namen nicht wie ursprünglich geplant fallen ließ. Für viele deutsche Urlauber musste und muss es die Condor sein.

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Air Berlin war rund drei Mal größer

Die Größe ist ein weiterer Unterschied zwischen Condor und Air Berlin. Die ehemals zweitgrößte deutsche Airline kam pro Jahr zuletzt auf rund 30 Millionen Passagiere, Condor flog im vergangenen Jahr rund acht Millionen Fluggäste.

Der Unterschied in der Größe macht sich auch in der Flotte bemerkbar. Während Condor rund 40 Flugzeuge betreibt, flog Air Berlin zum Zeitpunkt der Insolvenz mit knapp 150 Flugzeugen. Hinzu kommen bei Condor noch die acht Flugzeuge der Thomas Cook Aviation und die sechs Maschinen bei der Balearics, die für Condor abheben - plus ein gutes Dutzend Wet-Leasing-Flugzeuge. Air Berlin war also rund drei Mal größer als Condor.

Dennoch hat Condor bei der Flotte einen Pluspunkt zu verbuchen, denn immerhin gehören 14 Maschinen der Airline. Nach Angaben von CH-Aviation sind das alle Airbus A320 sowie zwei Boeing 757-300 und eine 767. Air Berlin dagegen hatte zuletzt alle Flugzeuge verkauft und zurückgeleast.

© Thomas Cook, Lesen Sie auch: Das sind die fünf Thomas-Cook-Fluggesellschaften Hintergrund

Betrachtet man alle Thomas Cook Airlines zusammen, kommt der Konzern schon näher an die ehemalige Air-Berlin-Größe. Insgesamt flogen zuletzt knapp 120 Flugzeuge für die fünf Schwester-Airlines.

Von: dh

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